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Führung vor der Finalrunde: Hanna Tauber vom GC Bergisch Land | © DGV/STEBL

Ein bisschen Geschichte

Wuppertal/Velbert – Hanna Tauber hat nach zwei Runden der Ladies German Challenge powered by VcG ihre starke Ausgangsposition behauptet und liegt weiterhin an der Spitze des Klassements. Die Spielerin des gastgebenden GC Bergisch Land geht mit zwei Schlägen Vorsprung in die Entscheidung und darf auf der Anlage, auf der sie jeden Hügel, jede Schräglage und viele Feinheiten kennt, weiter vom ganz großen Erfolg träumen.
 

Noch ist in diesem Turnier aber nichts entschieden. Am Sonntag steht die dritte und letzte Runde an. Gestartet wird ab 8.20 Uhr von Tee 1 und Tee 10. Der Leaderflight mit Hanna Tauber, Zhen Bontan aus den Niederlanden und Moa Svedenskiold aus Schweden startet um 9.40 Uhr von Tee 1. Damit ist sportlich alles angerichtet für ein spannendes Finale, in dem Tauber vor heimischer Kulisse eine besondere Chance bekommt.

 

Gleichzeitig bietet dieses Turnier auch Anlass, den Blick ein wenig weiter zu öffnen. Denn der GC Bergisch Land ist nicht nur ein anspruchsvoller Gastgeber auf einem ebenso schönen wie fordernden Gelände. Dieser Club erzählt auch Geschichten, die weit über Par und Birdie hinausgehen.
 

Seinen Anfang nahm alles mit Willy Schniewind, der den GC Bergisch Land im Jahr 1928 gründete. Schniewind prägte den Golfsport in Deutschland und darüber hinaus in besonderer Weise. Von 1951 bis 1964 war er Präsident des Deutschen Golf Verbands. Zudem war er von 1959 bis 1961 gewählter Präsident der EGA. Dass die NRW-Mannschaftsmeisterschaften bis heute den Namen „Willy-Schniewind-Mannschaftspreis“ tragen, erinnert an diesen großen Golfliebhaber und an seine Bedeutung für die Entwicklung des Sports.
 

Wer an diesem Wochenende über die Anlage geht, bewegt sich also nicht nur durch ein Gelände mit sportlicher Gegenwart, sondern auch durch ein Stück deutscher Golfgeschichte.
 

Kruppstahl

Ein besonders auffälliges Kapitel der Clubgeschichte steht dabei nicht am Rand, sondern ziemlich sichtbar im Zentrum des Clublebens. Schon kurz nach dem Bau der ersten neun Löcher sollte ein Clubhaus entstehen. Damals war die Familie Krupp Mitglied im Club. Bei Krupp suchte man in jener Zeit nach weiteren Verwendungsmöglichkeiten für Stahl. Aus dieser Idee heraus kamen Stahl-Fertighäuser ins Spiel. Dem GC Bergisch Land wurde von Berta Krupp ein Prototyp des wohl ersten Fertighauses aus massivem Stahl günstig zur Verfügung gestellt.
 

Dieses Haus steht bis heute. Es ist damit nicht nur Clubhaus, sondern auch ein Stück Baugeschichte. Mit einem kleineren Anbau, in dem die Küche der Gastronomie untergebracht ist, wird es weiter genutzt. Das Gebäude bringt alle Vor- und Nachteile mit sich, die ein derart massives Haus haben kann. Umbauten oder Veränderungen in der Bausubstanz sind nicht möglich. Auch Teile der Installationen sind deshalb kaum zu renovieren. Dafür lassen sich Bilder einfach mit einem Magneten an den Wänden befestigen.
 

Vor einigen Jahren gab es Bemühungen, dieses Modell der Bauhistorie durch einen modernen Neubau zu ersetzen. Die Kosten wären durch Sponsoren gedeckt gewesen. Für den Abriss des Stahl-Fertighauses fand sich unter den Mitgliedern dennoch keine Mehrheit. So blieb das Clubhaus erhalten und erinnert daran, dass Geschichte manchmal nicht nur in Archiven, Urkunden oder Namen weiterlebt, sondern auch in Wänden, Räumen und alltäglicher Nutzung.

Ehrenmitglied Martin Kaymer

Auch sportlich ist der GC Bergisch Land mit einem Namen verbunden, der weit über die Region hinaus Strahlkraft hat. Martin Kaymer, zweifacher Major-Sieger und ehemaliger Weltranglisten-Erster, begann zwar beim GC Mettmann mit dem Golf. In seiner Jugend wurde er aber maßgeblich im GC Bergisch Land gefördert und zum Leistungssportler ausgebildet. Sein Aufstieg zum Weltstar wäre ohne diesen Club kaum denkbar gewesen. Heute ist Kaymer in Neviges Ehrenmitglied.

Bergisch oder bergig

Der Name GC Bergisch Land führt leicht zu einem Missverständnis. Denn auch wenn das Gelände, auf dem der Platz liegt, tatsächlich sehr bergig ist und den Spielerinnen an heißen Tagen einiges abverlangt, ist der Clubname kein bloßer Hinweis auf die Topographie. Die Bezeichnung Bergisches Land geht auf das Adelsgeschlecht der Grafen von Berg zurück. Die Region war mit dem damaligen Herrschaftsgebiet Berg verbunden. Daraus entwickelte sich die heutige Bezeichnung.
 

Die Namensherkunft ist also politisch-historisch, nicht einfach geografisch. Die weit verbreitete Vorstellung, der Name komme nur von den vielen Bergen der Landschaft, ist nicht belegt. Gleichwohl passt die doppelte Lesart an diesem Wochenende gut zusammen. Denn wer auf dieser Anlage unterwegs ist, bekommt die Geschichte ebenso zu spüren wie die Höhenmeter.

Blick nach vorne

Sportlich richtet sich der Blick nun ganz auf die Finalrunde. Hanna Tauber hat sich nach zwei Runden nicht von Druck und starker internationaler Konkurrenz aus der Ruhe bringen lassen. Zwei Schläge Vorsprung sind wertvoll, aber im Golf noch keine Vorentscheidung.
 

Für Tauber wird der Sonntag zu einer besonderen Prüfung: vor heimischer Kulisse, auf bekanntem Terrain und mit der Aussicht, die Ladies German Challenge powered by VcG im eigenen Club zu gewinnen. Zhen Bontan und Moa Svedenskiold werden im Leaderflight versuchen, Druck aufzubauen. Tauber wiederum kann auf ihre Platzkenntnis, ihre bisherige Stabilität und die Energie eines Heimspiels setzen.
 

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