Major-Chance verspielt: Ballmarker zu früh aufgehoben
Es war einer der dramatischsten Momente des „Longest Day in Golf“ – und einer, den Adam Svensson so schnell nicht vergessen wird. Beim finalen Qualifikationsturnier für die US Open in Ontario unterlief dem Kanadier ein folgenschwerer Fehler, der ihn womöglich um die Teilnahme an dem Major bringt. Nach 36 anstrengenden Löchern kam es im Lambton Golf & Country Club zu einem Stechen mit acht Spielern um die letzten drei Startplätze für das dritte Major des Jahres. Am Ende waren noch drei Profis im Rennen: Max McGreevy, Matt Wallace und Svensson.
Während McGreevy sich mit einem Birdie den letzten direkten Startplatz sicherte, war die Entscheidung noch nicht endgültig gefallen. Zwischen Wallace und Svensson ging es nun um die Reihenfolge der Nachrücker – eine scheinbare Randnotiz mit enormer Bedeutung. Denn der erste Ersatzspieler hat traditionell sehr gute Chancen, doch noch ins Feld zu rutschen, sollte ein qualifizierter Spieler kurzfristig absagen. Der zweite Ersatzmann hingegen geht meist leer aus.
Ein Moment der Unachtsamkeit
Genau in dieser entscheidenden Situation unterlief Svensson der folgenschwere Fehler. Nachdem McGreevy gelocht hatte, ging der Kanadier offenbar davon aus, dass das Playoff beendet sei. Er hob seinen Ballmarker auf, ohne seinen Par-Putt zu spielen. Ein Regelverstoß mit Konsequenzen: Svensson gab das Duell damit automatisch auf und überließ Wallace kampflos den Platz als erster Nachrücker.
Ein herbeieilender Offizieller klärte den 32-Jährigen über seinen Fehler auf – doch es war zu spät. Anstatt weiter um die bessere Ausgangsposition zu kämpfen, blieb Svensson nur der zweite Ersatzrang. Diese Szene könnte enorme Tragweite haben. Wie Experten und TV-Analysten betonten, rückt der erste Nachrücker bei Majors regelmäßig ins Teilnehmerfeld nach. Für Matt Wallace stehen die Chancen daher gut, doch noch bei der US Open abzuschlagen. Svensson hingegen ist auf mehrere Absagen angewiesen, was deutlich unwahrscheinlicher ist. Dabei hatte der Kanadier zuvor starke Leistungen gezeigt und sich mit zwei 67er Runden überhaupt erst in die aussichtsreiche Position gespielt. Umso bitterer ist der Ausgang.
Der „Longest Day“ ist für die Spieler eine enorme körperliche und mentale Herausforderung. Nach stundenlangem Golf unter höchstem Druck sind Konzentrationsfehler keine Seltenheit. Dennoch dürfte dieser Moment für Svensson besonders schmerzhaft sein.
Das sagt Regelexperte Dietrich von Garn dazu:
„Oft genug kommt es in Turnieren zu einem Stechen, auch wenn natürlich nie sehr viele Spieler davon betroffen sind. Im normalen Turnieralltag, in dem es ‚nur‘ um den Sieg im gerade gespielten Turnier geht, ist allen Spielern klar, dass der Sieger des Stechens das Turnier gewonnen hat und die anderen Teilnehmer des Stechens den geteilten zweiten Platz erreichen.
Im aktuellen Fall war jedoch eine Liste der möglichen Nachrücker gefragt, auf der sich Svensson durch das Aufheben seines Ballmarkers unbeabsichtigt einen Platz nach hinten bewegt hatte. Es handelte sich also nicht um ein „Stechen as usual“, was wohl die Erklärung für das ärgerliche Missverständnis war.
Der Ballmarker hat den Status des Balls. Svensson hätte den Ballmarker mit einem Strafschlag wieder zurücklegen können, was ihm jedoch nur einen Putt zum Bogey ermöglicht hätte, der ihm nicht geholfen hätte.
Schade, dass der Referee in diesem Fall nicht sofort ein lautes „Fore!” oder „Stop!” gerufen hat, um den Spieler vor dem Regelverstoß zu warnen. Aber erfahrungsgemäß begehen manche Spieler ihre Fehler so schnell, dass man gar nicht mehr reagieren kann.
Fazit: Das wird dem Spieler nicht noch einmal passieren. Zunächst muss er aber wieder so gut spielen, um in ein solches Stechen zu kommen. Hoffentlich passiert ihm das noch einmal.“







