Optimale Ausbeute: Alle Deutschen eine Runde weiter
Madrid/Spanien – Im Real Club Puerta de Hierro, von dem man die noch immer schneebedeckten Gipfel der Sierra de Guadarrama im Blick hat, geht die 111. Spanish International Amateur Championship in ihre zweite Phase. Die bis zu 2.428 Meter hohe Bergkette, die nördlich von Madrid liegt, bildet einen optisch sehr reizvollen Rahmen, für den die Athleten natürlich kaum einen Blick haben, denn in der Runde der besten 64 ging es am dritten Wettkampftag Mann gegen Mann um den Aufstieg in die nächste Runde.
Bock überragend
Nils-Levi Bock ging als erster Deutscher raus. Gegner war der Niederländer Youp Orsel, der als einer der besten U16-Athleten Europas gilt. Vom ersten Schlag an setzte Bock fette Ausrufezeichen, dass er mit dem Platz bestens vertraut ist und in allen Belangen sehr ausbalanciert sein Können abrufen kann. Die Leistung des gebürtigen Bayern war überragend und so machte Nils-Levi Bock dem Niederländer nie die Tür auch nur einen Spalt auf. Nur zweimal konnte Orsel mit Lochgewinnen seinen Rückstand jeweils verkürzen, aber der Bundesadler geriet nie in Gefahr. Mit 4&2 war das Ergebnis entsprechend deutlich und der Sieg Bocks auch mehr als verdient.
„Ich bin sehr zufrieden mit dem Tag. Ich habe ähnlich wie die letzten zwei Tage wirklich sehr solides Golf gespielt. Insbesondere mein Putten war heute wieder sehr gut. Das hat mir diese kleinen Momentum-Schübe gegeben, damit ich meinen Gegner immer wieder unter Druck setze, immer wieder fordere, dass er immer nachziehen muss. Das war heute auch wieder das Rezept für den Sieg. Ich habe mich auf mein eigenes Spiel konzentriert und meinem Gegner das Leben sehr schwer gemacht. Ich bin sehr, sehr froh, dass ich in die nächste Runde eingezogen bin. Ich freue mich auf einen guten Tag morgen, an dem ich versuche, natürlich wieder das Gleiche zu machen, bei mir zu bleiben und einfach nur nach vorne zu gucken. Dann kann es morgen auch wieder ein erfolgreicher Tag werden“, ruhte Nils-Levi Bock nach dem glatten Sieg gegen den Niederländer.
Auch Coach André Sallmann war regelrecht verzückt vom Auftritt des Athleten aus St. Leon-Rot: „Das Spiel von Nils-Levi ist in wirklich allen Bereichen wahnsinnig ausbalanciert. Innen wie außen. Er hat sich den Platz sowas von gut zurechtgelegt und mit dem Platz extrem gut angefreundet. Ich glaube, er liebt diesen Platz auch. Nils hat eigentlich genau da weitergemacht, wo er schon im Zählspiel war. Gegen einen wirklich sehr guten, jungen Nachwuchsspieler war das beeindruckend, zu sehen. Der Niederländer hatte keinen Stich. Selbst wenn es mal so ein bisschen brenzlig war, hat Nils sofort die Gießkanne drauf getan und alles gelöscht, was der Gegner ihm entgegengesetzt hat. Deshalb hat Nils sein Match wirklich überlegen nach Hause gebracht.“
Am vierten Wettkampftag geht es für Nils-Levi Bock früh raus. Um 8.30 Uhr trifft der SLR-Athlet auf den Spanier Gonzalo Banos.
Rieger ultracool
Tjelle Rieger traf auf Oliver de Wint Senussi. Der Spanier legte einen Blitzstart hin und führte nach zwei Löchern schon mit 2auf, aber der Deutsche glich schon auf dem sechsten Grün wieder aus. Von da an entwickelte sich ein ständiges Auf und Ab, bei dem aber immer die Waagschale etwas zum Spanier tendierte. Kein einziges Mal gelang es Rieger, nach dem Ausgleich weiter Druck aufzubauen und selbst in Führung zu gehen.
Nach 15 Bahnen führte der Gegner von der iberischen Halbinsel sogar scheinbar vorentscheidend mit 2auf. Der amtierende Deutsche Lochspielmeister zeigte dann aber seine ganze Klasse im Format Matchplay und glich nicht nur mit zwei Lochgewinnen vor der 18. Bahn wieder aus, sondern legte im alles entscheidenden Moment noch den dritten Lochgewinn in Folge nach, um damit auch das Match mit 1auf für sich zu entscheiden.
„Der Schlüssel zum Sieg war heute meine Geduld. Ich lag früh 2down, bin somit direkt dem Gegner hinterher gelaufen. Ich habe aber auf mein Spiel vertraut. Wir hatten dann einen langen Stretch, wo wir uns gegenseitig immer wieder Löcher geschenkt haben.
Auch, als ich mit 2down auf die letzten drei Löcher gegangen bin, habe ich meinem Spiel vertraut und konnte dadurch die letzten drei Löcher gewinnen, das Match drehen und auf dem 18. Grün gewinnen. Das war sehr, sehr schön und hat mich sehr gefreut“, strahlte der Last-Minute-Sieger nach dem letzten Putt.
„Spielerisch war Tjelle sicherlich der bessere Spieler, aber er hat gegen einen wirklich guten, jungen Spanier gespielt und war fast die ganze Zeit immer down. Auf den Schlusslöchern hat er halt Vollgas gegeben. An der 17 hat Tjelle ein ganz hervorragendes Eisen relativ dicht an die Fahne gespielt und das Loch mit Birdie gewonnen. An der 18 hat er das perfekte Par 5 gespielt. Sein Drive ging gut die Bahn runter. Dann hat es aus etwa 70 Metern den Pitch mit Backspin hinter die Fahne gehauen. Der Spanier hat zwar super geantwortet, hat Tjelle aber letztlich die Linie vorgegeben. Der Putt aus fünf Metern rollte knapp neben das Loch. Tjelle hat dabei genau zugesehen und mit den Eindrücken seinen Ball wirklich toll zum Sieg reingemacht. Das war großartig“, hatte André Sallmann auch bei Tjelle Rieger viel gesehen, was Anlass zu Optimismus gibt.
Der Iceman des GC St. Leon-Rot geht in der Runde der Top 32 um 8.40 Uhr gegen den Spanier Nicolas Garcia in den Kampf um den Einzug ins Achtelfinale.
Klare Sache für Glawe
Wolfgang Glawe lieferte sich mit dem Italiener Giovanni Bernardi ein Duell, bei dem der Hubbelrather meist etwas besser aussah und invielen Bereichen hoch überlegen agierte. Vom Start weg ging Glawe direkt mit 2auf in Führung, musste aber recht bald nach zwei Birdies seines Gegners auch wieder den Ausgleich hinnehmen. Davon ließ sich der in Mannheim-Viernheim maßgeblich ausgebildete Athlet des Golf Team Germany aber nicht beeindrucken und ging sofort selbst wieder durch einen phantastischen Pitch in Führung, die er auf dem zwölften Grün erstmals auf 3auf ausbaute. Auf Loch 16 konnte Bernardi zwar noch einmal mit einem Lochgewinn das vorzeitige Ende abwenden, aber postwendend holte sich Wolfgang Glawe das Loch zurück und sicherte sich einen letztlich nie gefährdeten 3&1-Sieg. Mit nur einem Bogey auf diesem sehr anspruchsvollen Course war der Hubbelrather an diesem seinem Gegner weit überlegen.
„Ich habe sehr sauber gespielt und kaum Fehler gemacht. Im richtigen Moment habe ich wichtige Putts gelocht und dadurch das Match im Nachhinein relativ sicher für mich entschieden“, freute sich Glawe über den Aufstieg in die Top 32, in der er am Freitag um 9.20 Uhr auf den Niederländer Stijn Egging trifft.
Fazit des Coaches
André Sallmann durfte sich als Betreuer der Spieler des Golf Team Germany über eine optimale Ausbeute des ersten Tages der Matchplays freuen, hatte auf dem Weg dahin aber unterschiedliche Matches gesehen. Am Ende zählt aber nur, dass für alle die Reise weiter geht.
„Jetzt geht es darum, wirklich Kräfte zu sammeln. Morgen soll sich der Platz wohl noch etwas schwieriger spielen, weil Wind aufkommen wird und dann wird das hier ein richtiger Test. Jetzt ist eben eine Kombination aus Einstellung, Kondition und Konzentration gefragt. Nach den guten Leistungen heute bin ich gespannt, was die Jungs hier alles noch liefern werden“, geht der Norddeutsche mit großem Vertrauen in seine Spieler in den zweiten Tag der Matchplays.








