Mehr Länge ohne mehr Kraft: Mit nur einem Drill effizienter schwingen
Viele Hobbygolfer kennen das Problem: Der Schwung holt weit aus, die Arme arbeiten hektisch – und trotzdem fehlt am Ende die Schlaglänge. Woran liegt das? Nach Ansicht von Karl Villwock, PGA Golf Professional im Golfclub Hamburg-Holm, liegt es an einer falschen Vorstellung von Kraft. Die meisten Golfer, sagt er, „schwingen viel zu sehr aus den Armen und lassen ihre Energie frühzeitig verpuffen“. Im Video (s.u.) zeigt Villwock, wie Golfer mit einer einfachen dreistufigen Übungsreihe lernen können, die Geschwindigkeit dorthin zu verlagern, wo sie gebraucht wird: nach vorn, in Richtung Ball. Denn nur wenn die große Körpermuskulatur richtig arbeitet, lässt sich der Schläger effizient schnell machen – ohne mehr Kraft und ohne weiter auszuholen.
Probieren Sie diese Übung aus
Teil eins der Übung wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich: Der Spieler stellt eine Flasche oder einen Eimer so dicht hinter sich auf, dass ein normales Ausholen unmöglich wird. „Ich möchte, dass man einmal spürt, wie wir ohne Ausholen ins Finish kommen“, erklärt Villwock. „Das ist erstmal ziemlich komisch, aber genau so merkt man: Die Kraft muss hier vorne entstehen.“ Ohne Schwung aus den Armen, ohne Ausholbewegung – nur mit Körperspannung und einer aktiven Bewegung des Unterkörpers. Viele merken erst bei dieser Übung, wie sehr sie sonst aus den Armen anschwingen.
Die Rolle der Beine im Schwung
Im zweiten Schritt wird die Bewegung etwas erweitert. Nun darf der Schaft bis parallel zum Boden zurückgeführt werden, bevor der Spieler explosiv ins Finish geht. Die Übung zeigt schnell, dass ein reines Schwingen aus den Armen nicht funktioniert. „Wenn ich das nur mit den Armen versuche, sieht das komisch aus und hört sich auch so an“, sagt Villwock. „Aber wenn ich in mein linkes Bein hineinarbeite und die großen Muskeln aktiv werden, dann bekommt der Schläger plötzlich Tempo.“ Hier beginnt der Körper, sich aufzuspannen – eine wichtige Voraussetzung für Explosivität im Abschwung. Der linke Arm dehnt sich gegen die Brust, der Körper arbeitet leicht nach links und lädt sich wie eine Feder auf.
Kompaktes Ausholen
In der dritten Stufe wird die Bewegung in den vollständigen Golfschwung übertragen. Der Spieler darf normal ausholen, soll aber früh im Abschwung spüren, wie der Körper die Führung übernimmt und die Hände einen Moment „zurückbleiben“. „Meine Hände gehen noch ein kleines bisschen nach hinten, während mein Körper sich schon nach links auflädt“, erklärt Villwock. „Diese vorgedehnte Bewegung gibt uns unglaublich viel Power.“ Das Ergebnis: ein kompaktes, effizientes Ausholen, das trotzdem enorme Länge erzeugt. Villwock demonstriert es mit einem Eisen sieben – trotz sehr kurzer Bewegung schlägt er die Kugel fast 150 Meter weit.
Das richtige Timing zwischen Ober- und Unterkörper
Der Kern der Übung liegt in einem Umdenken: weniger Arme, mehr Körper. Weniger Länge im Ausholen, mehr Energie im Treffmoment. „Wir wollen nicht armlastig sein und die Energie schon oben verpuffen lassen“, fasst Villwock zusammen. „Wir wollen spüren, dass die Energie hier vorne schnell wird.“ Sein Fazit ist klar: Wer jetzt im Winter an diesen Grundlagen arbeitet, legt den Grundstein für mehr Konstanz und Schlaglänge im kommenden Frühjahr. Denn Effizienz entsteht nicht durch Kraft, sondern durch das richtige Timing zwischen Ober- und Unterkörper. Villwock empfiehlt deshalb allen Golfern: „Probiert das aus – manchmal ist weniger einfach mehr. Die Energie muss nach vorne herausgeschleudert werden.“









