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Laubarbeit im GC Ulm und Feldafing | © P.Himmel/F.Eska/T.Ströbele

Die Laubschlacht tobt

„Es ist eine Mordsschlacht.“ Florian Eska, Head-Greenkeeper im GC Feldafing, hat gerade seinen Arbeitstag beendet. Es war, wie immer im Oktober, ein Tag geprägt von Laub. Auf der 18-Löcher-Golfanlage am Starnberger See, die in Teilen zum historischen Lenné-Park gehört und geprägt ist von einer beeindruckenden Anzahl an Großbäumen, ist Laubarbeit im Herbst eine Herausforderung für das gesamte Team. „Vier Leute mit Rückengebläse auf den Grüns“, rechnet Eska hoch, dazu noch vier bis fünf Stunden Arbeitszeit pro Tag auf den Abschlägen. Und dann sind da natürlich noch die Fairways. 

 

Das Laub nämlich muss weg. Nicht nur im GC Feldafing, nein deutschlandweit sind die hübschen, bunten Blätter von Laubbäumen jeder Art derzeit ein echtes Thema auf den Golfplätzen. Für den Golfer selbst, weil man unter den Blattansammlungen sehr schnell den Ball verliert und weil es außerdem nur begrenzt Spaß macht, auf den Grüns über unzählige kleine Ästchen oder eben Blätter zu putten. Einmal ganz abgesehen davon, dass Laub auch noch glitschig wird, wenn es nass wird. Ein Ausrutscher also ist schnell passiert. Dass ein Gros der Golfspieler deshalb das Laub gerne kontinuierlich beseitigt sieht, ist klar. 

 

Die Greenkeeper verfolgen exakt das gleiche Ziel. „Also eigentlich machen wir das jeden Tag“, stellt Thomas Ströbele, Head-Greenkeeper im GC Ulm fest. „Wir haben da zwar keine Vorgaben, aber es macht einfach Sinn.“ Tatsächlich nämlich hat Laub, das zu lange auf Rasen liegenbleibt, unerwünschte Effekte: „Unter den Blättern entsteht schnell ein Mikroklima, das die Ausbreitung von Krankheiten fördert, Schneeschimmel ist nur eine davon“, erklärt Dr. Gunther Hardt, Rasenexperte und Leiter des Arbeitskreises Biodiversität beim Deutschen Golf Verband. „Wenn dann noch die Sonne auf nasses Laub scheint, wird es in der Schicht darunter richtig feuchtwarm.“

 

Nichts wie weg mit dem Laub also, „natürlich auch deshalb, weil der Golfer ja seinen Ball finden will“, so Hardt entschlossen. Dabei ist vielen Golfern aber oftmals auch ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern in Golfanlagen nicht bewusst, wie groß die Mengen sind, die Großbäume abwerfen. Eine über 30 Meter hohe Buche oder Eiche kann durchaus bis zu 400 Kilogramm Laub produzieren. In dem Fall, wenn die Blätter noch nicht vertrocknet sind, sprechen Experten übrigens von Frischlaub. Bei zehn Metern weniger und einer Kronenfläche von etwa 120 Kubikmeter können es immer noch 150 Kilogramm sein. 

Zeit für die ganz großen Gebläse im Maschinenpark: Im GC Feldafing hat man Gebläse in allen Varianten. „Zum Teil stehen wir kniehoch im Wald, wenn wir es dann von den Seiten in den Wald blasen“, stellt Eska fest. Auf den Grüns sind es meist leistungsstarke Akkugebläse, „weil man vor allem die kleinen Ahornblüten und Eschentriebe akribisch wegmachen muss, die pappen sonst fest“, erklärt Eska. 

 

Womit wir auch bei der Frage der eigentlich umweltfreundlicheren Elektrolaubbläser wären. Auch davon haben viele Golfanlagen inzwischen Modelle angeschafft. Allerdings halten derzeit in der Regel die Akkus oft kaum länger als maximal eine Stunde, und Reserveakkus sind aufgrund ihres hohen Anschaffungspreises für viele Golfanlagen zu teuer. Eigentlich ein unbefriedigender Zustand, findet auch der Feldafinger Head-Greenkeeper. Mit all seinen Gebläsen verbraucht er durchaus 60 bis 70 Liter Treibstoff am Tag nur beim Laubblasen. Mit Hinblick auf die Reduktion der CO2-Emissionen von Golfanlagen geht also an einem allmählichen Austausch der Geräte kein Weg vorbei. 

 

Ein Großteil des Laubs wird auf Golfanlagen in den angrenzenden Wäldern oder auch auf Laubhaufen gelagert. Frank Hansen, Head-Greenkeeper im Foerde-Golf-Klub, verarbeitet die rund 200 Kilogramm, die bei ihm anfallen, auf dem eigenen Kompostierplatz der Anlage. Dazu wird es mit dem Saugwagen aufgesammelt, abgeladen und dann von Zeit mit dem Frontlader umgesetzt und untergemischt. Besteht diese Möglichkeit nicht und sind die Mengen zu groß, werden die Laubmengen auf manchen Golfanlagen auch zu externen Kompostieranlagen gebracht. 

 

Fest steht: Rund um das Thema Laub ergibt sich eine Menge Detailarbeit. Head-Greenkeeper Ströbele aus Ulm hat nach einem Blick auf sein Zeiterfassungsprogramm auch die genauen Arbeitszeiten für Laub parat: „Von Anfang Oktober bis zum 7. November waren es insgesamt 140 Stunden.“ 

 

Dabei hängt der tägliche Aufwand immer davon ab, ob der Wind geweht hat, ob es gefroren hat, ob es trocken war. „Es ist ein Riesenkampf“, fasst Florian Eska die Sachlage noch einmal zusammen. Längst ist er absoluter Experte, was das Thema Laub anbelangt, und wir begreifen: Der Golfsport mag digitaler werden, es mag technische Innovationen geben und allerlei Optimierungsmaßnahmen bei den Gerätschaften – am Ende aber wird der Sport in vielerlei Hinsicht von Natur bestimmt. Die ist einfach unberechenbar – ein Blatt lässt sich eben nicht sagen, wann es seinen angestammten Platz am Ast verlässt. 

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