Blitzstart für Europa
Die Tore öffneten um 5 Uhr morgens, als es noch dunkel war. Keine halbe Stunde später waren die besten Plätze auf der Tribüne hinter Tee eins besetzt. Die Stimmung war gut, aber keineswegs feindselig aus Sicht von Team Europa. Zwar heizte Bryson DeChambeau zum Start des 45. Ryder Cups im Bethpage State Park den Ofen mit einem großartigen Drive bis kurz vors Grün der ersten Bahn mächtig ein. Die Gäste aus Übersee ließen sich vom frühen Rückstand im ersten Match – DeChambeau lochte aus viereinhalb Metern zum Birdie – aber wenig beeindrucken.
Im Gegenteil: Das LIV-Duo Jon Rahm/Tyrrell Hatton fand im weiteren Verlauf auch aus schwierigen Lagen immer eine gute Lösung und holte den ersten Punkt für Europa mit 4&3 auf Grün 15. Rahm: „Wir wussten, dass wir gegen die Publikumslieblinge und zwei der besten Golfer der Welt spielen. Wir hatten einen schwierigen Start, kämpften uns in die Partie und haben verdient gewonnen.“ Der Spanier hob vor Manhattan den Teamspirit mit Partner Hatton hervor: „Wir kennen uns gut, spielen viel zusammen und es ist einfach ein Segen, mit diesem Mann Golf zu spielen.“
Ähnlich gut lief es für Luke Donalds hervorragend eingestellte Truppe mit der blauen Fahne und den goldenen Sternen in den zwei folgenden Matches: Dass Rory McIlroy und Kumpel sowie FedExCup-Champion Tommy Fleetwood schwer zu knacken sein werden, das bekamen Collin Morikawa und Harris English zu spüren. Auf dem morgens noch von Wolken bedeckten und vom Regen der Vortage nassen Bethpage Black Course lagen die Briten vier auf nach sechs Löchern und fünf auf nach acht. Die beiden Routiniers hatten richtig Spaß, lachten viel, klatschten sich immer wieder ab, spielten das souverän runter wie die Bank von England und schaufelten nur eine Minute später mit 5&4 den zweiten Punkt aufs Konto der Europäer.
Und dann waren da noch Ludvig Åberg und Matt Fitzpatrick. Sie hatten es immerhin mit dem Weltranglistenersten Scottie Scheffler und Russell Henley zu tun, die beide in Sachen Körpersprache noch ordentlich Luft nach oben haben. Der Schwede und sein englischer Partner lagen drei auf nach sechs Bahnen, lochten zum Birdie auf der Neun, erhöhten auf vier auf und siegten am Ende – ebenfalls auf Grün 15 und dank eines starken Birdie-Putts von Fitzpatrick – ungefährdet mit 5&3. Åberg: „Ich hatte einen sehr guten Partner heute, wir haben gut gespielt und sind erfolgreich mit Birdie gestartet.“ Für Fitzpatrick war es der erste Ryder-Cup-Punkt in einem Vierer.
Der von vielen erwartete, feindselige Auftritt der amerikanischen Fans blieb aus. Fast war es erstaunlich friedlich überall auf der Anlage und als mittags die Sonne rauskam, steuerte Team Europe unweit der Freiheitsstatue der ersten deutlichen Führung entgegen. Klar waren die „U-S-A-!“-Rufe hier und da zu hören, aber die Musik machten die Europäer, die ebenfalls nicht selten lautstark von mitgereisten Fans unterstützt wurden und mit den Grüns sowie dem fetten Rough hervorragend zurecht kamen. Lediglich Robert MacIntyre und Viktor Hovland mussten sich im letzten Foursome des Vormittags über die volle Distanz der Paarung Schauffele/Cantlay mit 2down auf der 18 geschlagen geben.
US-Captain Keegan Bradley war dennoch semi-begeistert und hofft auf den Präsidenten: „Es ist nicht der Start, den wir uns vorgestellt hatten, aber wir wissen, dass es beim Ryder Cup rauf und runter gehen kann. Ich habe sehr viel Vertrauen in die Jungs und gerade die Airforce One des Präsidenten gesehen; das wird für die Wende sorgen.“ Luke Donald sieht's anders: „Ich bin stolz auf die Jungs, es war ein guter Start für uns in dieser lauten und besonderen Atmosphäre hier.“
Wie geht’s weiter? Die klassischen Vierer zum Auftakt des mit Spannung erwarteten Ryder Cups in New York sind gespielt. Favorit USA liegt 1:3 zurück. In den direkt anschließenden Fourballs am Freitagnachmittag (-abend deutscher Zeit) wird es weitere vier Matches geben. Spannend: Dabei treffen Rory McIlroy und Patrick Cantlay direkt aufeinander, die sich vor zwei Jahren in Rom in die Haare gekriegt hatten. Zu den Zuschauern gehört dann auch Donald Trump, der mit dem Secret Service auf der Anlage angekommen ist und sich den Fans zeigt. Dazu klassisch Hymne, Flagge und Jets am Himmel. Nur das Ergebnis stimmt noch nicht aus Sicht der USA. Das sind die Paarungen der Fourballs:
- Scottie Scheffler/J.J. Spaun vs. Jon Rahm/Sepp Straka (18:25 Uhr)
- Ben Griffin/Bryson DeChambeau vs. Tommy Fleetwood/Justin Rose (18:41 Uhr)
- Cameron Young/Justin Thomas vs. Ludvig Åberg/Rasmus Højgaard (18:57 Uhr)
- Sam Burns/Patrick Cantlay vs. Rory McIlroy/Shane Lowry (19:13 Uhr)












