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Eltern sind für junge Golfer oft die wichtigste Stütze – emotional, organisatorisch und ganz praktisch. | © Getty Images/Golfsupport

Eltern als wichtige Stütze junger Golftalente

Wer Siegerinterviews im Profisport aufmerksam verfolgt, hört immer wieder ähnliche Sätze: „Ich möchte mich bei meinen Eltern bedanken, ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Gerade im Golf, einer Sportart, in der Turnierreisen, frühe Startzeiten, Ausrüstung und Mitgliedschaften eine große Rolle spielen, wird schnell deutlich, wie zentral die Unterstützung der Eltern für die Entwicklung junger Talente ist.

 

Viele Top-Golfer berichten von Schlüsselmomenten mit ihren Eltern: von der Sicherheit, geliebt zu werden – unabhängig davon, ob die Runde bei +10 oder -5 endet –, von langen Fahrten zu Turnieren und von Eltern, die zuhören, trösten, bremsen oder einfach nur da sind. Solche Erfahrungen schaffen einen inneren Boden, auf dem sich Leistung überhaupt erst entfalten kann: Das Kind darf scheitern, ohne dass die Beziehung auf dem Prüfstand steht. Genau diese Sicherheit ist im Leistungssport ein entscheidender Schutzfaktor.

 

Eltern sind im Golf vieles zugleich: Unterstützer, Fans, Chauffeure, „Caddies“ im übertragenen Sinn, erste Ansprechpersonen bei Frust und erste Gratulanten bei Erfolg. Und ohne diese Rolle wäre es jungen Spielern kaum möglich, regelmäßig zu trainieren, Turniere zu spielen und sich sportlich zu entwickeln.

Der ganz normale Turnieralltag – aus Sicht der Eltern

Viele Eltern von Golferkindern kennen Szenen wie diese: Sonntagmorgen, 6.30 Uhr, es ist kühl, neblig, vielleicht sogar nass. Treffpunkt am Golfclub eine Stunde vor der Startzeit, damit die Tochter oder der Sohn noch putten, chippen und ein paar Bälle auf der Range schlagen kann. Dann vier bis fünf Stunden Turnierrunde – je nach Spieltempo –, mitfiebern an jedem Abschlag, jedem Annäherungsschlag, jedem Putt. Anschließend Siegerehrung, Rückfahrt, vielleicht Stau auf der Autobahn. Der Tag ist schnell „weg“. Und trotzdem wird das alles regelmäßig auf sich genommen, weil Eltern ihren Kindern etwas ermöglichen möchten, das ihnen wichtig ist.

 

Genau an diese Eltern richtet sich dieser Beitrag. Denn die allermeisten wollen mit ihrem bewussten und unbewussten Verhalten natürlich nur das Beste für ihr Kind. Gleichwohl können gut gemeinte Sätze wie „Heute spielst du bestimmt unter Handicap“ oder „Du gewinnst das heute“ eine ungewollte Botschaft senden – und beim Kind Druck erzeugen statt Unterstützung.

Was Kinder zwischen den Zeilen hören

Ein Beispiel aus dem Golfalltag: Wie verhalten sich Eltern, wenn das Kind an einem Turniertag eine richtig gute Runde spielt, Birdies puttet, das Handicap verbessert? Meist ist die Freude groß, es wird gratuliert, gelobt, gefeiert. Wie verändert sich jedoch Verhalten und Körpersprache, wenn das Kind an Loch 7 schon mehrere Bälle im Aus hatte, der Score „entgleitet“ und klar ist: Heute wird es eine Runde weit über Handicap? In vielen Fällen sind Mimik und Stimmung der Eltern deutlich gedämpfter oder gereizter – manchmal, ohne dass es ihnen selbst bewusst ist. Gerade in diesen Momenten jedoch bräuchten Kinder den größten Rückhalt.

 

In der Kommunikationspsychologie gibt es einen bekannten Satz: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Auch wenn Eltern innerlich etwas anderes meinen, kommen nonverbale Signale – Seufzer, Kopfschütteln, genervte Blicke auf die Scorekarte – bei Kindern oft anders an. Hinzu kommt: Kinder und Jugendliche interpretieren Signale aufgrund ihrer Entwicklungsphase anders als Erwachsene. Sie sind schneller geneigt, Verhalten auf sich selbst zu beziehen und ihren Selbstwert daraus abzuleiten.

So kann in der Wahrnehmung eines jungen Spielers oder einer jungen Spielerin leicht Folgendes entstehen:

 

  • „Meine Eltern sind enttäuscht von mir.“
  • „Sie freuen sich nur, wenn ich gut score.“
  • „Wenn ich schlecht spiele, sind sie peinlich berührt.“

 

Ähnlich verhält es sich mit gut gemeinten Sätzen wie:

 

  • „Viel Erfolg heute!“
  • „Heute kannst du echt was reißen.“
  • „Du bist doch gut drauf, das wird bestimmt was.“

 

Kinder und Jugendliche können daraus Botschaften ableiten wie:

 

  • „Nur wenn ich gut spiele, sind meine Eltern stolz auf mich.“
  • „Wenn ich mein Handicap nicht verbessere, enttäusche ich sie.“

 

Diese Wirkung kann auch entstehen, wenn zu Hause fast ausschließlich über Golf, Turnierergebnisse, Handicapentwicklung und Statistiken gesprochen wird. Wenn das der Eindruck ist, den Kinder gewinnen – dass Golf das zentrale Gesprächsthema und Bewertungsmaßstab ist – kann sich das auf ihr Selbstbild auswirken. Oft ist das gar nicht so gemeint: Viele Eltern sprechen über Golf, weil das Kind selbst leidenschaftlich davon erzählt. Aber Kommunikation wirkt nun einmal unabhängig von der Absicht.

Worum es Kindern eigentlich geht

Im Kern wünschen sich Kinder und Jugendliche drei Dinge von ihren Eltern:

 

  1. Sicherheit: „Ich bin geliebt, unabhängig vom Score.“
  2. Unterstützung: „Meine Eltern sind da, sie interessieren sich für mich – nicht nur für meine Ergebnisse.“
  3. Vertrauen: „Ich darf lernen, Fehler machen und meinen eigenen Weg gehen.“

 

Wenn dies im Vordergrund steht, kann sich sportlicher Ehrgeiz organisch entwickeln. Druck von außen ist dazu nicht nötig – und im Regelfall eher hinderlich. Der Antrieb für echte Spitzenleistungen entsteht meist aus der Freude am Spiel, aus der Faszination für den Sport und aus der Erfahrung, auch nach schwachen Runden gesehen und angenommen zu werden.

Hilfreiche Botschaften – vor und nach der Runde

Vor der Runde sind Formulierungen hilfreich, die Unterstützung und Vertrauen betonen, nicht das Resultat:

 

  • „Hab Spaß da draußen.“
  • „Gib dein Bestes, mehr braucht es nicht.“
  • „Schön, dass du heute spielen kannst.“
  • „Egal, was rauskommt – ich hab dich lieb.“

 

Nach der Runde geht es darum, den Fokus weg vom reinen Ergebnis hin zum Einsatz und zum Erleben zu lenken:

 

  • „Ich bin stolz, dass du die Runde durchgezogen hast.“
  • „Was war heute dein schönster Schlag?“
  • „Was hast du heute über dich oder dein Spiel gelernt?“
  • „Hattest du trotz allem Momente, die sich gut angefühlt haben?“

 

Solche Fragen eröffnen einen Raum, in dem Kinder nicht nur über Fehler und Scores sprechen, sondern über Erfahrungen, Entwicklung und Freude am Spiel. Die Leistung wird nicht ignoriert, aber sie ist eingebettet in eine breitere Perspektive.

Wessen Aufgabe ist Ehrgeiz?

Gerade im leistungsorientierten Jugendgolf besteht die Gefahr, dass Eltern unbewusst in die Rolle von „Coaches“ rutschen, die den Ehrgeiz ihrer Kinder ständig anfeuern wollen. In der Praxis zeigt sich jedoch:

 

  • Ehrgeiz entwickelt sich innerhalb des Sports, im Training, im Wettkampf, im Vergleich mit anderen.
  • Die Aufgabe von Eltern ist es nicht, diesen Ehrgeiz künstlich zu erzeugen, sondern einen Rahmen zu schaffen, in dem gesunder Ehrgeiz wachsen kann.

 

Das bedeutet: Das Kind darf Höhen und Tiefen erleben, ohne dass die Beziehung zu den Eltern von Ergebnissen abhängt. Leistung wird dadurch eher gefördert als gefährdet.

Checkliste für Eltern junger Golfer

Die folgende Checkliste lädt dazu ein, das eigene Verhalten zu reflektieren. Sie ist kein Bewertungsinstrument, sondern ein Angebot zur Selbstüberprüfung:

 

1. Können Sie Ihrem Kind Zeit geben?

 

  • Zeit zum Fahren, Begleiten, Anfeuern beim Training und bei Turnieren?
  • Zeit, seinen oder ihren Gedanken und Gefühlen zuzuhören – auch wenn es gerade nicht um Golf geht?
  • Zeit, sich sportlich in seinem eigenen Tempo zu entwickeln?

 

2. Können Sie Erfolge Ihres Kindes akzeptieren und genießen?

 

  • Dürfen gute Runden einfach gefeiert werden, ohne sie sofort zu analysieren?
  • Können Sie stolz sein, ohne die Messlatte automatisch höher zu legen („Beim nächsten Mal aber noch besser“)?

 

3. Können Sie Niederlagen Ihres Kindes akzeptieren?

 

  • Ist Ihnen eine schlechte Runde peinlich – oder bleibt Ihr Kind für Sie „okay“, egal was auf der Scorekarte steht?
  • Könnten Sie Ihr Kind nach einer sehr schwachen Runde oder einem verpatzten Turnier trotzdem in den Arm nehmen?

 

4. Können Sie Ihrem Kind ein Vorbild sein?

 

  • Im Umgang mit eigenen Emotionen auf der Runde oder am Rand?
  • Im Umgang mit Trainern, Mitspielern, Schiedsrichtern oder anderen Eltern?
  • Im Umgang mit Frust – etwa bei Wartezeiten, Wetter, Organisation?

 

5. Haben Sie auch andere Gesprächsthemen fernab von Golf?

 

  • Gibt es Themen, über die Sie gerne mit Ihrem Kind reden, die nichts mit Golf, Scores oder Handicap zu tun haben?
  • Hat Ihr Kind das Gefühl, als Person wichtig zu sein – nicht nur als Golfer?

 

6. Können Sie Ihr Kind eigene Entscheidungen treffen lassen?

 

  • Möchten Sie immer die Kontrolle haben oder können Sie die Kontrolle auch abgeben?
  • Darf Ihr Kind wichtige Schritte selbst gehen?

 

7. Können Sie Ihr Kind „teilen“?

 

  • Ist es in Ordnung, dass Trainer, ältere Teammitglieder oder Vorbilder im Golfclub eine wichtige Rolle im Leben Ihres Kindes einnehmen?
  • Können Sie anerkennen, dass Ihr Kind auch von anderen Personen lernen darf und soll?

Fazit

Eltern sind für junge Golfer oft die wichtigste Stütze – emotional, organisatorisch und ganz praktisch. Gleichzeitig können kleine Signale, Sätze und Reaktionen, die gut gemeint sind, bei Kindern anders ankommen, als beabsichtigt. Wer sich als Elternteil bewusst macht, welche Botschaften – verbal und nonverbal – gesendet werden, kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass das eigene Kind Golf als das erlebt, was es sein sollte: als Chance, sich zu entwickeln, Herausforderungen anzunehmen und an Erfolgen wie Rückschlägen zu wachsen, ohne den eigenen Wert davon abhängig zu machen.

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