Interview

Mallorca-Champion Paul: „Wenn ich dankbar bin, spiele ich am besten“


27. Oktober 2022 , Thomas Kirmaier


Yannik Paul gehört nach seinem Sieg auf Mallorca zur Winners Category der DP World Tour - in seinem Rookie-Jahr. © Andrew Redington/Getty Images
Yannik Paul gehört nach seinem Sieg auf Mallorca zur Winners Category der DP World Tour - in seinem Rookie-Jahr. © Andrew Redington/Getty Images

Was ihm beim finalen Putt durch den Kopf geschossen ist, mit welcher Atemtechnik er im entscheidenden Moment den Puls flach hielt und wie Freundin Kaela seinen Sieg vorhergesehen hat - im Interview hat DP-World-Tour-Sieger Yannik Paul (28) Golf.de verraten, wie unglaublich das war mit dem Triumph auf Mallorca.

Ein paar Tage nach Ihrem Premierensieg auf Mallorca sind vergangen. Wie fühlt es sich nach etwas Ruhe, Schlaf und Abstand an, zum Kreis der Sieger zu gehören?
Das ist natürlich sehr, sehr geil. Es haben mir wirklich viele Leute gratuliert. Ich brauche dennoch ein bisschen mehr Zeit, bis ich das richtig realisiere. Ich glaube, ich habe mir das Video vom finalen Putt schon hundertmal angeschaut. Das ist echt unglaublich.

Was verändert dieser Sieg an Ihrer Planung für Ende 2022 bzw. für die Planung 2023?
Große Planänderungen gibt es jetzt eigentlich nicht. Klar, ich bin jetzt in der Winners Category, da kann man vielleicht ein bisschen besser planen. Aber ich wäre auch so nächstes Jahr in alle Turniere reingekommen, aber so ist es natürlich noch schöner. Ich versuche, die Saison so gut wie möglich abzuschließen. Dann habe ich ein paar Wochen frei und dann geht es für mich ab Januar wieder voll los, worauf ich mich sehr freue.

Heißt, der Fokus bleibt ganz klar auf der DP World Tour?
Ja, zu 100 Prozent.

Sie haben im Interview erzählt, dass Sie sich im Finish auf Ihre Atmung konzentriert bzw. im mentalen Bereich für solche Momente trainiert haben. Was und wie konkret trainieren Sie diesen mentalen Part Ihres Spiels?
Seit Anfang letzten Jahres, also seit 2021, habe ich meine Morgen-Routine umgestellt. Nicht immer gleich das Handy zu nehmen, sondern erstmal etwas Bewegung, bisschen Yoga zu machen, damit sich der Körper besser anfühlt. Dazu kommen Meditation und Atemübungen und dann mache ich Journaling, das heißt aufzuschreiben, wofür man dankbar ist. Es ist richtig, beim Turnier habe ich mich dann in der wichtigen Phase aufs Atmen konzentriert. Konkret mache ich das mit 4-7-7, das heißt vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden halten und sieben Sekunden ausatmen. Das hilft mir wirklich sehr, den Puls runterzufahren.

Deutsche Toursieger 2022

Februar: Alexander Knappe gewinnt das Dimension Data Pro-AM (Challenge Tour) in Südafrika. © Johannes Simon/Getty Images
Februar: Esther Henseleit gewinnt die Magical Kenya Ladies Open (LET). © Stuart Franklin/Getty Images
Februar: Was wäre ein Jahr ohne einen Sieg von ihm? Bernhard Langer gewinnt die Chubb Classic (PGA Tour Champions). © Logan Riely/Getty Images
Juni: Chiara Noja gewinnt die Amundi Czech Ladies Challenge (LET Access Series). © Annie Krcmarova
Juli: Marc Hammer gewinnt die Euram Bank Open (Challenge Tour) in Österreich. © Oliver Hardt/Getty Images
Juli: Alex Cejka gewinnt die JCB Championship in England (Legends Tour). © Phil Inglis/Getty Images
August: Velten Meyer gewinnt die Vierumäki Finnish Challenge (Challenge Tour). © Johannes Simon/Getty Images
August: Freddy Schott gewinnt die Frederikshavn Challenge (Challenge Tour). © Oliver Hardt/Getty Images
August: Patricia Isabel Schmidt gewinnt die Big Green Egg Swedish Matchplay Championship (LET Access Series). © LET Access Series
August: Max Kieffer gewinnt das D+D Real Czech Masters (DP World Tour). © Stuart Franklin/Getty Images
September: Und nochmal Alexander Knappe. Er gewinnt die B-NL Challenge Trophy in Belgien (Challenge Tour).
| © Neil Baynes/Getty Images
Oktober: Verena Gimmy gewinnt die Santander Golf Tour Burgos (LET Access Series). © Santander Golf Tour
Oktober: Olivia Cowan gewinnt die Hero Women's Indian Open (LET). © Harry How/Getty Images
Oktober: Yannik Paul gewinnt die Mallorca Golf Open (DP World Tour). © Andrew Redington/Getty Images
3. Der Shooting-Star: Die erst 16-jährige Chiara Noja hat sich nach ihrem LET-Sensationssieg in Saudi-Arabien in den Fokus gespielt und ist in Zukunft definitiv eine Solheim-Cup-Anwärterin. | © Tristan Jones/LET

Der letzte entscheidende Putt war grandios – Mitte Loch. Lassen Sie uns teilhaben, was in Ihrem Kopf in genau diesen Sekunden vor sich ging bzw. wie Sie genau diese Sekunden erlebten.
Ich wollte dem Putt auf jeden Fall eine Chance geben. Er war zum Glück bergauf, da kann man ihn schon mal aggressiver machen. Ich war jetzt gar nicht so nervös bei diesem Putt, weil ich wusste, ich habe ihn zum Sieg, aber ich hätte trotzdem noch eine Chance auf den Sieg, wenn er nicht fällt. Dann wäre es eben ins Stechen gegangen. Ich habe einen freien Stroke gemacht, das hat sich gut angefühlt und als ich gesehen habe, dass er Richtung Loch geht und reingefallen ist, war das unglaublich. Ich habe gar nicht gewusst, wohin mit meinen Emotionen. Die kamen da alle raus.

Wie groß ist der Anteil Ihrer Freundin an diesem Triumph, die vor Ort dabei war und Sie unterstützt hat?
Es war extrem schön, dass meine Freundin dabei war. Sie war schon bei der U.S. Open dabei und bei einem anderen Event der PGA Tour, aber bei einem DP World Tour Event war sie noch nie. Vor über einem Jahr hatte sie mal gesagt, wenn sie da dabei ist, gewinnen wir zusammen. Dass es nun wirklich genau so gekommen ist, macht das Ganze unglaublich. Sie hilft mir extrem viel im Mentalbereich. Da trainiere ich mit ihr. Wir haben vor eineinhalb Jahren damit angefangen und seitdem ist meine Karriere eigentlich steil nach oben gegangen. Da hat sie also auch extrem viel Anteil daran.

Sie sind über die Challenge Tour auf die DP World Tour aufgestiegen und haben im Rookiejahr gleich gewonnen. Nun steht wieder ein Challenge Tour Grand Final an, auch auf Mallorca. Welche Tipps haben Sie für die sechs deutschen Jungs im Feld?
Im Grand Final lief es letztes Jahr sehr gut für mich. Da braucht man einfach eine sehr gute Einstellung. Ich habe damals die Woche mehr genossen. Wichtig ist, nicht zu extrem aufs Ergebnis zu achten, weil man dann vielleicht zu sehr versucht zu steuern. Die Jungs sollten versuchen, dankbar zu sein, dass sie überhaupt dabei sein dürfen. Denn das zeigt, dass ihre Saison ja schon sehr ordentlich war. Wenn ich dankbar bin und mich relaxt fühle, spiele ich meistens auch am besten. Das wäre so der Tipp für die Jungs, und ich freue mich, wenn einige im nächsten Jahr oben dabei sind.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!