Über Hitze – und die richtige Vorbereitung
Es ist Freitag und Peter Wolfenstetter wäscht im Hotel 80 kleine Handtücher aus, legt sie feinsäuberlich übereinander, friert sie dann im Hotel-Kühlschrank ein. Am nächsten Morgen wird er sie in die Kühlbox stecken und etwas später auf dem Gelände des Frankfurter GC passend platzieren, damit sich seine Bundesliga-Jungs vom GC Habsberg die Handtücher immer wieder um den Hals legen können.
Das Team hat er in Sachen Hitze eingenordet. „Volle Konzentration beim Schlag, abkühlen danach. Golf spielen geht auch bei mehr als 35 Grad.“ Wolfenstetter weiß das. Schließlich hat er früher bei seinen Turnierreisen mit dem Weltklassespieler Thongchai Jaidee die DP World Championship in Dubai genauso bestritten wie Turniere in Asien. Kühl war es da nie, aber „meine Habsberger Spieler kennen das natürlich nicht“.
Sie sind nicht die einzigen. Die deutsche Golfszene hat die bis dato heißeste Woche ihrer Geschichte hinter sich. Mitten in der Spiel- und Turniersaison kletterten in den vergangenen Tagen vor allem rund um Hotspots wie Frankfurt, den Schwarzwald oder auch Städte in Brandenburg die Temperaturen auf über 40 Grad.
Die Spielleitung für den Spieltag der 1. Bundesliga in Frankfurt reagierte frühzeitig, verkürzte auf die Einzel. „Das war alles gut kommuniziert und klar“, findet PGA-Professional Wolfenstetter. Basierend auf der Hitzeordnung des DGV hatten Golfanlagen in ganz Deutschland die Möglichkeit, ihre Spieltage anzupassen. „Wir können aus Wiesbaden heraus nicht zentral darüber bestimmen, was gemacht wird, weil die Bedingungen vor Ort ja überall unterschiedlich sind“, erklärt Sven Hahnl, Abteilungsleiter Turnierorganisation, die Ausgangslage.
Dementsprechend war die Lage auf deutschen Golfanlagen unterschiedlich. Im Freiburger GC im Südwesten Deutschlands, generell eine Gegend mit häufigen Hitzeperioden, zog man ein WM-Turnier für Freizeitspieler durch, intensivierte aber die Betreuung. „Ich bin eigentlich permanent mit dem Cart rumgefahren, habe Tücher und Getränke verteilt und nachgesehen, ob alle ok sind“, resümiert Clubmanager Rossini Postiglione. Für den folgenden Mannschaftsspieltag passte er den Start an und ließ von zwei Tees spielen.
Andre Kette, Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Golfverbandes, ist diese Flexibilität ganz wichtig. „Wir haben die Clubs angeschrieben und darauf hingewiesen, dass von zwei Abschlägen und früher gestartet werden kann als festgelegt“, erklärt er die Vorsichtsmaßnahmen des Verbandes. „Wir müssen aber auch feststellen, dass dies gar nicht so viele Clubs in Anspruch genommen haben.“
Für Christofer Hattemer, Präsident des Hessischen Golfverbandes, war die Hitzewoche rund um den Bundesligastandort Frankfurt eine klare Sache. Der Verband verfügt seit drei Jahren über ein eigenes Hitzekonzept, hatte deshalb auch einen Ersatzspieltag festgelegt, sämtliche Turniere der Jugend-Touren wurden zum Schutz der Kinder abgesagt, weil Temperaturen von über 38 Grad angesagt waren. „Ein Hitzekonzept ist heute fast überall eine Selbstverständlichkeit“, resümiert Hattemer. „Vor drei Jahren, als wir nach einem Hitzekonzept bei anderen Verbänden umgeschaut haben, waren wir erstaunt, dass es fast nichts gab“, erklärt er die Entstehungsgeschichte. „Deshalb haben wir uns einfach selbst hingesetzt und den Vorreiter gespielt. Unsere Ideen, wurden von anderen bereitwillig aufgenommen. Verbesserungsvorschläge konnten immer wieder eingesammelt werden.“
So geht es auch seiner Kollegin Heidrun Klump, die als Geschäftsführerin des Bayerischen Golfverbandes in der vergangenen Woche sehr froh darüber war, ebenfalls bereits seit einigen Jahren über ein Hitzekonzept zu verfügen. „Wir haben noch einmal alle Clubs angeschrieben und auf das Hitzekonzept verwiesen.“ An einigen Standorten sagten Austragungsorte in der Folge Spieltage ganz ab, andere verkürzten die Turnierrunden oder strichen Viererpartien bei DGL-Spieltagen.
Die Erfahrung der Verbands-Geschäftsstellen zeigt aber auch: Während neuer Hitzephasen besteht bei den Golfanlagen extreme Aufklärungsgefahr. Anders als beliebte Ferienregionen in Spanien, Portugal oder eben der Nahe Osten, wo sich deutsche Golfer durchaus regelmäßig aufhalten, ist die deutsche Golfbranche nicht durchgängig auf große Hitze eingestellt. Unabhängig von Turnierveranstaltungen halten die wenigsten Golfanlagen ausreichend Elektrocarts für einen vollen Spieltag mit Carts vor, Getränkestationen auf dem kompletten Platz sind kein Standard und auch die Gastronomie muss sich erst an die Tatsache gewöhnen, dass Golfer verstärkt sehr früh oder sehr spät auf die Runde gehen.
Ein klassischer Lernprozess also, den Golf-Deutschland in der vergangenen Woche durchmachte. Das gilt übrigens auch für das Team Habsberg in der Ersten Liga. „Die Jungs hatten vorher schon ein wenig Bedenken, wie sie mit der Hitze umgehen, weil sie das nicht kennen“, resümiert Coach Wolfenstetter. Platz zwei am Ende des Spieltages zeigt – es hat geklappt.







