Hintergrund

Eiserne Vielfalt


13. Januar 2022 , Marcel Czack



Eisen ist nicht gleich Eisen. Wir stellen die unterschiedlichen Kategorien vor, erklären Vorzüge und Nachteile und welche Eisen-Kategorie zu welchem Spieler-Typ passt.

Der Equipment-Markt erscheint zuweilen wie ein undurchdringbarer Dschungel. Das Angebot so groß, die Varianten so mannigfaltig, die zu bedienenden Leistungsklassen so verschieden. Auch die Bezeichnungen der verschiedenen Schlägerkategorien sowie deren Eigenschaften sind nicht selbsterklärend. Bei den Eisen haben sich im Laufe der Jahre ein paar Kategorien herausgebildet, denen sich die aktuellen Modelle am Markt zurechnen lassen. In einigen Fällen ist die Trennung unscharf bzw. die Übergänge von der einen in die andere Kategorie fließend.

Players-Eisen

Alle Golfer sind natürlich auch Player, also Spieler. Geht es jedoch um Players-Irons sind damit im internationalen Sprachgebrauch in der Golfwelt vor allem sehr gute Spieler und Spielerinnen gemeint. Als Faustregel gilt: Besser als Handicap 5 sollte man schon sein, um in dieser Kategorie das für das eigene Spiel optimal passende Modell zu finden.

Players-Eisen eignen sich für technisch versierte Golfer, die sich von ihren Schlägern vor allem Verlässlichkeit und Kontrollierbarkeit wünschen. Bei diesen steht nicht ein technologisch herbeigeführter Längengewinn und die Steigerung der Fehlerverzeihung im Vordergrund. Sie treffen den Ball im Normal fall mittig auf der Schlagfläche und schwingen so schnell, dass sie mit ihrer Schlaglänge zufrieden sind. Wichtig ist dem „Player“ die vielseitige Einsetzbarkeit seiner Eisen. Er möchte den hohen Draw, den kleinen Fade und den flach fliegenden Punch abrufen können.

Zur Players-Kategorie werden gemeinhin Blades sowie kompakte, schmale Cavity-Back-Eisen gezählt. Sie zeichnen sich aus durch relativ kurze Schlägerblätter, dünne Toplines, schmale Sohlen und nur wenig Offset (Versatz vom Schlägerkopf zur Schaft-Achse).
 
Klassische Blades – oder Muscle-Backs, wie sie heute oft genannt werden – sind quasi die Ur-Form der Eisen; sie kommen der Bauart von damals (bis in die 1970er Jahre) gebräuchlichen Eisen am nächsten. Die einteiligen, meist aus Karbonstahl geschmiedeten Köpfe weisen im Kategorien-Vergleich die schwächsten (also höchsten) Lofts auf und bieten nahezu keine spielunterstützenden Technologien. Einzige Ausnahme: Mehr Masse im unteren Teil der Schlägerköpfe. Dadurch entsteht auf der Rückseite des Schlägerkopfs (oft) eine Stufe, den namensgebenden „Muscle“.

Viele sehr gute Golfer schwören auf Blades wegen des herausragenden Schlaggefühls, das man mit ihnen erzielen kann, der vielseitigen Einsetzbarkeit und hohen Schlagkontrolle.
Da schlechte Schläge bzw. Treffer außerhalb des Sweetspots aber gnadenlos mit starkem Längenverlust bestraft werden, spielen heutzutage sogar Tourpros immer seltener mit Blades; vor allem lange Eisen dieser Kategorie haben sich zur Rarität in den Bags entwickelt. Viele sehr gute Golfer kombinieren zwei oder drei Eisen-Typen innerhalb ihres Schlägersatzes und wählen dabei für die langen (und manchmal auch mittleren Eisen) Optionen, die fehlertoleranter sind.

Cavity-Backs zeichnen sich durch ihre Perimeter-Gewichtung aus. Dadurch, dass sich bei ihnen mehr Masse an den Rändern des Kopfs befindet, ist ihr Trägheitsmoment (MOI) höher, der Sweetspot größer und so werden Fehler weniger hart bestraft.
Cavity-Backs finden sich kategorieübergreifend wieder. Solche, die in die Players-Kategorie fallen, sind für Hobby-Golfer kaum einfacher zu spielen als Muscle-Backs, zeichnen sich diese doch ebenfalls durch die Kompaktheit ihrer Köpfe und nur wenige spielunterstützende Technologien oder Merkmale aus. In den vergangenen Jahren hat sich in der Konstruktion vor allem die Nutzung von – zumeist nicht sichtbaren – Gewichtseinsätzen aus dem sehr dichten, schweren Metall Wolfram durchgesetzt, das zur Optimierung von Schwerpunktzentren und Trägheitsmomenten beiträgt.

Players-Distance-Eisen

Das Wort „Players“ zeigt die Richtung an, in die mit diesem Angebot von den Herstellern gestoßen wird: Es geht erneut um bessere Golfer.

Players-Distance-Eisen sollen gute, versierte Golfer ansprechen, die sich mehr Schlaglänge wünschen als sie mit schmalen Tour-Köpfen im Muscle-Back- oder Cavity-Back-Design erzielen. Zur Zielgruppe gehören zum Beispiel einstellige Golfer, die nicht mehr so weit schlagen können, wie früher einmal und die verlorengegangene Länge zurückgewinnen wollen. Lange Eisen solcher Serien findet man nicht selten auch in den Bags von Tourpros.
Die Herausforderung für die Schlägerproduzenten besteht darin, Eisen mit längensteigernden Technologien zu kreieren, die dennoch dem kritischen Auge der Zielgruppe standhalten und vielseitig einsetzbar sind und damit die gewollte Beeinflussung der Flugkurve und -höhe (Shot-Shaping) ermöglichen. Schaufelartige Dimensionen, zu viel Offset, klobige Toplines und zu breite Sohlen gilt es in dieser Kategorie zu vermeiden.

Players-Distance-Eisen stellen die jüngste aller Eisen-Kategorien dar. Ihre Existenz ist dem Fortschritt in der Verwendung verschiedener Materialien und besserer Produktionstechniken zu verdanken. Um Längensteigerungen zu erreichen, nutzen die Hersteller oft mehrteilige Konstruktionen aus verschiedenen Materialien sowie etwas stärkere Lofts. Besonders geeignet zur Zielerreichung sind Hohlkörperkonstruktionen, da diese den dünnen Schlagflächeneinsätzen Raum für die Biegung lassen und dadurch höhere Ballgeschwindigkeiten erreicht werden können. Verbreitet sind auch Wolframgewichte zur Schwerpunktsenkung (MOI-Steigerung, Loft-Ausgleich) und dämpfende Füllmaterialien für die Verbesserung von Gefühl und Klang.

Game-Improvement-Eisen

Game-Improvement-Eisen sollen durch die verwendeten Technologien in den Schlägerköpfen sowie deren Größe und Form das Spiel verbessern. Die Zielgruppe ist die größte im Kategorienvergleich: Golfer, die den Ball nicht so verlässlich treffen und weit schlagen können wie gute und sehr gute Golfer; mögen die Gründe dafür in Schwächen bei der Schwungtechnik, mangelnder Kraft oder in fortgeschrittenem Alter liegen.

Zwei Ziele stehen in der Entwicklung im Vordergrund: Maximale Schlaglängen und höchstmögliche Fehlertoleranz. Die Schlägerköpfe sind größer und breiter als bei Players-Eisen.

Die Eigenschaften, die ein gutes Game Improvement-Eisen aufweisen muss, sind mehr oder weniger immer gleich: Für mehr Schlaglänge braucht es vor allem mehr Ballgeschwindigkeit. Dafür eignen sich stärkere (also niedrigere) Lofts und eine hohe Schlagflächen-Biegsamkeit. Da die Golfer der Zielgruppe den Ball über einen großen Bereich der Schlagfläche verteilt treffen, muss die gesteigerte Biegsamkeit ebenfalls über einen möglichst großen Teil der Schlagfläche gewährleistet sein. Ziel ist Schadensbegrenzung; den Verlust der Ballgeschwindigkeit bei nicht mittig getroffenen Bällen so gering wie möglich zu halten.

Schnelle, biegsame Schlagflächen sind dünne Schlagflächen. Die Biegung führt zu einer höheren Ballgeschwindigkeit und diese lässt sich in Schlaglänge übersetzen. Solange jedenfalls, wie ein niedriger Gewichtsschwerpunkt dafür sorgt, dass der Ball hoch genug abfliegt. Denn was nützen schneller fliegende Bälle, wenn sie keine ausreichende Höhe erreichen.

Super-Game-Improvement-Eisen

Bei Super-Game-Improvement-Eisen handelt es sich um die größten, fehlerverzeihendsten Eisen. Sie sind für Anfänger und Golfer mit hohen Handicaps, die jede mögliche Hilfe benötigen, um den Ball verlässlicher in die Höhe zu bekommen und dadurch mehr Spaß auf der Runde zu haben. Oft sind es Oversize-Versionen des Game-Improvent-Modells eines Herstellers, mit noch längerem Schlägerblatt, breiterer Sohle und dickerer Topline. Auch das Offset ist hier üblicherweise sehr stark ausgeprägt, um den bei Hobby-Golfern verbreiteten Slice abzuschwächen. Einige Hersteller führen Modelle in diesem Segment, die schon eher an Hybrids als an Eisen erinnern, um die größtmögliche Spielunterstützung zu bieten.