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Nach einem famosen Turnier bekommt der Hubbelrather Emil Riegger in Hoylake die Bronzemedaille | © DGV

Bronze für Riegger

Hoylake/England – Der fünfte Turniertag der 131. Amateur Championship begann für Emil Riegger mit einer großen Chance und endete mit einem dieser Momente, in denen Stolz und Schmerz sehr eng beieinander liegen. Der Athlet des GC Hubbelrath war nach zwei beeindruckenden Matchplay-Siegen am Vortag in das Viertelfinale eingezogen und hatte sich damit schon einen Platz in der Top Ten gesichert. Viel wichtiger aber war: Riegger hatte auf dem legendären Links Course des Royal Liverpool GC gezeigt, dass er die Komplexität des Platzes verstanden hat und mit den Eigenheiten umgehen kann.
 

Am Morgen des fünften Wettkampftages wartete mit Sam Easterbrook ein Engländer, der auf heimischem Boden die Unterstützung vieler Zuschauer hatte. Riegger ließ sich davon nicht beeindrucken. Schon an den Tagen zuvor war deutlich geworden, dass der 21-Jährige nicht einfach nur solides Golf spielt, sondern eine ganz besondere Art entwickelte, seine Gegner auf diesem Platz nach und nach zu zermürben. Er traf viele gute Entscheidungen und setzte immer wieder im richtigen Moment mit aggressivem Spiel Akzente, die für die Gegner schwer zu kontern waren.

Qualität bestätigt

Auch gegen Easterbrook zeigte der Bundesadler genau diese Qualität. Riegger spielte erneut kontrolliert, in den wichtigen Momenten sehr klar und auf den Grüns wieder mit der Selbstverständlichkeit, die ihn durch dieses Turnier getragen hatte. Bundestrainer Ulrich Eckhardt war nach diesem Match voll des Lobes: „Im Viertelfinale hat Emil Riegger wieder brillant gespielt, das kann man nicht anders sagen. Er hat die wichtigen Putts gelocht und taktisch sehr, sehr gut gespielt. Völlig verdient hat er seinen Gegner mit 2auf geschlagen. Ich hatte den ganzen Vormittag das Gefühl, dass er gewinnt.“
 

Dieses Gefühl trog nicht. Riegger sah über weite Strecken so aus, als habe er das Match in der Hand. Er ließ sich nicht treiben, sondern blieb bei seinem Plan. Eckhardt brachte diese Beobachtung präzise auf den Punkt: „Er sah immer besser aus als sein Gegner und hat es am Ende auch geschafft.“

Halbfinale erreicht

Mit dem 2auf-Sieg gegen Easterbrook stand Emil Riegger im Halbfinale einer der traditionsreichsten Meisterschaften des Golfsports. Damit war klar: Der Traum vom Finale lebte. Und dieser Traum hatte auch eine historische Dimension. Seit Christian Reimbold im Jahr 2000, ebenfalls im Royal Liverpool GC, hatte kein Deutscher mehr das Finale dieser Meisterschaft erreicht. Riegger war nun nur noch einen Sieg davon entfernt, sein eigenes Kapitel der deutschen Golfgeschichte zu schreiben.

Moloney gnadenlos

Der Gegner am Nachmittag hieß Matt Moloney. Der US-Amerikaner, Student an der University of Georgia, war im World Amateur Golf Ranking deutlich tiefer gelistet als manche andere Spieler im Feld, hatte sich seinen Platz unter den letzten Vier aber mit großen Siegen verdient. Sein Weg durch die Matchplays war geprägt von engen Entscheidungen, die eines klar machten: Seine Nerven hat Moloney voll im Griff. Mehrfach hatte Moloney seine Matches erst auf dem 18. Grün gewonnen, einmal sogar erst auf dem fünften Extraloch. Wer so durch eine Amateur Championship marschiert, hat spielerische Qualität und ist auf keinen Fall ein Underdog.

Wind kam auf

Im Halbfinale gegen Riegger zeigte Moloney vor allem auf den Grüns eine geradezu gnadenlose Effizienz. Der Nachmittag brachte zudem veränderte Bedingungen. Der Wind frischte auf, Royal Liverpool wurde noch einmal anspruchsvoller, und Riegger fand zunächst nicht ganz in den Rhythmus, der ihn am Vormittag und an den Tagen zuvor so stark gemacht hatte. Vor allem vom Tee war der Start nicht so stabil, wie er es sich gewünscht hatte.
 

„Ich habe heute am Nachmittag nicht so gut gespielt. Am Anfang waren meine Drives nicht so gut. Aber letztlich den Ausschlag gegeben haben die Putts. Matt hat mehr Putts als ich rein gemacht. Sonst hätte ich eine richtig gute Chance gehabt“, ordnete Riegger später selbst ein, was den Unterschied in diesem engen Halbfinale ausgemacht hatte.

Rückstand

Nach elf Löchern lag der Deutsche mit 3down zurück. In einem Matchplay kann das auf einem Platz wie Royal Liverpool schon wie eine Vorentscheidung wirken. Drei Löcher Rückstand bedeuten nicht nur, dass man selbst liefern, sondern auch auf Fehler des Gegner hoffen muss. Moloney tat Riegger diesen Gefallen lange aber nicht. Der Amerikaner puttete einfach unglaublich gut. Riegger kreierte für sich zwar Möglichkeiten, aber an diesem Nachmittag fielen die Putts nicht so souverän. Auf Loch 13 hatte der Hubbelrather aus rund zweieinhalb Metern die Chance, den Rückstand zu verkürzen, vergab diese Möglichkeit aber. Auch auf Loch 15 blieb ein Putt aus etwa knapp zwei Metern ungenutzt.
 

Gerade diese Momente machten deutlich, wie eng die Entscheidung auf diesem Niveau ist. Riegger war nicht weit weg. Er war im Match, er kämpfte, er war dicht dran. Aber Moloney beantwortete die Drucksituationen mit extrem coolen Momenten auf den Grüns. Riegger erkannte das nach der Runde ohne jede Ausrede an: „Matt hat halt richtig gut geputtet. Er hat nur einen Putt innerhalb von drei Metern verpasst. Das war richtig gut!“

Kämpferherz

Trotzdem war dieses Halbfinale noch nicht entschieden. Auf Loch 16 setzte Riegger noch einmal ein Zeichen. Mit einem Birdie gewann er das Loch, verkürzte den Rückstand und lag nur noch 1down. Nach den Erfahrungen des Vortages, als er gegen Lewy Hayward ebenfalls spät dem höchstem Druck standgehalten hatte, schien plötzlich wieder alles möglich.
 

„Das Match war ziemlich gut und ich habe es auch fast wieder geschafft“, sagte Riegger später. Es war nicht das perfekte Spiel des Deutschen. Nicht die makellose Version, die man für ein Halbfinale dieser Größe vielleicht gebraucht hätte. Aber der Hubbelrather gab nie auf.

Chance auf der 18

Auf der 18 wurde es dann noch einmal eng, aber Matt Moloney hielt dem druckvollen Spiel des Deutschen stand. Auf dem 18. Grün stand der 1auf-Sieg für den Amerikaner fest.
 

Damit verpasste Riegger den Einzug in das 36-Loch-Finale denkbar knapp. Moloney trifft dort auf Stuart Grehan aus Irland, der sich im zweiten Halbfinale mit 2&1 gegen den Esten Richard Teder durchsetzte. Es ist das zweite irisch-amerikanische Finale in Folge bei dieser Meisterschaft. Für Moloney und Grehan geht es dabei nicht nur um den Titel, sondern auch um Startplätze für einige der größten Turniere der Welt. Der Sieger der Amateur Championship erhält unter anderem einen Startplatz für The Open, die US Open und traditionell eine Einladung zum Masters. Genau diese Dimension macht deutlich, wie nah Riegger an etwas ganz Großem war.

Hängende Köpfe

Entsprechend war die Stimmung im deutschen Lager nach dem Halbfinale zunächst gedrückt. Ulrich Eckhardt stellte die Leistung seines Schützlings aber sofort in den richtigen Zusammenhang: „Natürlich hängen jetzt heute Abend nach der knappen Niederlage im Halbfinale ein bisschen die Köpfe.“ Diese Enttäuschung war verständlich. Wer im Halbfinale einer solchen Meisterschaft steht, will auch ins Finale.
 

Eckhardt sah den entscheidenden Unterschied ebenfalls auf den Grüns: „Am Nachmittag kam relativ viel Wind auf und am Anfang hat Emil ein bisschen gestruggelt. Leider hat er über den ganzen Nachmittag nicht so gut geputtert wie er es in den anderen Matches gemacht hat. Sein Gegner war dagegen auf den Grüns eiskalt. Der hat alles gelocht, was man lochen konnte, und dementsprechend ist es dann leider 1auf für den Amerikaner ausgegangen.“

Mehr gesehen

Das war die sportliche Analyse eines Matches, das aus deutscher Sicht zunächst weh tat. Aber es war auch die Analyse eines Bundestrainers, der in dieser Woche sehr viel mehr gesehen hatte als nur ein verlorenes Halbfinale. Riegger hatte sich in Hoylake nicht in ein Ergebnis gerettet. Er hatte sich mit seinem Spiel in dieses Ergebnis hineingearbeitet. Er hatte auf einem Platz überzeugt, der kein oberflächliches Golf zulässt. Royal Liverpool verlangt Kreativität, Kontrolle, Geduld und Mut. Genau das hatte Riegger über viele Runden eindrucksvoll gezeigt.

Große Bühne

Auch für den Spieler selbst blieb trotz der Enttäuschung viel Positives. Die Bühne war groß, die Atmosphäre besonders. Es waren viele Zuschauer unterwegs, Kameras begleiteten die Matches, und es war jederzeit spürbar, dass diese Meisterschaft mehr ist als ein „normales“ Amateurturnier. „Das war ein richtig cooles Event und hat sehr viel Spaß gemacht“, beschrieb Riegger diese besondere Mischung aus Freude, Stolz und Enttäuschung.
 

Ulrich Eckhardt formulierte sein Fazit deutlich: „Das war für Emil natürlich sehr schade, aber trotz allem hat er ein richtig tolles Turnier gespielt. Ich habe mich sehr gefreut, ihn jetzt auch als Spieler noch besser kennenzulernen und zu sehen, wie toll er Linksgolf spielen kann. Emil hat sich hier gezeigt. Er hat das Potenzial, auch auf ganz großer Bühne Linksgolf gewinnen zu können. Es ist wirklich brillant, was er da macht.“

Scottie Scheffler

Eckhardt blickte deshalb trotz der bitteren letzten Löcher weit nach vorne: „Wir haben mit Emil einen tollen Spieler, der heranwächst. Er ist mit 21 Jahren ja auch noch sehr jung. Ich habe schon die ganze Woche über gesagt, da wächst der neue deutsche Scottie Scheffler heran. So wie Emil spielt, mit diesen Anlagen, freue ich mich natürlich sehr auf die Zukunft mit ihm.“
 

Das Halbfinale ging zwar verloren. Der Eindruck, den Emil Riegger bei dieser Amateur Championship hinterließ, wird bleiben.

 

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