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Das deutsche Team in Japan | © DGV

Deaflympics: Mit Medaillen-Hoffnungen in Tokio

Tokio/Japan – Zwischen dem Teamhotel und dem Austragungsort des Golfwettbewerbs der Deaflympics liegt nur die Bucht von Tokio, der Platz ist quasi ständig im Blick. Vom 15. bis 26. November werden in der japanischen Hauptstadt die Weltspiele der Gehörlosen ausgetragen, der Golfwettbewerb ist vom Dienstag bis Freitag terminiert. Die deutsche Auswahl ist mit großer Vorfreude, aber auch mit Respekt vor der Konkurrenz angereist und nutzt die letzten Tage vor dem Start für Feinschliff und eine möglichst optimale Vorbereitung auf die Zählspieltage.

Erfolge als Basis

Die deutsche Golf-Nationalmannschaft hatte in den vergangenen Jahren nahezu bei jedem großen Turnier ein Ausrufezeichen gesetzt. Siege bei Deaflympics, Weltmeistertitel im Einzel und mit den Teams sowie Podiumsplätze bei Europameisterschaften ergeben eine Bilanz, auf die das Team in Tokio mit viel Stolz zurückblickt.

Teammanager André Vorndamme machte im Vorfeld deutlich, dass es in Japan keine Selbstverständlichkeiten geben würde. Er betonte, hier träten die stärksten gehörlosen Golfer der Welt gegeneinander an und niemand könne davon ausgehen, aus alten Titeln automatisch wieder Gold zu machen.

Heiko Burkhard, der die Nationalmannschaft der Gehörlosen seit 2020 betreute, unterstrich den Optimismus im Team. Er erklärte, die Mannschaft sei hervorragend vorbereitet und brenne darauf, endlich in den Wettkampfmodus zu wechseln. Seine bisherige Bilanz untermauerte diese Einschätzung: 2021 stand ein Deaflympics-Gold in Brasilien zu Buche, 2022 gab es bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii drei Titel und zwei Bronzemedaillen, 2023 kamen bei der Europameisterschaft in Finnland ein weiterer Sieg und ein zweiter Platz hinzu, 2024 wurde die Serie mit drei Silbermedaillen bei der WM in Australien fortgesetzt.

Trainingsrhythmus und Turnierstruktur

Schon vor den eigentlichen Wettkampftagen nutzte das deutsche Team die Gegebenheiten vor Ort intensiv. Das erste Kennenlernen der Umgebung in Tokio fand auf einer riesigen Driving Range statt, die bei den Spielerinnen und Spielern Eindruck hinterließ. Die Anpassung an Platzbedingungen, Ballflug, Wind und die speziellen optischen Eindrücke rund um die Bucht von Tokio stand im Mittelpunkt dieser Einheiten.

Für den Montag vor Turnierbeginn war eine komplette Proberunde auf Wakasu Golf Links vorgesehen. Am Dienstag beginnen die Zählspielrunden, die bis Donnerstag die Einzelwertungen entscheiden. Der Freitag ist für einen besonderen Höhepunkt reserviert: Erstmals wird es eine Teamwertung geben, in der die Ergebnisse eines Mannes und einer Frau gemeinsam in die Wertung einfließen werden. Im Idealfall hofft das deutsche Team darauf, bereits vor diesem Schlusstag mit Medaillen im Einzel dekoriert zu sein, um dann in der neuen Mixed-Wertung zusätzlich um die „Krönung“ kämpfen zu können.

Starkes Männer-Trio mit großer Historie

Bei den Herren führte mit Allen John ein herausragender Name das Aufgebot an. Der Profi von der Sunshine Tour, der aktuell dem GC Heddesheim angehört, hatte seine ersten Golfschläge 1998 im GC Sinsheim gemacht und ist sehr lange schon eine der prägenden Figuren im internationalen Deaf-Golf. Der Weltmeistertitel von 2016 sowie die Deaflympics-Siege 2017 und 2022 sorgten dafür, dass in Tokio vor dem Start immer wieder vom möglichen Titel-Hattrick gesprochen wird. John reiste dementsprechend mit hohen Ansprüchen an sich selbst nach Japan.

An seiner Seite steht mit Nico Guldan ein weiterer Leistungsträger. Der Spieler des GC Heilbronn-Hohenlohe vertriti den GSV Heidelberg und spielte sich seit seinem Golfstart 2013 in die absolute Spitze vor. Mit einem Handicap von -3,5, dem Weltmeistertitel 2022 und dem Europameistertitel 2023 im Gepäck gehörte er in Tokio zum erweiterten Favoritenkreis.

Komplettiert wird das Männerteam durch Paul Neumann. Der Lausitzer Golfclub ist seine sportliche Heimat. Neumann, der 1998 mit dem Golfsport begonnen hat und mit einem Handicap von 3,1 anreiste, bringt besonders viel Erfahrung in Teamwettbewerben mit: Silber bei der Mannschafts-WM 2016 und Bronze 2022 zeigten, dass er in Drucksituationen zuverlässig performen kann.

Girke und Mayer – eingespieltes Duo bei den Frauen

Im Damenbereich setzt Deutschland auf ein eingespieltes Tandem. Vanessa Girke kot vom GC Lohersand und startet für den GSV Bielefeld in Nordrhein-Westfalen. Seit 2007 ist Girke im Golfsport aktiv und zählt mit einem Handicap von -0,8 zu den besten Spielerinnen im internationalen Vergleich. Ihr Weltmeistertitel im Einzel 2022 und der Vize-Weltmeisterrang 2024 machen sie zu einer Top-Favoritin auch 2025.

An ihrer Seite spielt Stefanie Viktoria Mayer, deren Weg vom Münchener Golf Club als Einstiegsverein zum GC Herzogenaurach geführt hat. Sie spielt seit 2008 Turniergolf. Mit einem Handicap von 4,9 ist Mayer nicht nur eine wichtige Stütze im Einzel, sondern vor allem in der Mannschaftswertung von großer Bedeutung. Gemeinsam hatten Girke und Mayer 2022 den WM-Titel im Team gewonnen, zwei Jahre später holten beide in der Teamwertung die Silbermedaille.

Mayer beschreibt vorab ihre Rolle im Gefüge der Mannschaft sachlich: Sie spiele seit vielen Jahren auf nationaler und internationaler Bühne und empfinde es als großes Privileg, zusammen mit diesem Team starten zu dürfen. In Tokio soll diese gewachsene Erfahrung helfen, auch in engen Situationen die nötige Ruhe zu bewahren.

Ein Trainer mit klarer Linie

Seit 2020 steht Heiko Burkhard als verantwortlicher Trainer an der Seite der deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft. In dieser Zeit zeigt sich ein klarer Trend: Die strukturelle Arbeit trägt Früchte, die Mannschaft etablierte sich in allen großen Wettbewerben an der Spitze. Die Aufzählung der Medaillen seit seinem Amtsantritt liest sich wie eine Erfolgsserie: Gold bei den Deaflympics in Brasilien, ein Medaillenregen bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii mit insgesamt fünf Podestplätzen, weitere Titel und Silberränge bei EM und WM in Finnland und Australien.

Burkhard stellte im Vorfeld der Deaflympics heraus, dass er gerade aus dieser Historie nicht Druck, sondern Zuversicht ableitete. Seit 2020 begleite er diese Gruppe, und in dieser Zeit hätte das Team immer wieder gezeigt, wie leistungsfähig es sei. Tokio bildet für ihn den nächsten logischen Baustein in einer langfristigen Entwicklung.

Deaflympics: Bühne speziell für gehörlose Athleten

Die Deaflympics haben eine beeindruckende Tradition. 1924 waren sie in Paris ins Leben gerufen worden und entwickelten sich zur zweitältesten internationalen Multisportveranstaltung nach den Olympischen Spielen. Im Mittelpunkt standen von Beginn an Sportlerinnen und Sportler mit einem erheblichen Hörverlust.

Die Teilnahmebedingungen sind klar definiert: Nur Athleten mit einem Hörverlust von mindestens 55 Dezibel auf dem besser hörenden Ohr sind startberechtigt. Während der Wettbewerbe durften keine Hörhilfen getragen werden.

Anders als bei den Olympischen Spielen, bei denen hörende Sportlerinnen und Sportler ohne Behinderung im Fokus stehen und den Paralympics, die sich vor allem an Menschen mit körperlichen, geistigen oder anderen sensorischen Einschränkungen richten, bilden die Deaflympics eine eigene Plattform. Gehörlose Athleten stehen hier im Zentrum; Gebärdensprache, visuelle Signale und speziell angepasste Kommunikationsformen prägen das Umfeld der Wettkämpfe. Im Vierjahresrhythmus mit im Wechsel stattfindenden Sommer- und Winterspielen haben sich die Deaflympics zu einem sehr wichtigen Ereignis für Menschen mit Hörverlust entwickelt.

Zwischen Vorfreude und Fokus

Für das deutsche Golf-Team verbinden sich mit Tokio große Emotionen und konkrete sportliche Ziele. Die Aussicht auf ein Turnier in Sichtweite des Hotels, die Atmosphäre einer Weltstadt und die besondere Bedeutung der Deaflympics erzeugen schon vorab ein hohes Maß an Motivation. Die Mannschaft kamen mit dem erklärten Wunsch nach Japan, ihre bemerkenswerte Medaillenserie fortzusetzen. Die Mischung aus Routine, vergangenen Erfolgen und der Vorfreude auf eine Premiere in der neuen Mixed-Teamwertung sorgt dafür, dass im deutschen Lager eine besondere Spannung spürbar ist.
 

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