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Gary Woodland war 2025 Teil des US-amerikanischen Ryder-Cup-Captains-Teams. | © golfsupport.nl/Rich Graessle/ism

Woodland: „Innerlich fühle ich mich, als würde ich sterben“

Kurz vor der Players Championship hat Gary Woodland tiefe Einblicke in seinen persönlichen Kampf gegeben. Der US-Amerikaner sprach erstmals ausführlich über seine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) die nach seiner lebensrettenden Gehirnoperation im Jahr 2023 diagnostiziert wurde.

 

Emotional erklärte der 41-Jährige, wie schwer ihn die Zeit seit seiner Rückkehr auf die PGA Tour belastet. „Ich kann keine Energie mehr darauf verschwenden, das zu verstecken“, sagte Woodland. „Ich bekomme so viel Unterstützung auf der Tour – die Leute sagen mir jede Woche, wie schön es ist, mich wiederzusehen. Aber innerlich fühle ich mich, als würde ich sterben. Es fühlt sich an, als würde ich eine Lüge leben.“

 

Bei Woodland war im Jahr 2023 eine Läsion im Gehirn entfernt worden. Die Operation markierte den Beginn eines langen Genesungsprozesses. Zwar kehrte der viermalige PGA-Tour-Sieger im Januar 2024 wieder in den Wettbewerb zurück, doch die mentale Belastung blieb. Ein Jahr später erhielt er schließlich die offizielle PTBS-Diagnose.

Dramatischer Moment auf dem Platz

Woodland schilderte, wie stark ihn die Symptome im Alltag begleiten. Er berichtete von einem Erlebnis während der FedExCup-Fall-Serie in Napa, Kalifornien. Eine typische Begleiterscheinung seiner Erkrankung sei eine extreme Wachsamkeit, so Woodland. Als sich ihm während einer Runde plötzlich ein Walking-Scorer von hinten näherte, geriet er in Stress. „Ich war extrem wachsam. Als er mich erschreckt hat, sagte ich zu meinem Caddie: ‚Du darfst niemanden mehr hinter mich lassen‘“, erinnerte sich Woodland. Kurz darauf verschlechterte sich seine Verfassung rapide: „Plötzlich wusste ich nicht mehr, was ich gerade tat. Meine Sicht wurde verschwommen.“

 

Mitten auf dem Fairway fühlte er sich nicht mehr in der Lage, den nächsten Schlag auszuführen. Sein Caddie Brennan Little bot an, die Runde zu beenden, doch Woodland wollte weiterspielen. „Es war mein Schlag, und ich konnte nicht schlagen“, sagte er. „Butch meinte: ,Lass uns reingehen.‘ Aber ich sagte: 'Nein, ich bin hier für diese Jungs. Ich will mich durchkämpfen.'“ Er brachte die Runde zwar zu Ende, doch danach brach er emotional zusammen. „Ich bin in jedes Badezimmer gegangen, um zu weinen“, berichtete Woodland. „Es gibt Tage, da weine ich im Scoring-Trailer oder renne zu meinem Auto, nur um mich zu verstecken. So will ich nicht mehr leben.“

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Unterstützung auf der Tour

Die PGA Tour hat inzwischen gemeinsam mit ihm Maßnahmen entwickelt, die ihm auf dem Platz mehr Sicherheit geben sollen. Dennoch beschreibt Woodland den Weg zurück zur Normalität als langwierig. Trotz der schwierigen Umstände denkt er nicht ans Aufhören. „In einer idealen Welt würde ich wahrscheinlich nicht spielen“, sagte er. „Aber in einer idealen Welt hätte ich diese Krankheit auch nicht. Das hier ist mein Traum.“

 

Auch seine Familie und sein Team leiden mit. „Für sie ist es fast noch schwerer, weil sie einfach helfen wollen und es nicht verschwinden lassen können“, erklärte er. „Aber ihre Liebe und Unterstützung haben mich durch diese Zeit gebracht.“

Hoffnung für andere Betroffene

Mit seiner Offenheit möchte Woodland auch anderen Menschen, die mit ähnlichen Problemen kämpfen, Mut machen. Insbesondere Gespräche mit Militärveteranen hätten ihm gezeigt, wie wichtig Unterstützung ist. „Ich hoffe, dass jemand, der gerade kämpft, mich sieht und merkt: Ich kämpfe auch noch“, sagte Woodland. „Mir wurde immer wieder gesagt: Egal, wie stark du glaubst zu sein – du schaffst das nicht alleine.“

 

Sportlich läuft die Saison bislang durchwachsen. Nach fünf Starts erreichte Woodland erst zweimal das Wochenende. Doch das Ergebnis steht für ihn aktuell nicht im Mittelpunkt. „Ich will meine Träume weiterleben und hier erfolgreich sein“, sagte er. „Aber ich will auch anderen helfen. Und ich habe verstanden: Dafür muss ich zuerst mir selbst helfen.“

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