Reitter sichert sich Titel
Bad Saarow – War das ein phantastisches Turnier! War das ein grandioser Finaltag mit fabelhaften Schlägen und einer von Minute zu Minute wachsenden Spannung. Alfred Hitchcock hätte nicht besser Regie führen können.
An diesem sonnigen Tag mit wenig Wind gelang auf dem Par-73-Kurs, der auf vielen Löchern schiere Begeisterung hervorruft, insgesamt zehn Spielerinnen ein Score unter 70. Auch dies ein Beleg für die herausragende Qualität des Feldes.
Zweiter Platzrekord
Nachdem Lily Reitter am zweiten Tag mit einer 67 (-6) einen Platzrekord aufgestellt hatte, kam in der Vormittagsgruppe des Finaltags eine junge Spielerin noch besser über den Palmer Course. Adriana Garcia Terol blieb ohne Bogey und hatte auf der Runde gemeinsam mit Johanna Kirch vom Frankfurter GC und Luisa Hartmann vom GC Aldruper Heide sichtbar viel Spaß. Die 16-Jährige aus Spanien, die im GC Sant Cugat bei Barcelona zu Hause ist, brachte sieben Birdies unter und unterbot damit den erst einen Tag alten Platzrekord um einen weiteren Schlag auf 66 (-7).
Im Endklassement machte das spanische Talent einen großen Sprung nach vorne und kam durch diese fabelhafte Runde noch auf den 14. Platz, nachdem sie an den Tagen zuvor noch 77 und 74 Schläge gebraucht hatte.
Maier-Borst stürmt an die Spitze
Mit drei Schlägen Rückstand auf das Spitzenduo war Sofia Maier-Borst vom geteilten neunten Platz in die Finalrunde gestartet. Wie gut die Kurpfälzerin des Junior Team Germany in Form ist, zeigte sie schon früh und tauchte nach ihrem fünften Birdie, gespielt auf Loch 9, plötzlich an der Spitze des Leaderboards auf. Auf der Back Nine behielt der Bundesadler die Nerven, spielte noch ein Birdie und hielt die Scorekarte sogar auf Loch 18 sauber, obwohl der Abschlag rechts in die Bäume geflogen war. Der Schlag aus schwieriger Lage gelang herausragend und so war die 18-Jährige mit gesamt -9 zunächst die Führende im Clubhaus. Noch auf dem 18. Grün gratulierten Bundestrainerin Esther Poburski und Heimtrainer Sebastian Buhl zur grandiosen Leistung.
Zweite 67 reicht für den Sieg
Für Sofia Maier-Borst begann nach ihrem letzten Putt noch eine bange Wartezeit, denn noch vier Flights waren später gestartet und in drei dieser vier Spielgruppen waren noch Kontrahentinnen, die mit späten Birdies noch vorbeiziehen konnten.
Gelungen ist dies indes nur Lily Reitter, die zum zweiten Mal in Folge eine starke 67 (-6) ins Recording brachte. Mit dem Birdie auf Loch 15 verbesserte sich die Deutsche, die auch in Spanien und den USA zu Hause ist, auf gesamt -9 und zog mit Maier-Borst gleich. Ein blitzsauberes Birdie auf Loch 17 brachte der 17-Jährigen die alleinige Führung. Auf Loch 18 ließ Reitter nichts mehr anbrennen und durfte sich über ihren zweitgrößten Titel freuen. 2025 hatte die neue GBG-Championesse den Sieg bei der R&A Girls Amateur Championship eingefahren und war zudem noch bei den French International Ladies siegreich gewesen.
Doppelbronze
Platz drei teilten sich Lana Guyot aus der Schweiz und Hannah Lee-McNamara aus Irland. Die Schweizerin brachte eine fabelhafte Runde mit sieben Birdies bei nur einem Bogey nach Hause. Mir der 67 rückte Guyot noch vor die starke Irin. Die Athletin von der grünen Insel hatte am zweiten Tag eine starke 68 gespielt und sich damit für den Leaderflight qualifiziert. Am Finaltag ging es zwar auch wieder deutlich unter Par, aber die 70 (-3) reichte nicht, um noch weiter vorne zu landen.
Platz 42 statt Bronzemedaille
Johanna Kirch vom Frankfurter GC hatte sich vor einem Jahr an gleicher Stelle mit phantastischem Golf die Bronzemedaille gesichert.
In diesem Jahr war der Start ins Turnier holperig. Am ersten Wettkampftag kam die Hessin auf der Front Nine nicht gut ins Spiel, spielte dann eine zunächst deutlich bessere Back Nine, ehe sie sich am Ende sehr unglücklich noch zwei Doppelbogeys einhandelte. Die 79 (+6) war eine zu hohe Hypothek, um erneut in den Kampf ums Podium einzugreifen, aber die Formkurve zeigte danach klar nach oben. Die zweite Runde lief mit zwei Birdies bei nur einem Bogey deutlich besser und so kletterte Kirch mit einer 72 (-1) im Klassement etliche Plätze nach oben.
Auf der Finalrunde spielte die 18-Jährige lange Zeit Par auf Par mit einem auf Loch 6 eingestreuten Birdie. Mit einem weiteren Birdie auf Loch 13 ging es weiter in eine gute Richtung, bis auf Loch 15 ein Doppelbogey den stabilen Trend nach oben stoppte. Am Ende wurde es eine 73 (Even), die für Platz 42 im Endklassement reichte.
Ludvova kommt spät in Gang
Anna Ludvova, die Siegerin der German International Womens Amateur Championship, kam bei ihrem zweiten Auftritt vor den Toren Berlins nicht gut in Tritt. 75 und 74 Schlägen ließen für die Finalrunde keine Option mehr, ins Titelrennen einzugreifen. Die Tschechin, die sich mit ihrem Sieg im G&CC Seddiner See eine Wildcard für die Amundi Germans Masters powered by VcG erspielt hatte, belegte nach 69 (-4) Schlägen auf der Finalrunde im Endklassement den 19. Rang.
Das sagt die Siegerin
Die Siegerin, die durch ihren Vater die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, lebt über das Jahr verteilt teils in Spanien und teils in den USA. Zum Golf kam sie, weil der sechs Jahre ältere Bruder schon Golf spielte und sie dadurch von ihrer Mutter einfach mit auf den Platz genommen wurde, als sie gerade einmal zwei Jahre alt war. Seitdem ist die Mutter auch der Coach an der Seite des Talents.
Nach dem wertvollen Sieg in Bad Saarow strahlte Reitter mit der Abendsonne um die Wette: „Bisher habe ich schon etliche tiefe Runden gespielt, aber noch nie zweimal sechs unter Par hintereinander. Der Palmer Course ist sehr interessant und eng. Man muss vom Tee schon sehr gerade sein, aber meine Drives waren heute wirklich gut. Es gibt zwei etwas kürzere Par 5, die man mit dem zweiten Schlag gut erreichen kann. Ansonsten ist der Platz aber wirklich anspruchsvoll und ich hatte viel Spaß, hier zu spielen. Es ist großartig, dass hier noch weitere Plätze sind, sodass die Boys im selben Club spielen können. Die Lage nah am großen Flughafen macht es sehr komfortabel, hier hinzukommen. Das alles sind Gründe dafür, dass hier so viele gute Spielerinnen dabei waren.“
Das sagte die Silbermedaillengewinnerin
Sofia Maier-Borst war nach dem starken Abschluss des Turniers sehr gefasst: „Ich bin mit einem freien Mindset in die Finalrunde gegangen. Ich habe mich auf den Tag gefreut. Ich wusste, dass ich mit einer guten Runde noch ganz vorne mitspielen kann. Ich wollte mir zwar alles offen halten, hatte aber keine großen Erwartungen an mich. Nach fünf Birdies auf der Front Nine stand ich gut in Position. Auf der Back Nine bieten sich noch ein paar Chancen. Der Platz kann einem einen anstrengenden Tag bereiten, bietet aber eben auch gute Chancen. Wenn man das Fairway trifft, liegt man eigentlich immer so, dass man gut scoren kann. Die Grüns waren in dieser Woche so, dass man auch wirklich einige Putts stopfen konnte. Nachdem ich auf der 18 den Ball aus dem Wald gerettet hatte und dann den wichtigen Putt gemacht habe, waren viele Emotionen da. Das war schön, zu sehen, wie sich Esther Poburski und Sebastian Buhl mit mir auf dem Grün gefreut haben. Dieser zweite Platz bedeutet auch mir sehr viele. Es war ein tolles Teilnehmerfeld hier, wir hatten super Bedingungen. Diese Silbermedaille gibt mir sehr viel Selbstbewusstsein. Dass ich bei solchen Turnieren vorne mitspielen kann, werde ich in den Rest der Saison mitnehmen.“
Das sagt die Bundestrainerin
Esther Poburski, Bundestrainerin Frauen Nachwuchs, war nach dem starken Abschneiden des Teams insgesamt, aber besonders von Sofia Maier-Borst sichtlich glücklich: „Ich habe heute einen positiv-emotionalen Tag erlebt. Die Mädels haben es heute wirklich gut gemacht. Viele haben sich nochmal etwas nach vorne gekämpft. Sofia war am Ende sehr emotional, hat einige unglaublich starke Pars gespielt. Ich freue mich darüber total, denn bisher hatte sie das, was sie kann, noch nicht voll auf den Platz gebracht. Es fehlte eigentlich nur eine Runde, wo es etwas besser läuft. Sie hat noch etwas mit Justin Walsh gearbeitet. Das hat ihr wohl sehr geholfen. Ich bin total glücklich. Mit dem Standort hier in Bad Saarow ist das Turnier wieder deutlich aufgewertet. Auch nach den Rückmeldungen der Coaches aus den anderen Ländern war das ein tolles Turnier und es macht mich auch etwas stolz, was wir als DGV hier geschafft haben.“
Das sagt der Heimtrainer
Sebastian Buhl, der Heimtrainer von Sofia Maier-Borst in St. Leon-Rot, war nach dem wichtigen Putt auf dem 18. Grün der erste Gratulant und zeigte seine Freude, seine Emotionen ganz offen. Die Arbeit der letzten Monate trägt Früchte: „Wir arbeiten sein Monaten intensiv daran, die teuren Fehler zu vermeiden. Wir spüren seit Wochen, dass sie kurz davor war, die Tür einzutreten. Heute waren wir sehr nah dran und Sofia hat sich mit der Silbermedaille für harte Arbeit selbst belohnt.“
Das sagt der Vorstand Sport
Marcus Neumann, Vorstand Sport im DGV, war am Finaltag ganz dicht dran am Sportgeschehen. Der ehemalige Damen-Bundestrainer, der an die Anlage in Bad Saarow unendlich viele Erinnerungen hat, war mit dieser zweiten Auflage der GBG am Scharmützelsee mehr als zufrieden: „Nachdem wir im letzten Jahr erstmals mit diesem Turnier in Bad Saarow waren, haben viele der Coaches anderer Nationen sehr darauf gedrängt, dass wir wieder hierher kommen. Diesen Wünschen haben wir sehr gerne entsprochen, zumal der Club und das Management der Anlage auch im Boot waren. Die Plätze sind super, die Anreise ist einfach. Es hat alles etwas Grandezza und ist in der Nähe eine Metropole. Die Anlage hat einen guten Ruf und die Plätze haben mit Faldo und Palmer überaus klangvolle Namen. Das ist großes Kino für alle, die diese Anlage über Jahre begleitet haben. Die Plätze waren in einem sehr guten Zustand. Die Grüns waren klasse. Der Faldo Course war in diesem Jahr etwas leichter zu spielen, weil nicht soviel Wind im Spiel war. Der Palmer Course ist immer ein Genussplatz, hat sein Tücken, war aber auch bestens präpariert. Und wir haben hier würdige Sieger gesehen. Das war alles sehr rund und gelungen.“
Nationenwertung:
1. Spanien 422 Schläge
2. Schweiz 427 Schläge
3. Deutschland I 428 Schläge
4. Deutschland II 428 Schläge
5. England I 429 Schläge











