Sylt

In Deutschland ganz oben


4. August 2022 , Felix Grewe


Buckelpiste Budersand: Der südlichste Platz auf Sylt erinnert an Golf in Schottland.
Buckelpiste Budersand: Der südlichste Platz auf Sylt erinnert an Golf in Schottland. | © Stefan von Stengel

Sylt ist eine Insel der Extreme. Hier können Sie wunderbar Golf spielen – und noch viel mehr. Wir stellen Ihnen die vier Clubs der Insel vor und geben Ihnen zehn Tipps für den Rest des Urlaubs.

Mit der Insel Sylt ist es so ähnlich wie mit der Musik von Helene Fischer – man liebt sie oder man hasst sie. Wer einmal hier war, kommt wieder zurück – oder bleibt für immer fern. Grautöne findet man am Himmel zur Genüge, zu jeder Jahreszeit und bei allen Temperaturen, dafür umso weniger in den Herzen der Menschen, die das 99,14 Quadratkilometer große Fleckchen Erde im norddeutschen Wattenmeer entweder verehren oder verachten. 

Sylt ist eine Insel der Gegensätze. Hier spült man Austern mit Champagner die Kehle hinunter, während der Kellner, der das Schälchen mit den sechs Meeresfrüchten und die Flasche Nicolas Feuillatte für 250 Euro serviert, oft am Abend mit dem letzten Zug aufs Festland tuckern muss, weil es auf der Insel kaum noch erschwinglichen Wohnraum gibt. Hier zahlt man angeblich bis zu 35.000 Euro für einen Quadratmeter Eigenheim im Nobelort Kampen, dort, wo in den 60er-Jahren schon Gunther Sachs und Brigitte Bardot in der berühmten sogenannten Whiskeymeile legendäre Partys feierten und wo die Sylter Schickeria seitdem über Skiurlaube in Lech und Kurztrips nach St. Tropez schwadroniert. Oder man lässt den Hotspot der Superreichen links liegen und erfreut sich gerade einmal drei bis fünf Steinwürfe entfernt an einer atemberaubenden Natur, dem Roten Kliff, einer Steilklippe zwischen Kampen und Wenningstedt, die so heißt, weil die eisenhaltigen Bestandteile des Lehmkies in der Sonne bezaubernd rot-orange leuchten. Eine Szenerie, die einen beim Sonnenuntergang zu Glückstränen rühren kann, wenn man ein Faible für Natur und schroffe Küsten mitbringt. 

Hotspot auf Sylt: Der Strand an der Sturmhaube in Kampen führt am Roten Kliff entlang – einer der schönsten Plätze auf der Insel.
Hotspot auf Sylt: Der Strand an der Sturmhaube in Kampen führt am Roten Kliff entlang – einer der schönsten Plätze auf der Insel. | © Felix Grewe


Sylt vereint sämtliche Extreme

Auf Sylt braust man mit Oldtimern, Nobelkarossen und schweren Geländewagen über das Flachland und bläst jede Menge Sprit in die salzhaltige Luft, während man sehen und gesehen werden will. Man radelt aber auch über 200 Kilometer Radwege, die sich über die rund 40 Kilometer lange und maximal 13 Kilometer breite Insel schlängeln, strampelt bei strammem Gegenwind durch Naturschutzgebiete, vorbei an malerischen Wanderdünen und zufrieden wirkenden Schafsherden. Man trifft Männer in Segelschuhen, Chino und Polohemd mit Stehkragen, aber auch unrasierte Aussteigertypen und Lebenskünstler, die mit zerrissenen Shorts und Klampfe am Strand hocken und sinnsuchend, gedankenverloren, aber selig auf das raue Meer blicken. Eine ganze Menge „Normalos“ gibt es dazwischen sowieso. Sylt hat eben von allem etwas, vereint sämtliche Extreme, ist laut und still, schroff und sanft, hektisch und ruhig, eng und weit, mit Klischees behaftet und doch so vielseitig und unverbraucht. Die Insel ist wie das Leben – eine Frage der Perspektive.  

Die vier Golfclubs auf der Insel

Nach Sylt zu fahren, nur um Golf zu spielen, wäre so absurd wie ein Trip nach Paris, um dort bloß das Disneyland zu besuchen. Andererseits: Ein Urlaub auf Deutschlands nördlichster Insel ohne Abstecher in die vier Clubs wäre ebenfalls eine Sünde. Zu schön sind die Plätze, zu unterschiedlich, um sie nicht alle zu entdecken. Im Golfclub Morsum, am Armzipfel ganz im Osten, dort, wo man die Insel über den Hindenburgdamm erreicht und am liebsten sofort vom Autozug springen würde, liegen 18 topgepflegte Bahnen in Salzwiesen eingebettet. Man schlägt ab mit Blick auf Deich, Schafe und Wattenmeer, weit weg vom touristischen Trubel. Schon deshalb ist der Kurs einen Ausflug wert – auch wenn die Runde im Sommer nirgendwo auf der Insel teurer ist als hier. 135 Euro zahlen Erwachsene in der Hauptsaison, in den kalten Monaten starten die Greenfee-Preise bei 50 Euro. 

Herrliche Weite: Ganz im Osten der Insel befindet sich der GC Morsum.
Herrliche Weite: Ganz im Osten der Insel befindet sich der GC Morsum. | © Stefan von Stengel


Das Spiel mit dem Wind

Nicht ganz so kostspielig (65 bis 90 Euro für Erwachsene), dafür aber auch weniger exklusiv und deutlich lauter geht es im Marine-Golf-Club Sylt zu, mit 800 Mitgliedern der größte Club der Insel. Hier, zwischen Tinnum und Braderup, in unmittelbarer Nähe des Flughafens, wundert man sich zwischen Drive und Putt zuweilen, wie viele Maschinen im Sommer auf der Insel starten und landen. Die direkte Nähe zum Meer fehlt zwar, trotzdem ist der 2006 fertiggestellte Links Course attraktiv. Der Platz, mitten in der so Sylt typischen Dünen- und Heidelandschaft, weist durch seine 77 Potbunker knifflige Herausforderungen auf. Durch den böigen und ständig drehenden Wind ist es kaum möglich, sie alle zu umspielen.   

Direkt am Wattenmeer: Deutschlands nördlichste Grüns im Golf Club Sylt.
Direkt am Wattenmeer: Deutschlands nördlichste Grüns im Golf Club Sylt. | © Golf Club Sylt


Deutschlands nördlichste Grüns

Das ist im Golf Club Sylt nicht anders. Zwischen Wenningstedt und Kampen befinden sich Deutschlands nördlichste Grüns. Traumhafte Fairways, fast wie mit der Nagelschere getrimmt, naturbelassene Roughs, mehr als 60 Grünbunker und eine Menge unangenehmer Wasserhindernisse – klingt anspruchsvoll, ist aber trotzdem ein feiner Platz für (fast) alle Handicaps. Wenn man hier an Bahn 3 steht und den Blick in die ewig weit wirkende Braderuper Heide schweifen lässt und am Horizont den Kampener Leuchtturm erblickt, fällt zumindest kurzzeitig jeder Druck ab, den dieses manchmal so brutale Spiel erzeugen kann. Für dieses Gefühl zahlt man zwischen 65 bis 90 Euro. 

Schottisches Flair in Nordfriesland – der Golfclub Budersand in Hörnum.
Schottisches Flair in Nordfriesland – der Golfclub Budersand in Hörnum. | © Stefan von Stengel


Ein Stück Schottland in Hörnum

Vom nördlichsten Club der Insel bis zum südlichsten, zum Golfclub Budersand, sind es etwa 30 Autominuten. Man fährt durch Westerland und Rantum bis nach Hörnum, wo am Hafen täglich Ausflugsschiffe zu den benachbarten Inseln Amrum, Föhr oder Helgoland starten. Der Platz, der erst im Juli 2008 eröffnet wurde, ist eine Offenbarung. Für das Spiel auf diesem Kurs sollten Sie zwei Tage einplanen – weil Sie nach der ersten Runde höchstwahrscheinlich wiederkommen wollen. Entweder, um Ihren miserablen Score zu verbessern, der jedoch vergleichsweise wenig an Ihnen nagt, weil der extrem anspruchsvolle Links Course Sie vier Stunden lang mit einem anmutigen Blick auf Dünenlandschaften und das weite Meer verzückt hat. Oder weil Sie so gut sind, dass Sie eben überall zurechtkommen, auch auf diesen schmalen und hügeligen Fairways, auf denen Sie manchmal schon 25 Meter vor dem Grün zum Putter greifen und dabei an Golf in Schottland denken. Budersand ist ein Erlebnis. Jede Runde ist anders, wenig ist planbar, nur eines ist gewiss: Sie werden es genießen. Dafür zahlen Sie in der Hochsaison maximal 110 Euro. 

Alle vier Golfclubs im Überblick finden Sie hier: www.sylt.de/entdecken/sport/golfen

 

Zehn besondere Sylt-Tipps

Sylt hat so viel mehr zu bieten als wunderschöne Golfplätze. Das Kult-Restaurant Sansibar werden Sie in der folgenden Aufzählung ebenso wenig entdecken wie die Friedrichstraße in Westerland oder den Lister Hafen – kennt oder findet ohnehin jeder. Stattdessen zehn Tipps für Ihren Sylt-Trip, die nicht alle auf dem Zettel haben.   

1) Einmal ums Morsum-Kliff 

Nicht weit entfernt vom Golfclub. Beste Gelegenheit also, hier nach der Runde noch einmal durchzuatmen. Traumhafter Blick über die Ostküste der Insel. Blühende Heidelandschaften und eine faszinierende Tierwelt. Die ausgeschilderte Wanderung ums Kliff dauert ca. 45 Minuten.

2) Frühstück in Nielsens Kaffeegarten 

Brötchen, Ei und Kaffee sind hier in Ordnung, das aber ist zweitrangig. Im Sommer ist es auf der Terrasse so schön, dass Sie nie wieder verschwinden wollen. Direkter Blick aufs Wattenmeer, idyllischer geht’s nicht. Ein Muss-Besuch, wenn Sie in Keitum sind. Dorthin sollten Sie sowieso fahren, weil es das wohl syltigste Dorf der Insel ist. 

Endlose Weite: Golf.de-Autor Felix Grewe schätzt die ruhigen Plätze der Insel besonders.
Endlose Weite: Golf.de-Autor Felix Grewe schätzt die ruhigen Plätze der Insel besonders. | © Felix Grewe


3) Mit dem Fahrrad nach List 

Pflichtprogramm in einem Sylt-Urlaub. Fahrrad mieten und dann gegen den Wind strampeln. Klar, E-Bikes gibt es zur Not auch, die machen jede Strecke bekanntlich einfacher. Dafür zieht die einzigartige Landschaft aus Wanderdünen mit Blick aufs Meer dann aber auch umso schneller an Ihnen vorbei...

4) Wanderung von Munkmarsch nach Keitum

Am besten früh morgens. Dann treffen Sie höchstens ein paar Jogger mit Hunden. Man grüßt sich auf diesem Weg, weil man eben kaum jemandem begegnet. Falls Sie eine andere Erfahrung machen, treffen Sie vermutlich auf Golfer, die alle diesen Artikel gelesen haben... Besonders eindrucksvoll ist die Strecke bei Ebbe, dann können Sie sogar durchs Watt marschieren. Dabei entsteht eine neue Definition von Frieden.  

Mehr Idylle geht nicht: Der Wanderweg zwischen Munkmarsch und Keitum bringt jeden zur Ruhe.
Mehr Idylle geht nicht: Der Wanderweg zwischen Munkmarsch und Keitum bringt jeden zur Ruhe. | © Felix Grewe


5) Ruhe am Strand von Braderup

Quasi die Verlängerung des oben empfohlenen Wegs von Munkmarsch nach Keitum – nur in die andere Richtung, also gen Norden. Wenige Menschen und eine beruhigende Weite. Sie haben die Wahl: Entweder Sie gehen unten am Strand oder oberhalb auf befestigten Brettern bei grandioser Aussicht – beides schön. In Braderup können Sie sich im Café Curve stärken. Nebenan befindet sich eine Ledermanufaktur. Echte Handarbeit! 

6) Lecker essen in der „Alten Schule“ in Archsum 

Restaurants auf Sylt gibt’s viele. Die meisten sind teuer und längst nicht alle gut. Seit Corona geht ohne Reservierungen fast nichts mehr. Das ist der „Alten Schule“ in Archsum nicht anders. Aber: nicht ganz so abgehobene Preise wie vielerorts, trotzdem ausgezeichnete Qualität und bodenständige Atmosphäre. Geheimtipp!

7) Bester Kaffee in Rantum 

Kennt auch noch nicht jeder, obwohl es nirgendwo auf der Insel so guten Kaffee gibt. Hier wird selbst geröstet! Etwas abseits gelegen am Rantum-Becken, trotzdem fast immer gut besucht. Ideales Ausflugsziel mit dem Fahrrad.

8) Einmal um die Südspitze 

Nicht weit vom Golfclub Budersand. Parken Sie Auto oder Fahrrad am Ortseingang von Hörnum und marschieren Sie über einen der Dünenwege bis zum Strand. Was toll ist: Meist ist es hier vergleichsweise leer. Keine Strandkörbe, deshalb wenig Menschen. Laufen Sie einmal um den südlichsten Punkt der Insel bis zur Promenade von Hörnum. Lust auf einen Surfkurs? Hier haben Sie einen der besten Spots!  

Markanter Punkt der Insel: die Südspitze in Hörnum.
Markanter Punkt der Insel: die Südspitze in Hörnum. | © Felix Grewe


9) Suppe auf Rädern

Nochmal hoch in den Norden, bis nach List. Nicht weit hinterm Ortseingang (linke Seite) gibt es das vielleicht beste Eis auf der Insel (Sylter Eismanufaktur) und direkt daneben steht die urige Suppenküche auf Rädern von Maurice Morell. Sollten Sie unbedingt probieren! Er zaubert verschiedene Suppen mit besten regionalen Zutaten. Geniale Idee: Man kann auch eine zweite Suppe bezahlen, die Maurice dann quasi hinterlegt und an Bedürftige (ja, die gibt’s auch auf Sylt) verteilt. 

10) Idyllischer Ellenbogen

Gut gestärkt geht’s ganz nach oben – an den nördlichsten Punkt Deutschlands! Spätestens hier wechselt Ihr Handy ins dänische Netz. Den Sylter Ellenbogen können Sie wie auch die Südspitze zu Fuß umrunden. Der Weg dauert etwa eine halbe Stunde. Muss man mal gemacht haben. 

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