Chevron Championship: Neustart unter Druck
Wenn an diesem Wochenende die besten Golferinnen der Welt bei der Chevron Championship um den ersten Major-Titel des Jahres spielen, geht es für die LPGA um mehr als nur die Frage, wer am Ende triumphieren wird. Es steht eine Menge auf dem Spiel, vor allem Aufmerksamkeit und Relevanz, um die auch die großen internationalen Frauenturniere kämpfen müssen. Mit Craig Kessler an der Spitze hat die LPGA zuletzt ambitionierte Pläne formuliert: bessere TV-Präsenz, höhere Preisgelder, Anpassungen im Turnierkalender und vor allem der Aufbau globaler Stars. Ziel ist es, das Interesse am Frauen-Golf dauerhaft zu steigern – sowohl bei bestehenden Fans als auch bei einem neuen Publikum.
Fehlende Identität
Darin liegen Chancen und Herausforderungen zugleich. Ausgerechnet die Chevron Championship, eigentlich das Highlight zum Start in die Major-Saison, hat bislang Schwierigkeiten mit der Entwicklung und Etablierung einer klaren Identität. Wechselnde Namen, ein Umzug von Kalifornien nach Texas (2023) und mit Carlton Woods ein Austragungsort, der zuletzt kaum Major-Atmosphäre erzeugte – all das hat dem Turnier in der Vergangenheit nicht geholfen.
Abschlag mitten in Houston
Nun folgt der nächste Versuch: Erstmals findet das Turnier auf dem Memorial Park Golf Course in Houston statt, einer Anlage mitten in der Stadt. Der Platz wurde von Tom Doak und mit der Unterstützung von Brooks Koepka entwickelt. Die Hoffnung: mehr Zuschauer, bessere Atmosphäre, ein größerer Rahmen. Gleichzeitig unterstreicht der Wechsel das grundlegende Problem des Turniers. Was die anderen Majors im Frauen-Golf besonders macht, ist die Rotation der Austragungsorte. Für ein Turnier, das dauerhaft an einem Ort gespielt wird, ist es hingegen entscheidend, dass dieser Platz selbst zu einem zentralen Bestandteil der Geschichte wird. Das ist bei der Chevron Championship bislang nicht der Fall.
Mehr TV-Präsenz, modernere Inszenierung
Ein entscheidender Hebel soll deshalb die Übertragung werden. Mit deutlich mehr Kameras, Mikrofonen und technischen Möglichkeiten will die LPGA ihre Turniere moderner und intensiver inszenieren. Fans in Deutschland können das Turnier von Donnerstag bis Sonntag übrigens wie gewohnt über Sky Sport Golf sowie den Streamingdienst WOW verfolgen.
Korda im Fokus, Henseleit einzige Deutsche
Klar ist allerdings: Vieles liegt in dieser Woche außerhalb des Einflusses der LPGA – und ist doch entscheidend für die Wirkung des Turniers. Vor allem die Form der Stars. Eine, die im Mittelpunkt steht, ist Nelly Korda. Nach sieben Siegen im Jahr 2024 blieb sie 2025 ohne Erfolg, sprach selbst von einer „ungewöhnlichen“ Saison, zeigte zuletzt aber wieder ansteigende Form. Für die globale Aufmerksamkeit rund um das Turnier wäre es wichtig, dass Top-Spielerinnen omnipräsent sind. Neben Korda steht vor allem Jeeno Thitikul im Fokus, die endlich ihren ersten Major-Titel gewinnen möchte. Und aus deutscher Sicht? Da konzentriert sich der Blick einzig auf Esther Henseleit. Die Spielerin des Elite Team Germany befindet sich derzeit zwar nicht in ihrer besten Form (zuletzt zwei verpasste Cuts), hat die Chevron Championship jedoch in den vergangenen beiden Jahren unter den besten 20 Spielerinnen abgeschlossen. Ein ähnliches Resultat in diesem Jahr würde zwar keine Welle der Euphorie auslösen wie der Gewinn der Silbermedaille bei Olympia 2024 in Paris, Henseleit dürfte aber trotzdem zufrieden sein.











