European Tour

Von Langer bis Kaymer: Alle deutschen Sieger in Europa


2. November 2021 ,


Großer Coup von Kaymer: Bei der Abu Dhabi Golf Championship 2008 siegte er im Alter von 23 Jahren.
Großer Coup von Kaymer: Bei der Abu Dhabi Golf Championship 2008 siegte er im Alter von 23 Jahren. | © golfsupport.nl/Frank Vuylsteke

Der deutsche Golfsport blickt auf eine lange Geschichte auf der European Tour zurück. Welche deutschen Profis konnten in Europas erster Liga bereits gewinnen? Tauchen Sie mit uns in die Historie ein!

Die European Tour gilt als die höchste Spielklasse im europäischen Profigolf. Für deutsche wie auch internationale Nachwuchstalente ist sie das große Ziel eines langen Wegs. Die Startplätze auf der 1972 gegründeten Tour sind begrenzt und wer dort einen Titel gewinnt, gehört zu einem elitären Kreis. Legenden wie Seve Ballesteros oder Colin Montgomerie waren hier zuhause und prägten die europäische Tour über viele Jahre. Ballesteros gilt mit 50 Titeln als Rekordsieger; Montgomerie gewann acht Mal die Order of Merit (Saisonwertung). Doch welche deutschen Spieler hinterließen ihre Spuren? Wir blicken auf alle DGV-Sieger auf der European Tour und informieren Sie über ihre Zeit auf der großen Golfbühne Europas. 

Langer, Cejka & Strüver – große Siege in Europa


Bernhard Langer

Titel: 42
Debüt-Erfolg: 1980 Dunlop Masters
Letzter Sieg: 2002 Volvo Masters Andalucia

Das erste Mal European-Tour-Luft schnuppern durfte Langer im zarten Alter von 17 Jahren bei der Swiss Open 1974. Ein regelmäßiger Gast wurde der gebürtige Anhausener vier Jahre später, als er auch die ersten Top-Ergebnisse einspielte. Der große Durchbruch gelang Langer gegen Ende der Saison 1980, als sich sein Debüterfolg fast schon andeutete. Bei drei Turnieren in Folge spielte er ganz vorne mit, als endlich beim Dunlop Masters der erste deutsche Sieger auf der European Tour gekürt wurde. Beim in Wales ausgetragenen Event ließ er Namen wie Sir Nick Faldo, Greg Norman oder Lee Trevino hinter sich und nicht nur Golfkenner waren sich einig: Dieser 23-Jährige wird noch viele weitere Turniere gewinnen.

Und so kam es. Langer entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer Golflegende, wird mit insgesamt 42 Siegen auf der European Tour in der ewigen Rangliste auf Rang zwei geführt und nur durch Seve Ballesteros übertrumpft (50 Siege). Nicht umsonst war der Deutsche in den 80er-Jahren Teil der sogenannten Big Five in Europa. Ein Quintett bestehend aus Faldo, Ian Woosnam, Sandy Lyle, Ballesteros und eben Langer. 1985 sowie 1993 gewann er das Masters in Augusta, 1986 wurde er die erste Nummer eins der offiziellen Golfweltrangliste und seit 2002 zählt er zum illustren Kreis der World Golf Hall of Fame. Eine Liste all seiner Erfolge und Auszeichnungen wäre gefühlt ewig lang. Nur logisch, dass Langer, ganz nebenbei zweimaliger Gewinner der Order of Merit, ein Ehrenmitglied der European Tour ist. Kaum einer prägte die Tour in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens so sehr wie der Mann, der allein fünf Mal die German Open und vier Mal das German Masters gewann. 
 

Der ewige Champion: Bernhard Langer (64) hat auf sämtlichen Touren fast alles gewonnen. Er ist Teil der World Golf Hall of Fame.

Der ewige Champion: Bernhard Langer (64) hat auf sämtlichen Touren fast alles gewonnen. Er ist Teil der World Golf Hall of Fame.


Alex Cejka

Titel: 4 
Debüt-Erfolg: 1995 Turespana Masters Open de Andalucia
Letzter Sieg: 2002 Trophée Lancôme

Es dauerte 15 Jahre bis Deutschland seinen zweiten Sieger auf der European Tour hervorbrachte. Alex Cejka war ab 1992 Mitglied der Tour und erlebte 1995 das erfolgreichste Jahr seiner Karriere in Europa. Ohne in den Spielzeiten zuvor allzu sehr in Erscheinung getreten zu sein, holte der aus Tschechien stammende Münchner drei Titel in einer Saison. Nach seinem Debüterfolg bei der Turespana Masters Open de Andalucia sagte Cejka: „Als kleiner Junge habe ich Bernhard Langer bei der German Open an mir vorbeilaufen sehen und seitdem war er mein Held. Heute spiele und trainiere ich mit ihm und jetzt habe ich ein Turnier gewonnen – ein Traum geht in Erfüllung. Die Saison 1995 beendete die neue deutsche Hoffnung auf dem sechsten Rang der Order of Merit

Weitere Titelgewinne blieben zunächst aus. Erst 2002 konnte Cejka noch einen Sieg folgen lassen, es war seine letzte komplette Saison und gleichzeitig sein letzter Titel auf der European Tour. Den damals 32-Jährigen zog es – wie so viele seiner Kollegen – auf die PGA Tour. Bis heute verdiente Cejka knapp sieben Millionen Euro auf der European Tour und rangiert damit in den Top 150 der ewigen Geldrangliste.
 

Alex Cejka ist bis heute erfolgreich – im Mai 2021 gewann er mit der Senior PGA Championship sein zweites Major-Turnier auf der PGA Tour Champions.

Alex Cejka ist bis heute erfolgreich – im Mai 2021 gewann er mit der Senior PGA Championship sein zweites Major-Turnier auf der PGA Tour Champions.


Sven Strüver 

Titel: 3
Debüt-Erfolg: 1996 Alfred Dunhill S.A. PGA
Letzter Sieg: 1998 Canon European Masters

Mitte der 90er-Jahre erfreute man sich in Deutschland an einem dritten Profi, der um Titel auf der European Tour mitspielen konnte. Strüver machte bereits als Amateur auf sich aufmerksam, als er bei der German Open 1989 eine 62 schoss und damit die niedrigste Runde unterschrieb, die je einem Amateur auf der European Tour gelang. Sieben Jahre später trug sich der gebürtige Bremer auch erstmals in die Siegerliste ein, als er bei der auf drei Runden verkürzten Alfred Dunhill South African PGA Championship eine 63 am Finaltag zauberte und somit Ernie Els sowie David Feherty auf den zweiten Platz verwies. Nach einem weiteren Erfolg 1997 in den Niederlanden, feierte Strüver seinen größten Sieg beim Canon European Masters im Crans-sur-Sierre GC. Dies war zudem die dritte Saison in Folge, die er unter den besten 25 der Order of Merit abschließen konnte. Von zwei zweiten Plätzen Anfang der 2000er-Jahre abgesehen, blieben weitere Top-Ergebnisse aus und so musste Strüver vermehrt den Weg über die Q-School gehen, ehe er 2008 seine letzte Saison auf der European Tour spielte.
 

Sven Strüver ist bis heute ein Rekordhalter – 1989 spielte er mit einer 62 die niedrigste Runde, die jemals einem Amateur auf der European Tour gelang.

Sven Strüver ist bis heute ein Rekordhalter – 1989 spielte er mit einer 62 die niedrigste Runde, die jemals einem Amateur auf der European Tour gelang.


Dier, Siem & die großen Siege von Martin Kaymer
 

Tobias Dier

Titel: 2
Debüt-Erfolg: 2001 North West of Ireland Open
Letzter Sieg: 2002 TNT Dutch Open

Eigentlich wollte er ganz nach seinem Vater Werner kommen, der Fußballprofi beim 1. FC Nürnberg war. Doch Tobias Dier hatte mit Achillesproblemen zu kämpfen und rutschte daher im Alter von 13 Jahren in den Golfsport. Ein klassisches Balltalent also, das gleich in seiner ersten Saison auf der European Tour einen Titel gewann. Die North West of Ireland Open war ein Parallelevent zur US PGA Championship und sollte für Dier nur der Startschuss einer langen, erfolgreichen Karriere auf der European Tour sein. Und zunächst schien der Rookie-Erfolg den Nürnberger beflügelt zu haben. 2002 folgte das erfolgreichste Jahr seiner Profilaufbahn, als er nach seinem Sieg bei der TNT Dutch Open 59. der Order of Merit wurde. Seit dem Triumph in den Niederlanden, wo er sich mit einer 60er-Runde noch in die Geschichtsbücher eintrug (nur neun Spielern vor ihm war dies auf der European Tour gelungen), verließ Dier aber der Schwung und so gab er 2004 zu Protokoll: „Ich habe den Faden verloren und weiß nicht, wo ich ansetzen soll.“ Es war sein letztes volles Jahr auf der European Tour.
 

Tobias Dier, inzwischen 45 Jahre alt, gewann Anfang der 2000er-Jahre zwei Titel auf der European Tour.

Tobias Dier, inzwischen 45 Jahre alt, gewann Anfang der 2000er-Jahre zwei Titel auf der European Tour.


Marcel Siem

Titel: 4
Debüt-Erfolg: 2004 Dunhill Championship
Letzter Sieg: 2014 BMW Masters

Der Houghton GC in Johannesburg war im Jahr 2004 zum zweiten Mal nach 1996 Schauplatz eines deutschen Debüt-Erfolgs, als Siem bei der Dunhill Championship zwei Franzosen im Stechen bezwang und der insgesamt fünfte deutsche Sieger auf der European Tour wurde. „Zuhause sitzen 15 Freunde von mir vor dem Fernseher und ich bin sicher, dass die alle durchdrehen mit Champagner“, so der damals 23-Jährige, der schon mit zwei Jahren seinen ersten Golfschläger in den Händen hielt. So früh sich Siem einen Namen auf der European Tour machte, so lange musste er auf seinen zweiten Titel warten. Erst acht Jahre später durfte das zweite Mal gejubelt werden. Bei der Open de France 2012 ließ der gebürtige Ratinger Francesco Molinari einen Schlag hinter sich und spielte seine bis dato beste Saison auf der European Tour.

Der Erfolg in Frankreich war auch der Auftakt einer Serie von drei siegreichen Jahren in Folge. 2013 folgte Titel Nummer drei bei der Trophée Hassan II und 2014 gelang Siem der bislang größte Coup seiner Karriere. Beim BMW Masters in Shanghai erhielt er einen Siegerscheck in Höhe von knapp einer Million Euro. Das Race to Dubai schloss er damals als Siebter ab. Weitere Titel sollten bislang noch nicht folgen. 2017 hätte er beinahe ein European-Tour-Event auf deutschem Boden gewonnen. Im Finale des Match-Play-Events musste er letztlich aber Adrian Otaegui gratulieren.
 

Zuletzt machte Marcel Siem im Sommer 2021 Schlagzeilen – als er bei der Open Championships überraschend 15. wurde.

Zuletzt machte Marcel Siem im Sommer 2021 Schlagzeilen – als er bei der Open Championships überraschend 15. wurde.


Martin Kaymer

Titel: 11
Debüt-Erfolg: 2008 Abu Dhabi Golf Championship
Letzter Sieg: 2014 US Open

Nach Langer ist Martin Kaymer der erfolgreichste European-Tour-Spieler aus Deutschland. Elf Mal gewann er, darunter zwei Majors sowie ein WGC-Event. Doch der Reihe nach: 2007 wurde der gebürtige Mettmanner nach fünf Top-Ten-Ergebnissen zum Rookie des Jahres gekürt. Ein Jahr später hielt er seinen ersten Titel in den Händen. Bei der Abu Dhabi Golf Championship legte er einen Start-Ziel-Sieg hin und war zu diesem Zeitpunkt der einzige Spieler in den Top 50 der Welt, der jünger als 25 Jahre alt war (23 Jahre und 24 Tage). Zudem löste er Langer als bislang jüngsten deutschen Sieger auf der European Tour ab. Im selben Jahr konnte er als erster Deutscher die BMW International Open auf heimischem Boden gewinnen. 2009 folgten zwei weitere große Titel bei der Open de France sowie der Scottish Open

Sein erfolgreichstes Jahr auf der European Tour verlebte Kaymer aber 2010, als er nicht nur ein zweites Mal in Abu Dhabi triumphieren, sondern bei der PGA Championship auch seinen ersten Major-Titel feiern konnte. Siege Nummer drei und vier der Saison folgten wenige Wochen später und so stand Kaymer als erster deutscher Gewinner des Race to Dubai fest. Im folgenden Jahr fand der steile Aufstieg des European Tour Golfer of the Years seinen Höhepunkt, als er als erster Deutscher seit Langer die Führung in der offiziellen Weltrangliste übernahm. Nach zwei titellosen Jahren knüpfte Kaymer bei der US Open 2014 an seine alten Leistungen an und feierte Major-Sieg Nummer zwei. Seitdem beendete der elfmalige European-Tour-Sieger fünf Turniere auf dem zweiten Rang. Seine Gesamteinnahmen auf der European Tour belaufen sich auf mehr als 30 Millionen Euro, womit er Rang 16 in der ewigen Rangliste belegt.
 

In seinem erfolgreichsten Jahr, 2010, gewann Martin Kaymer nicht nur sein erstes Major, sondern auch das Race to Dubai.

In seinem erfolgreichsten Jahr, 2010, gewann Martin Kaymer nicht nur sein erstes Major, sondern auch das Race to Dubai.