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Carl Siemens vom GC St. Leon-Rot blieb unter Par | © DGV/STEBL

Schirme? Ausverkauft!

Tallinn/Estland – Am Mittag hatte die Spielleitung keine andere Wahl mehr, als das Spiel zu unterbrechen. Nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage hatte der Himmel auch am ersten Wettkampftag alle Schleusen geöffnet und so wurde der ohnehin schon mit Wasser gesättigte Platz mit weiteren Wassermassen belastet. Tatsächlich war aber zum Zeitpunkt der Unterbrechung nur das Grün der Bahn 13 unbespielbar.
 

Dafür waren fast alle Fairways so nass, dass man kaum noch von zeitweisem Wasser sprechen konnte und tatsächlich für einen Drop keine Fläche mehr finden konnte, um regulär zu spielen. Zwar hörte der Starkregen genau in dem Moment auf, als die Spielleitung das Zeichen zur Unterbrechung gab, aber es dauerte mehr als zwei Stunden, ehe die Spieler wieder rausgeschickt werden konnten.

Schwere Bedingungen

Bei der Nässe gab es bei vielen Schlägen Steckschüsse und so zog sich die Spieldauer erheblich in die Länge. Die 6.452 Meter des Par 72 Courses spielten sich natürlich auch sehr lang, weil die Bälle, wenn sie nicht sogar tief eingebohrt waren, immer nur die Carrylänge erreichten.

Zieht man dazu noch in Betracht, dass auch der Wind sehr präsent war und die Flugbahn der Bälle erkennbar veränderte, sobald diese über die Höhe der Baumkronen hinaus geschlagen wurden, grenzt die Zahl der guten Scores unter Par fast schon an ein Wunder. Oder sie drückt bei anderer Sichtweise die hohe Qualität des Feldes in Zahlen aus.

42 der 96 Athleten kamen Even Par oder besser ins Recording, darunter vier Deutsche. Das Team um Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann und Kapitänin Antonia Eberhard lieferte eine ziemlich homogene Leistung ab. Es fehlte die ganz tiefe Runde, aber dafür waren alle Scores eng beieinander.

Siemens unter Par

Carl Siemens vom GC St. Leon-Rot war mit drei Birdies bei nur zwei Bogeys besonders solide unterwegs und lieferte mit einer 71 (-1) den besten Score der Bundesadler ab. 

„Es war ein sehr herausfordernder erster Tag. Generell ist am ersten Tag die Aufregung immer besonders groß. Der Dauerregen und die schweren Platzbedingungen haben es natürlich nicht leichter gemacht. Daher sehe ich unsere Leistung heute als solide an. Wir hatten nicht unseren besten Tag erwischt, deswegen können wir zuversichtlich auf die nächsten Tage schauen und hoffen, dass wir ein paar Putts mehr lochen und die Schläge näher an den Stock hauen. Die Bedingungen waren für alle gleich. Daher haben wir jetzt gesehen, wo wir mit einem durchschnittlichen Tag stehen. An einem guten Tag sieht es dann anders aus. Deswegen freue ich mich auf die nächsten Tage und freue mich auf die Regenschlacht“, war der Sportsoldat nicht unzufrieden und spielte auf die Wetteraussichten für den zweiten Tag der Zählspielqualifikation an. 


Auch für Mittwoch ist teils ergiebiger Dauerregen angesagt, sodass nicht einmal ausgeschlossen werden kann, dass die zweite Runde eventuell gar nicht regulär beendet werden kann, obwohl so hoch im Norden die Sonne auch um 22.30 Uhr noch genügend Licht spendet.

Dreimal Even Par

Drei Bundesadler kamen nach beeindruckend kämpferischen Leistungen Even Par ins Recording. Einer davon feiert dieser Tage sein Debüt bei einer Team-EM. Tjelle Rieger vom GC St. Leon-Rot war mit einem sauberen Birdie sehr gut gestartet, kassierte aber postwendend ein Bogey. Als der 20-Jährige auf Loch 4 einen Doppelbogey notieren musste, hätte die Runde einen negativen Spin bekommen können. Die Regenunterbrechung und ein beachtliches Mindset des Youngsters verhinderten aber Schlimmeres. Rieger streute schnell sein zweites Birdie ein und blieb cool, als er nach zwei weiteren Bogeys mit drei über Par auf das 14. Tee kam. Im Schlussspurt noch drei Birdies unterzubringen und damit den Score auf Even Par zu korrigieren, ist ein Fingerzeig, was man in den kommenden Tagen von dem Nordlicht, der im GC Ahrensburg mit dem Golfsport begonnen hatte, noch erwarten kann.

„Mir bedeutet es sehr viel und es ist eine große Ehre, ein Teil dieses starken Teams sein und das Land vertreten zu dürfen. Ich habe aus Erzählungen schon viele Geschichten über Team-Europameisterschaften gehört, die Erinnerungen für immer geschaffen haben. Ich freue mich daher sehr, dies jetzt auch erleben zu dürfen“, ist Tjelle Rieger mit durchweg positiven Gedanken auf dem Platz am Ufer der Ostsee unterwegs.
 

Wolfgang Glawe hat über weite Strecken eine fast schon langweilig sichere Runde absolviert, bei der eher die Chancen gegeben waren, tiefer zu gehen, als das der Score hätte höher werden können. Nur auf den Löchern 12 bis 15 gab es ein paar wackelige Momente, als plötzlich drei Bogeys auf die Karte wanderten. Das Birdie auf Loch 16 brachte den Score aber zurück auf Even Par, weil der Sportsoldat zuvor schon zweimal cool gelocht und damit seinen Score auf -2 gedrückt hatte. 
„Als Team sind wir okay gestartet, aber mit viel Luft nach oben. Wir sind jetzt mitten im Turnier und haben Bock auf morgen“, sprüht der 23-Jährige, der bereits seine fünfte Team-EM spielt, vor Zuversicht.
 

Mit einem Birdie auf dem 18. Grün schaffte es Finn Kölle, seinen Score wieder auszugleichen, nachdem er auf der 17 noch ein Bogey kassiert hatte. Insgesamt hat der 21-Jährige, der in der letzten Woche bei der BMW International Open als einziger Amateur den Cut gemacht hatte, jeweils drei Birdies und drei Bogeys auf der Karte.
 

16 Löcher hat Team-EM-Debütant Emil Riegger mit Par gespielt. Meist wie ein Uhrwerk, mitunter aber auch mit cooler Selbstverständlichkeit aus gar nicht so einfachen Lagen. Auf Loch 9 musste der Hubbelrather ein Doppelbogey notieren, verbesserte sich aber mit einem Birdie auf Loch 10, dem Par 3 direkt am Clubhaus.

„Der Tag war okay. Ich war in der Afternoon Wave, also war das Wetter eigentlich auch ziemlich okay bei mir. Meine Eisen und langes Spiel waren nicht so gut, Putts sind auch nicht wirklich gefallen. Wir sind jetzt auf dem siebten Platz, aber bei uns hätte alles noch besser klappen können. Mal schauen, wie die nächsten Tage gehen“, war der 21-Jährige selbstkritisch.
 

Die 74 (+2) von Tom Haberer kam an diesem Tag nicht in die Team-Wertung, aber auch der Hildesheimer hat mit einer frühen Startzeit bei schlimmen Wetterbedingungen eine beachtliche Leistung abgerufen. Auf Loch 1 gelang dem Niedersachsen, der für den GC Hubbelrath spielt, ein Birdie. Danach gab es zwar immer wieder weitere Chancen, aber fallen wollte nichts mehr. Drei Bogeys sind bei diesen Bedingungen mehr als akzeptabel.

„Das war heute ein echter Kampf! So früh waren die Bedingungen auf der Front Nine noch echt fies. Ich bin eigentlich sehr stolz darauf, wie wir da durchgezogen haben. Nach der Unterbrechung gab es ein bisschen andere Bedingungen. Es war dann wesentlich einfacher und wärmer, aber der Platz ist natürlich sehr nass und spielt sich mit Kälte und Wind natürlich auch eher ein bisschen länger, als wir ihn eigentlich gewohnt sind. Unsere Taktik steht weiterhin. Wir wissen, was wir morgen zu tun haben und werden weiter kämpfen“, war Haberer zurecht alles andere als enttäuscht.


Fazit der Kapitänin

Antonia Eberhard, die als Spielerin selbst bei fünf Team-Europameisterschaften reichlich Erfahrung gesammelt hatte, war von ihrem Team sehr angetan. „Ich finde, die Jungs haben es gut gemacht. Das war durch die Bank eine sehr solide Leistung. Im Gegensatz zu den anderen Teams fehlt uns einfach ein richtig tiefer Score. Dennoch haben wir uns gut in Position gebracht und das Ziel für morgen ist, die gute Position zu halten oder auszubauen“, bilanzierte die 28-Jährige als Kapitänin den Auftakt.

In der Regenunterbrechung musste ehemalige Nationalspielerin eine Premiere erleben. Bis dahin hatte sie bei derartigen Gelegenheiten, wenn sich die Athleten die Wartezeit mit Kartenspielen verkürzen, immer gewonnen. Dieser Nimbus ist nun dahin, aber mit der neuen Aufgabe als Kapitänin muss Eberhard auch ständig konzentriert bleiben, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden.


Fazit des Chef-Bundestrainers

Christoph Herrmann hatte zum Auftakt des Turniers einen heißen Kampf erlebt: „Die Mannschaft hat eine homogene Leistung gezeigt. Ein, zwei Schläge pro Spieler weniger, wäre sehr schön, denn es war überall was drin. Eine Herausforderung war heute, dass nach der Unterbrechung die Bedingungen anders wurden, als wir uns gerade zurechtgefunden hatten. Die Grüns sind spürbar abgetrocknet und schneller geworden. Uns ist es nicht optimal gelungen, uns darauf einzustellen. Unsere eher etwas defensiver ausgelegte Herangehensweise war vielleicht nicht ganz so optimal, wobei wir in der Frühe, als es wirklich sehr stark geregnet hat, das Gefühl hatten, dass die Scores insgesamt etwas höher werden. Wir wollten in einem ruhigeren Modus eher mit Bedacht zur Sache gehen, um ein souveränes Zählspiel hinzulegen.“
 

“Nach der Unterbrechung, als die Grüns schneller wurden und die Bedingungen ein bisschen einfacher wurden, haben wir einfach nicht auf Angriff umgeschaltet. Wir haben dann eben Schläge liegen lassen. Jetzt sind wir aktuell auf Platz sieben. Es ist irrsinnig eng, und man muss schauen, was morgen noch stattfindet, da wieder starker Regen angesagt ist. Wir wissen daher noch nicht, inwieweit das Zählspiel morgen komplett durchgezogen werden kann. Wir werden versuchen, mutig zu agieren, um uns im Flight A festzusetzen. Dafür müssen wir ganz früh aufstehen. Abfahrt am Hotel ist um sechs Uhr”, ergänzte Herrmann noch.

Startzeiten Tag 2

Am zweiten Wettkampftag haben die deutschen Athleten frühe Startzeiten.
Carl Siemens um 7.30 Uhr
Tom Haberer um 7.52 Uhr
Tjelle Rieger um 8.25 Uhr
Finn Kölle um 10.35 Uhr
Emil Riegger um 10.57 Uhr
Wolfgang Glawe um 11.30 Uhr


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