Partner des DGV

Yannick Malik vom Münchener GC | © DGV

Zweimal Emil in der Top Ten

Hämeenlinna/Finnland – Die Europameisterschaft der Männer hat auch 2026 wieder ein Feld, das eher an eine kleine Amateur-WM erinnert als an eine rein kontinentale Meisterschaft. 144 Spieler aus 41 Nationen sind bei der 39. Auflage am Start, darunter sieben Deutsche. Diese EM wird auf Linna Golf ausgetragen wird, einem der renommiertesten Plätze Finnlands.
 

Der Auftakt hatte es in sich. Der Finne Sakke Siltala, im Vorjahr Bronzemedaillengewinner dieser Meisterschaft, schlug um 7.00 Uhr Ortszeit bei Regen den ersten Ball. Schon kurz danach musste das Spiel wegen stärker werdenden Regens unterbrochen werden. Bundestrainer Pascal Proske beschrieb die Bedingungen eindrücklich: „Heute Morgen hat es viel geregnet, dadurch wurden die Grüns noch mal ein bisschen weicher, das hat den Platz ein bisschen spielbarer gemacht.“ Gleichzeitig war der Regen so stark, dass der Start für die meisten Athleten zunächst um 40 Minuten verschoben wurde. Auf dem Platz hatten sich Pfützen gebildet. Der Vormittagsstartblock wurde noch etwas nass, meisterte die Aufgabe aus deutscher Sicht aber ordentlich.
 

Kühl, nass, unangenehm – viel mehr finnischer Frühsommer ging an diesem Mittwoch kaum. Für die frühen Starter wurden Temperaturen von nur rund zwölf Grad erwartet. Wer sich bei solchen Bedingungen unter Par blieb, durfte dies als starke Leistung werten.
 

Gleich zwei Deutsche schafften es sogar deutlich unter Par. Emil Albers vom Hamburger GC und Emil Riegger vom GC Hubbelrath kamen jeweils mit 68 Schlägen ins Recording. Bei Par 71 entsprach dies drei unter Par und brachte beiden Spielern einen Platz in den Top Ten. Nach dem ersten Viertel dieser Europameisterschaft lliegen beide auf dem geteilten zehnten Rang.

Starke deutsche Spitze

Dass zwei Deutsche mit demselben Vornamen auf demselben Score stehen, ist eine hübsche Randnotiz. Sportlich wichtiger war aber, dass Albers und Riegger auf einem Platz, der keine Nachlässigkeit verzeiht, direkt ein Zeichen setzten. Linna Golf ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch sportlich fordernd. Der von Tim Lobb in Zusammenarbeit mit European Golf Design entworfene Platz wurde 2005 eröffnet und führt durch einen alten Wald mit überwiegend Kiefern und Birken, Sder Platz liegt am Ufer des Katumajärvi-Sees. Wasser kommt an mehreren Löchern ins Spiel, dazu verlangen die ondulierten Grüns höchste Präzision und eine feine Längenkontrolle.
 

Dem Bundestrainer gefiel der Austragungsort schon in der Vorbereitung sehr gut: „Der Platz ist super. Es ist eher ein Parklandkurs im Wald drin. Man braucht viele gut platzierte Schläge.“ Gerade die Qualität der Grüns hob Pascal Prokse positiv hervor. Durch den Regen wurden sie zwar etwas weicher und damit spielbarer, anspruchsvoll blieben sie aber dennoch. Für die Athleten bedeutete dies: gute Drives waren wichtig, aber die eigentliche Arbeit war damit längst nicht erledigt.
 

Emil Albers löste diese Aufgabe zum Auftakt besonders gut. Der Spieler des Hamburger GC erwischte zudem eine günstige Startzeit, denn für ihn hatte der Regen bereits weitgehend nachgelassen. „Ich habe über die ganze Runde lang gute Drives gehauen. Der Regen hatte schon fast aufgehört, als ich gestartet bin. Deshalb war meine Startzeit eigentlich perfekt“, sagte Albers nach seiner 68. Dass es weitgehend windstill blieb und für ihn kaum noch Regen fiel, nutzte der Hamburger konsequent. Seine starken Abschläge gaben ihm auf dem Parklandkurs immer wieder gute Ausgangspositionen.
 

Ganz zufrieden war Albers trotz des starken Scores nicht: „Leider habe ich noch ein, zwei gute Chancen mit dem Putter ausgelassen. Ich finde es relativ schwierig, die Greens zu lesen. Der Platz an sich macht super viel Spaß, zu spielen. Die Greens sind auch sehr anspruchsvoll.“
 

Dass dieser Platz schon mehrfach die Bühne für große internationale Turniere war, unterstreicht seinen Stellenwert. 2010 wurde hier bereits die Amateur-Europameisterschaft ausgetragen. Damals standen unter anderem Lucas Bjerregaard und Tommy Fleetwood auf dem Podium. 2014 folgte die Team-Europameisterschaft der Amateure, 2018 die St. Andrews Trophy und 2022 die European Young Masters.

Hubbelrath stark vertreten

Auf dieser Bühne zeigte sich auch Tom Haberer vom GC Hubbelrath direkt in guter Form. Mit 69 Schlägen blieb der Nationalspieler zwei unter Par und lag nach der ersten Runde auf dem geteilten 19. Platz.
 

Peer Wernicke, ebenfalls vom GC Hubbelrath, absolvierte seine erste Runde in Par. Mit 71 Schlägen lag er auf dem geteilten 42. Platz. In einem Turnier, bei dem nach zwei Runden nur die besten 96 und Schlaggleichen den ersten Cut überstehen, ist dies eine solide Ausgangsposition.
 

Der Blick des Bundestrainers auf das gesamte deutsche Aufgebot fiel nach der ersten Runde entsprechend konstruktiv aus. „Vorne haben wir die beiden Emils, Albers und Riegger mit jeweils drei unter Par. Insgesamt sind wir auch ganz gut platziert“, ordnete Proske den Auftakt ein. Das Ziel für den zweiten Tag ist damit klar: möglichst alle Deutschen durch den ersten Cut zu bringen. Proske sieht dafür gute Voraussetzungen: „Wir haben auf jeden Fall gute Chancen, alle Spieler durch den ersten Cut für die besten 96 zu bekommen und dann schauen wir, wen wir nach dem dritten Tag in den Cut der besten 60 Spieler bringen.“

Schwieriger Start für Glawe und Wiedemeyer

Mehr erwartet hatten sich vor dem Start sicherlich Wolfgang Glawe und Tim Wiedemeyer. Beide kamen mit 73 Schlägen ins Clubhaus und lagen damit bei zwei über Par auf dem geteilten 81. Platz. Glawe hatte 2024 auf dem New Course des Scandinavian GC in Dänemark Rang acht belegt. 2025 spielte er sich am Finaltag in Schweden mit einer bogeyfreien 66 noch auf Platz vier und war damit vor einem Jahr im Endklassement bester Deutscher.
 

Noch mehr Aufmerksamkeit lag vor dem Start auf Tim Wiedemeyer. Der Spieler des GC St. Leon-Rot ist im WAGR der am höchsten platzierte Spieler im gesamten Teilnehmerfeld. 2024 hatte Wiedemeyer in Dänemark nach 71 Löchern alleine geführt, ehe auf der 18. Bahn drei Bälle im Wasser landeten und aus der Chance auf den Titel am Ende Rang fünf wurde. Diese Szene gehört zu jenen Momenten, die zeigen, das Golf auch auf diesem hohen Niveau gnadenlos sein kann.
 

2025 spielte Wiedemeyer erneut eine ordentliche EM und belegte nach einer 70 am Finaltag Rang 21. Nun gehört er in Finnland zu den Spielern, auf die viele Blicke gerichtet sind. Die 73 zum Auftakt war unter diesen Voraussetzungen sicher nicht das gewünschte Signal. Gleichzeitig ist bei vier Wettkampfrunden noch viel Raum für Bewegung. Gerade ein Spieler seiner Klasse kann sich mit einer tiefen Runde schnell wieder deutlich besser platzieren.
 

Yannick Malik vom Münchener GC musste zum Auftakt eine 75 unterschreiben. Mit vier über Par lag er auf dem geteilten 104. Platz.

EM mit Major-Charakter

Die Europameisterschaft der Männer hat 2026 noch einmal an Bedeutung gewonnen. Seit diesem Jahr zählt sie zu den beiden „Major“-Turnieren im neuen Kalender der European Amateur Order of Merit. Diese EAOM ist für die besten Amateure Europas ein zusätzlicher, wichtiger Maßstab geworden. Über die neuen „Front-Nine“-Turniere der EAOM wurde zudem ein Qualifikationsweg geschaffen, über den Spieler Startplätze für diese EM erhalten konnten. Zu den Athleten, die sich auf diesem Weg in das Feld spielten, gehörte der Finne Lauri Rosendahl, der im vergangenen Monat die Lytham Trophy gewann.
 

Damit wurde die Meisterschaft noch stärker in ein System eingebettet, das Leistung über die Saison hinweg sichtbar macht. Für die Spieler geht es in Finnland nicht allein um den EM-Titel. Der Sieger erhält eine Einladung zur Open Championship. Die fünf Bestplatzierten qualifizieren sich traditionell für das Final Qualifying der Open. Zusätzlich ist die EM neben der St Andrews Links Trophy und der Amateur Championship Teil der Open Amateur Series, über die ein weiterer Amateurspieler eine Einladung zur Open erhalten kann.

Viel möglich nach Tag eins

Aus deutscher Sicht war der erste Tag damit insgesamt gelungen, auch wenn nicht alle Bundesadler den Auftakt nach Wunsch erwischten. Zwei Spieler in den Top Ten, ein weiterer in den Top 20 und ein solider Even-Par-Start von Peer Wernicke ergaben eine ordentliche Bilanz.
 

Emil Albers blickt zuversichtlich auf die kommenden Tage: „Ich hoffe, dass ich mein Spiel für die nächsten Tage so beibehalte und dann noch ein paar mehr Putts loche, damit es dann weiterhin gute Scores gibt.“


Livescoring >>>

 

Weiteres zum Thema

Tipps der Redaktion