Starke Zählspielqualifikation
Madrid/Spanien – Nils-Levi Bock, Wolfgang Glawe und Tjelle Rieger dürfen weiter davon träumen, sich als erste Deutsche den großen Titel zu erspielen. Bislang war die beste Platzierung in Schwarz-Rot-Gold bei diesem so traditionsreichen Turnier jeweils ein zweiter Platz für Jannik de Bruyn und Marcel Schneider.
Einzig Moritz Küls vom GC Neuhof hat den Sprung in die Matchplays verpasst. Der Hesse, für den es das bisher größte Turnier seiner noch jungen Karriere ist, kam mit zweimal 78 (+8) Schlägen auf den 109. Platz. „Für mich war das Turnier trotz der schlechten Leistung eine gute Erfahrung und auch eine gute Vorbereitung für die Saison. Ich war einfach nach diesem Winter zu schlecht auf solche Grüns vorbereitet und bin dann irgendwann auch zu aggressiv auf die Fahnen gegangen“, analysierte der Youngster sein Spiel.
Platz 3
Einen ganz starken Auftritt liefert Nils-Levi Bock vom GC St. Leon-Rot. Der 69 vom ersten Tag ließ der fast zwei Meter große Athlet eine noch bessere 68 (-2) folgen und geht vom dritten Platz in die Matchplays. Obwohl in der Runde zwei Bogeys in Reihe notiert werden mussten, war das Gesamtbild der Scorekarte mit vier Birdies tief rot.
Entsprechend zufrieden war der in Füssen geborene Athlet mit dem Ergebnis, wohl wissend, dass ab dem dritten Wettkampftag die Karten komplett neu gemischt werden: „Ich bin sehr happy. Heute war wieder ein sehr erfolgreicher Tag. Ich habe mein Ziel verfolgt, nicht nach hinten zu gucken, sondern einfach auf das zu vertrauen, was ich auch gestern, aber auch schon die letzten Wochen gemacht habe. Trotz der beiden Bogeys, die ich auf Back Nine leider wieder gemacht habe, habe ich nur nach vorne geguckt und gewusst, dass ich noch die ein oder andere Chance bekomme und mir eine sehr gute Ausgangsposition für den morgigen Tag hole. Was auf jeden Fall sehr gut funktioniert hat, waren meine Putts. Die Grüns sind schwer, sehr schnell, sehr wellig. An beiden Tagen habe ich bei diesen Bedingungen keinen Dreiputt gemacht. Ich bin stolz auf mich, dass ich das so gut umgesetzt habe. Jetzt freue ich mich sehr aufs Matchplay. Das Turnier geht wieder bei Null los. Alle Jungs, die im Cut sind, können spielen. Ich muss einfach wieder rausgehen und meine Arbeit machen.
Platz 10
Auch Wolfgang Glawe verbesserte sich am zweiten Tag um einen Schlag. Der Hubbelrather hatte drei Bogeys mit ebenfalls drei Birdies egalisiert und unterschrieb im Recording eine sehr solide 70 (Even). Mit gesamt nur einem Schlag über Par geht die Nummer 68 des World Amateur Golf Rankings von Platz zehn in die Matchplays. Vor allem vom Tee hatte sich der ehemalige Viernheimer nochmal stabiler gezeigt. Mit dem letzten Putt der Zählspielqualifikation ging der Blick Glawes direkt auf die Matchplays: „Ich habe immer noch viel auf den Platz liegen gelassen, aber die Hauptsache ist, dass man in den Top 64 drin ist. Der Rest ist im Nachhinein egal. Jetzt fängt das Turnier erst richtig an.“
Platz 13
Im Vergleich zur Auftaktrunde musste sich Tjelle Rieger mit einer herausfordernden Runde abfinden. Der Tag des Youngsters vom GC St. Leon-Rot hielt Licht und Schatten bereit. Dass am Ende der Cut aber nicht in Gefahr geriet, zeigte die guten Nerven, die Rieger schon hat. Drei Bogeys und einem Double hielt der gebürtige Hamburger, der vor zehn Jahren im GC Ahrensburg mit dem Golf begonnen hatte, zwei Birdies entgegen. Nach der starken 69 vom ersten Tag reichte die 73 (+3) an diesem Tag, um ganz souverän auf Rang 13 in die Matchplays aufzusteigen.
Selbstkritisch kommentierte der Wahl-Kurpfälzer diese Achterbahnfahrt der Gefühle: „Ich habe das Ziel der ersten beiden Tage gut gemeistert, aber das war heute ein reiner Kampf über 18 Loch. Ich bin nicht so gut aus der Teebox weggekommen und musste viel ums Par kämpfen. Das lief dann mal besser, mal weniger gut. Auf zwei, drei Löchern konnte ich mir das Momentum holen und die Runde mit eigentlich nicht so guten Golfschlägen noch sehr brauchbar ins Ziel wuppen. Alles in allem war es heute ein extremer Rollercoaster. Ich bin froh, dass ich es hinter mir habe. Auf der Range habe ich mir danach noch ein gutes Gefühl holen können und gehe jetzt confident in den ersten Matchplay-Tag.“
Zwischenfazit des Coaches
André Sallmann, der als Co-Trainer von Bundestrainer Pascal Proske die kleine, aber feine Delegation aus Deutschland betreut, war mit dem Verlauf der Zählspielqualifikation mehr als zufrieden: „Das war natürlich ein wahnsinnig souveräner Auftritt und jeder einzelne Spieler hat seine kleine Geschichte dazu. Nils-Levi Bock hat sicherlich das beste Golf gespielt und verdient heute auch zwei unter Par gespielt. Er hat heute da weitergemacht, wo er gestern war. Er fühlt sich wohl auf den Grüns, er mag den Golfplatz, hat Spielspaß, blieb bei sich und hat das wahnsinnig souverän nach Hause gebracht.“
Die Runde von Wolfgang Glawe verglich Sallmann mit einer Situation, die jeder Fußball-Fan bestens kennt: „Wolfgang hat bestimmt noch nicht sein A-Game, aber die Situation war wie beim Fußball. Du führst 3:0 und musst nicht mehr voll attackieren. Wolfgang hat seinen Score und den Sprung in die Top Ten wunderbar nach Hause verwaltet.“
Vom Auftritt des dritten Deutschen im Cut war Sallmann beeindruckt: „Tjelle Rieger hat zwar vom Tee nicht immer die Fairways gut getroffen, dafür dann aber die kniffeligen Situationen wahnsinnig souverän gemeistert. Nach seinem Doppelbogey hätte die Runde auch in die falsche Richtung kippen können, aber er hat heute die Kunst beherrscht, aus einem weniger guten Schlag noch das optimale Ergebnis rauszuholen. Tjelle ist innerlich ruhig geblieben und wird von dieser Runde nachhaltig profitieren, weil er vielleicht sogar gelernt hat, dass man nicht immer sein A-Game haben muss, um trotzdem noch einen guten Score reinzubringen. Er war zurecht auch entsprechend happy und das macht auch ein Trainerherz immer ganz freudig.“
Ausblick
Von nun an geht es im Matchplay Mann gegen Mann weiter. Im Zählspiel ging es auf diesem Platz, der mit Par 70 gespielt wird, obwohl es eigentlich ein Par 72 ist, sehr selektiv zur Sache. Die Grüns sind ein echter Test und auch gute Spieler können sich hier leicht einige hohe Zahlen einfangen. Vor diesem Hintergrund ist der bisherige Auftritt der Deutschen gar nicht hoch genug zu bewerten.
„Jetzt stehen die Zähler wieder auf null. Morgen fragt keiner mehr, wieviele Deutsche unter den Top 13 sind, aber die Grundvoraussetzung ist gut, dass wir hier weiter eine tolle Leistung bringen. Morgen steht nur eine Runde an. Das ist gut so, denn aber jetzt wird das Turnier auch ein bisschen zu dem Marathon, wo man mit seiner Energie haushalten muss. Heute haben wir aber erstmal einen entspannten Abend“, freute sich André Sallmann über die überaus positive Zwischenbilanz.
Die Bundesadler können am ersten Tag der Matchplays ausschlafen. Erst um 11.20 Uhr wird Nils-Levi Bock als erster Deutscher aufteen. Gegner ist der Niederländer Youp Orsel.
Tjelle Rieger folgt um 11.40 Uhr mit seinem Duell gegen den Spanier Oliver de Wint Senussi.
Um 13.10 Uhr trifft Wolfgang Glawe auf den Italiener Giovanni Bernardi.







