Porträt

Luke Donald macht's: So tickt Europas neuer Ryder-Cup-Captain


1. August 2022 , Thomas Kirmaier


Jetzt soll er's richten: Luke Donald ist Europas neuer Kapitän für den Ryder Cup 2023 in Rom.
Jetzt soll er's richten: Luke Donald ist Europas neuer Kapitän für den Ryder Cup 2023 in Rom. | © Mike Ehrmann/Getty Images

Jetzt ist es offiziell: Nach der Demission von Henrik Stenson wegen dessen Wechsels zu LIV Golf ist Europa auf der Suche nach einem neuen Ryder-Cup-Kapitän schnell fündig geworden: Luke Donald wird das Team 2023 in Rom anführen. Viermal hat der 44-jährige Engländer als Spieler am Kontinentalvergleich teilgenommen, jedes Mal ging Europa als Sieger vom Platz. Ein Porträt.

Geboren wird Luke Donald am 7. Dezember 1977 in Hemel Hempstead. In der 100.000-Einwohner-Stadt nordwestlich von London wächst er auf, geht zur Schule und kommt früh mit Golf in Berührung. Sein Vater ist Schotte. Mit 15 wird er erstmals Clubchampion des GC Beaconsfield; die englischen Scouts werfen ein Auge auf den talentierten jungen Mann.

1997 erhält Luke Donald ein Golfstipendium an der Northwestern University in Chicago, wo er Kunst studiert und seine spätere Frau Diane kennenlernt, eine gebürtige Griechin, die er heiratet und heute drei Töchter mit ihr hat. Ohnehin ist Donald ein Mann, der das Schöne zu schätzen weiß. Ein Feingeist, der gerne malt, feine Weine genießt und eher zu den ruhigeren Zeitgenossen gehört. Im bunten und schrillen Amerika sagt man ihm nach, er sei langweilig und unspektakulär. Der Englishman bleibt cool, beißt sich durch, zeigt in den Folgejahren seinen Kritikern, was er so draufhat.

2001 wechselt Luke Donald ins Profilager, 2004 gewinnt er die Omega European und die Scandinavian Masters auf der European Tour. Im selben Jahr ist er Mitglied des siegreichen europäischen Tyder-Cup-Teams und gewinnt den WGC-World Cup an der Seite seines Partners und Landsmannes Paul Casey.  Apropos Ryder Cup: Zwischen 2002 und 2012 ist Luke Donald insgesamt bei vier Kontinentalvergleichen für Europa dabei – jedes Mal setzt sich seine Mannschaft gegen die Konkurrenz aus den USA durch. Ein gutes Omen?

Nicht zuletzt deshalb dürften sich einige namhafte Golfer für Luke Donald stark gemacht haben, als Anfang des Jahres 2022 die Entscheidung ansteht. Es macht aber bekanntlich zunächst Henrik Stenson das Rennen, der wegen seines Wechsels zu LIV Golf nachträglich von seinem Amt als Kapitän enthoben wird (wir berichteten). Donalds Spitzname ist „The ultimate driving machine“, was weniger an seiner Länge liegt, als viel mehr an seiner Konstanz, mit der er zum besten Golfer der Welt wird und sich zum Matchplay-Monster aufschwingt. Das Duell Mann-gegen-Mann liegt ihm.


Der große Durchbruch 2011: Zunächst gewinnt Donald die WGC-Accenture Match Play Championship im Finale gegen Martin Kaymer, nach seinem Sieg bei der BMW PGA Championship Ende Mai erklimmt er Platz eins der Weltrangliste, den er ein Jahr lang behält und 2012 von Rory McIlroy abgelöst wird. Als erster Golfer in der Geschichte entscheidet Luke Donald sowohl die Geldrangliste der European Tour (Race to Dubai) als auch die der PGA Tour für sich und wird in beiden Serien zum Player of the Year gewählt.

In den Folgejahren ist der 1,75 Meter große Eisenspezialist zwar immer noch auf der Tour unterwegs, widmet sich aber auch der Familie und den schönen Künsten, malt Bilder und entwickelt sein eigenes Weinlabel in Kalifornien, die Luke Donald Collection. Eine Leidenschaft, die er von seinem Vater geerbt hat. Bei der Herstellung von Chardonnay und Bordeaux hilft er sogar bei der Traubenernte und Saftmischung mit, weil er seinen eigenen Stil einbringen will: „zeitgemäß europäisch“, wie er einem amerikanischen Journalisten verrät. Jüngster Neuzugang der Familie ist übrigens Archie, ein Australian-Labradoodle-Welpe, der das Herz der Kids sofort erobert.

Zuletzt postete der Engländer hübsche Fotos aus Italien. Nein, nicht vom Ryder-Cup-Spot, sondern von einer Hochzeit eines befreundeten Paares am Comer See. Die Donalds genossen die Zeit im Norden des "Stiefels", lachten, feierten, lernten Land und Leute kennen. Schluss mit Party, jetzt geht es an die Arbeit. Er freue sich auf die kommenden 14 Monate und darauf, sein Team bereit zu machen für das große Event.

Luke Donald gilt als enorm nervenstark und strukturiert. Sicher Vorteile für das Duell mit dem Team USA, das nach dem Kantersieg 2021 sicher mit breiter Brust in den Marco Simone Golf & Country Club nahe Rom reisen wird. Die Europäer haben einiges gutzumachen nach der Schmach von Whistling Straits. Luke Donald soll es richten. Seine Ryder-Cup-Bilanz ist beeindruckend: 10,5:4,5. Sein einziges Manko: Ihm fehlt ein Major-Titel. Wenn Donald Team Europa in der ewigen Stadt zum Sieg führt, wird keiner daran auch nur denken. Dann werden sie ihrem Lucky Luke ewig dafür danken.

Europas Ryder-Cup-Kapitäne der vergangenen 20 Jahre:

  • 2002: Sam Torrance (SCO)
  • 2004: Bernhard Langer (GER)
  • 2006: Ian Woosnam (WAL)
  • 2008: Nick Faldo (ENG)
  • 2010: Colin Montgomerie (SCO)
  • 2012: José Maria Olazábal (ESP)
  • 2014: Paul McGinley (IRL)
  • 2016: Darren Clarke (NIR)
  • 2018: Thomas Bjørn (DK)
  • 2021: Padraig Harrington (IRL)
  • 2023: Luke Donald (ENG)