Der deutsche Tour-Pro aus China
Was bedeutet eigentlich zu Hause? Ist es der Ort, wo man geboren wird? Oder ist es die Stadt, in der man lebt? Oder ist es dort, wo Familie und Freunde sind? Vielleicht ist „zu Hause“ auch nur ein Gefühl. Wer weiß das schon? Bei Jan Schneider ist das nicht ganz so einfach. „Das ist eine gute Frage. Ist bei mir wohl nicht ganz so leicht zu beantworten“, sagt er. Schneider ist so etwas wie der große Unbekannte in der deutschen Tour-Pro-Szene. Wenn man ihn googelt, spuckt die Suchmaschine zwar Ergebnisse aus, so wirklich viele Fakten über die Person Jan Schneider bekommt man aber nicht. Das hat Gründe.
Jan Schneider kommt am 30. März 1998 in Changzhou zur Welt. Das ist eine von vielen, eher unbekannten Millionenstädten in der Provinz Jiangsu der Volksrepublik China. „Mein Vater hat für Siemens in China gearbeitet, dort meine Mutter kennengelernt und mit ihr zwei Kinder bekommen“, erzählt er. Wie seine zwei Jahre ältere Schwester Hanna besucht er eine Art Grundschule, ehe die Familie nach Deutschland, genauer: nach Erlangen, übersiedelt, wo Jan Schneider ein paar Jahre aufs Gymnasium geht.
„Als ich zwölf Jahre alt war, stieg ich in ein Flugzeug und verbrachte die Osterferien bei Freunden in China, wo ich dann eher ungeplant bis zu den Sommerferien blieb“, erzählt er. Zurück im Reich der Mitte lernt er mehr durch Zufall einen englischen Golfcoach kennen, der den Teenager unter seine Fittiche nimmt – und ihm das Golfen beibringt. „Wobei mir das Buggyfahren auf den hügeligen Golfplätzen in China am Anfang am meisten Spaß gemacht hat.“ Zurück in Deutschland ist er vorerst Gastschüler auf dem Gymnasium. Wieder nicht lange. Mit 14 zieht er – ohne Eltern – hinaus in die weite Welt. Erneut. Diesmal allerdings in den Westen statt in den Osten, in die USA. Die Familie bleibt zu Hause in Erlangen.

„Ich war eigentlich schon immer sehr früh auf mich gestellt, musste mich um vieles kümmern und bin so vielleicht früher selbstständig geworden als andere.“ In South Carolina besucht Jan Schneider (chinesischer Name: Zha Xi Yang Yang) die International Junior Golf Academy (IJGA). „Das war noch ziemlich weit weg vom Leistungsgolf.“ Zwei Jahre später wechselt er nach Orlando, wo er unter dem Südafrikaner Andrew Park bessere Trainingsbedingungen und mehr Sonnentage vorfindet. Park war seinerzeit Director of David Leadbetter Worldwide Academies. In Florida lebt Schneider bei einer Gastfamilie, macht schon mit 15 seinen Führerschein und ist somit sehr früh mobil.
Anschließend geht's für vier Jahre an die University of Washington in Seattle, wo Schneider Economics studiert. An der Texas Christian University setzt er dann noch seinen Master drauf und beendet vorerst seine akademische Laufbahn. 2021 schließt er sich dem GC St. Leon-Rot an, wo Coach Marco Schmuck den Golf-Globetrotter ins Team integriert. Schneider: „Ich hatte vorher schon eine gute Zeit im GC Erlangen, habe danach mit Michi Hirmer und Matti Schmid am Reichswald gespielt und später bei Ted Long in Mannheim trainiert.“
Rückkehr nach China
Mit Team SLR wird er 2023 und 2024 Deutscher Mannschaftsmeister wird. Jan Schneider versucht sich zunächst auf der Pro Golf Tour (2023 als Amateur, 2024 als Pro), findet sein Glück dann aber doch wieder in China. „Dort wurden die Preisgelder erhöht, weil es eine Kooperation mit der PGA und der DP World Tour gab und man sich eben nicht LIV angeschlossen hat.“ Also ist er jetzt wieder zurück, wo alles begann, sammelt starke Ergebnisse auf den co-sanctioned Events (Vierter bei der Hainan Open/HotelPlanner Tour) und wird es noch auf der Q-School zur Japan Tour versuchen.
Jan Schneider arbeitet inzwischen mit dem dänischen Trainer Andreas Kali zusammen, mit dem er sich regelmäßig online austauscht. Seine Homebase: der Foison Golf Club in Guangzhou. Nahe der 20-Millionen-Stadt nördlich von Hong Kong hat Jan Schneider ein Appartement. Was er so macht, wenn er gerade nicht Golf spielt? „Ich liebe Sport, vor allem Paddle. Und ich angle sehr gerne.“ 27 Jahre ist er inzwischen alt – und lebt als Tour-Pro eines deutschen Vaters und einer chinesischen Mutter in China. „In Deutschland ist es im Winter grau und kalt. Hier bei uns haben wir heute angenehme 21 Grad. Das genieße ich“, sagt er. Und wie man sein Leben selbstständig bewältigt, das hat er sowieso sehr früh gelernt.








