Nicht nur für die Dollars
Martin Kaymer spricht bei der Pressekonferenz im Vorfeld der WGC-Accenture Match Play Championship über seine Chancen im Lochwettspiel, den ersten Gegner und die schönsten Momente dieses Sports.
Paul Symes von der European Tour sprach mit Martin Kaymer über die anstehende Match Play Championship, die zur hochdotierten Serie der WGC-Events zählt. Ein Auszug aus der Pressekonferenz, bei der die anwesenden Journalisten auch Fragen stellen konnten.
Paul Symes: In Ihren vergangenen Auftritten sind Sie bei diesem Turnier unter dem Radar geblieben. Diesmal ist das anders.
Martin Kaymer: Ich freue mich auf diese Woche. Meine Bilanz ist hier zwar nicht besonders gut, aber das Selbstvertrauen ist nach dem letzten Jahr da. Dank den Turnieren, die ich gespielt habe und den Erfolgen im und nach dem Ryder Cup, sowie dem Titel von Abu Dhabi vor einigen Wochen ist meine Motivation noch etwas höher. Ich glaube, dass ich hier gut spielen und sogar gewinnen kann.
Symes: Ihr erster Gegner ist ein junger Koreaner. Das wird dennoch nicht einfach werden.
Kaymer: Ja, das stimmt. Aber um ehrlich zu sein: In diesen Zeiten macht es keinen Unterschied mehr, ob man die Nummer eins oder 64 der Welt ist. Das war vor zehn oder 15 Jahren vielleicht noch etwas anderes. Und es macht auch keinen Unterschied, ob der Gegner aus Korea, Schweden, England oder Amerika kommt.
Symes: Ändern Sie ihre Taktik in dieser Woche, da es ins Lochspiel geht? Spielen Sie eher gegen den Gegner anstatt gegen den Platz?
Kaymer: Ich denke, es ist jedes Jahr das gleiche. Jedes Jahr sagt man, dass man etwas aggressiver sein kann, aber auch sein eigenes Spiel spielen muss. Man darf sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. Aber letztlich spielt man 18 Löcher. Besser wären 15, 16 oder 17. Ich ändere meine Strategie nicht wirklich. Stattdessen versuche ich, so normal wie möglich zu agieren. Etwas anderes ist es natürlich, wenn der Gegner zweimal ins Wasser schlägt. Dann versuche ich nicht, das Grün anzugreifen. Aber solche Sachen sind doch klar. Ich werde jedoch keinen anderen Schläger vom Tee nehmen, bloß weil es Matchplay ist. Die 18 ist ein gutes Beispiel: Man kann den Driver rechts über den Bunker schlagen und hat dann nur noch ein Wedge ins Grün. Aber dafür ist der Schlag auch risikoreich. Etwas zu weit rechts und der Ball ist weg. Und damit auch das Loch. Je nach Situationen kann man also etwas aggressiver auftreten. Aber das werde ich nicht machen. Ich versuche es lieber mit meinem normalen Spiel. Ich weiß, dass ich ein Birdie mit einem Eisen 7 machen kann. Genau wie mit einem PW. Daher brauche ich nicht viel ändern. Klar, wenn etwas Besonderes auf dem Platz passiert, dann sollte man reagieren. Aber mit Ausnahme von solchen Situationen spiele ich so, wie ich es auch im Zählwettspiel mache.
WGC - Accenture Match Play Championship - Runde eins
Symes: Haben Sie in Ihrer Amateurkarriere oft Matchplay gespielt? Mögen Sie das Format?
Kaymer: Nicht so oft. Das waren eher kleinere Turniere in Deutschland, ein paar Clubmeisterschaften, nichts wirklich Ernsthaftes. Aber abgesehen davon war meine Bilanz im Lochspiel sehr gut. Ich habe viele Matches gewonnen. Und meistens sehr hoch, immer 7, 6 oder 5 auf. Ich wusste, dass ich etwas besser als meine Gegner war.
Symes: Was würde sich verändern, wenn Sie die Nummer eins werden würden? Wäre der Druck dann größer?
Kaymer: Mein Manager hätte noch mehr zu tun. Aber, um ehrlich zu sein: Für mich würde sich nichts ändern. Es ist nicht mein Hauptanliegen, es ist nur ein Nebenziel. Das klingt vielleicht etwas verrückt, dass die Nummer-eins-Position nicht mein großes Ziel ist. Andererseits: Warum soll ich mir diesen Druck auferlegen? Ich sehe darin keinen Sinn. Wenn es diese Woche passieren sollte, würde ich mich natürlich freuen und weitermachen. Aber aus spielerischer Sicht und im Hinblick auf mein Training würde sich jedoch nichts ändern. Es würde mich auch nicht zu einem glücklicheren Menschen machen. Natürlich hätte ich dann etwas erreicht, was nicht viele in ihrem Leben schaffen. Und ich könnte sagen, dass niemand auf der Welt besser in diesem Sport ist als ich. Aber ansonsten würde sich nichts ändern.
Symes: In Abu Dhabi sprachen Sie darüber wie es sei, mit Herz zu spielen. Können Sie das noch etwas genauer erläutern?
Kaymer: Ich denke, man sollte aus den richtigen Gründen antreten. Man sollte nicht nur spielen um Dollars zu machen. Für mich ist einer der schönsten Momente, am Morgen aufzustehen – hier zum Beispiel um 6.30 oder 7 Uhr – und den Sonnenaufgang auf der Driving Range zu genießen. Das ist ein grandioser Augenblick, das ist Lebensqualität. Für mich gibt es nichts Schöneres. Um gut Golf zu spielen braucht man solche Sachen. Außerdem habe ich fantastische Menschen um mich herum, die mich bei den Sachen unterstützen, die ich machen muss und machen will. Wir finden immer den richtigen Weg, eine Entscheidung zu treffen. Auch wenn es mir schwer fällt oder ich sie eigentlich nicht treffen möchte. Dann bin ich auf den Rat dieser Menschen angewiesen – und es ist bislang immer der Richtige gewesen. Das alles zusammen hilft mir, auf dem Platz glücklich zu sein. Das lässt sich eigentlich nicht toppen. Ich liebe den Wettkampf. Ich will Turniere gewinnen. Ich will am Sonntag in der letzten Gruppe sein, den Druck spüren und mich mit den besten Spielern der Welt messen. Wenn ich mich dann vergleiche, kann ich meine Schwächen und Stärken erkennen und daran arbeiten. Aber das Ziel ist immer das gleiche: noch besser werden und mehr Turnier gewinnen. Das treibt mich an und das ist der Grund, warum ich das, was ich mache, wirklich liebe.
Übersetzung von tsz

