Gegen England geht es um Bronze
13.7.2012 – Das Finale der 33.European Boys Team Championship bestreiten die Gastgeber aus Schweden und das starke Team aus Italien. Nachdem es am Mittag zwei Unterbrechungen wegen Gewitters gegeben hatte, wurden die Halbfinals bis in den späten Abend gespielt und beim letzten Tageslicht um kurz vor halb 11 stand endlich fest, dass Italien gegen England obsiegt hatte. Der Sieg der Schweden gegen das Deutsche Team war auch nicht viel früher fixiert worden. Bei wunderbarer Abendsonne konnte alle Spieler die ganz besondere Stimmung in Lidingö genießen.
Nach den Vierern lagen die Schweden schon mit 2:0 in Führung. Für das Team von Bundestrainer Ulli Eckhardt bedeutete dies: mindestens vier der fünf Einzelmatchplays musste gewonnen werden, um die Gastgeber noch abzufangen und den Finaleinzug zu sichern. Eine Herkulesaufgabe, wie schon vor dem Abschlag fest stand, denn die Schweden zeigten sich bei ihrer Heim-EM bestens vorbereitet und sehr ausgeglichen.
Die lange Pause am Mittag hatte das Deutsche Team genutzt, um sich im Hotel zu regenerieren und noch einmal Kraft zu tanken. Eigentlich war der Beginn der Partie für 13.20 Uhr geplant gewesen. Wegen der Gewitter war es schon 17.30 Uhr, als Julian Ballmann als erster Deutscher auf die Runde ging. Der Spieler aus St.Leon-Rot begann verheißungsvoll. Mit einem Birdie ging er sofort 1auf. Hannes Rönneblad ließ sich davon aber nicht beeindrucken und glich schon auf Bahn 2 wieder aus. Eine Vorentscheidung fiel in diesem Match, als der Schwede die Bahnen 4 bis 6 gewann. Mit 4down ging es für Ballmann auf die Backnine. Dieses Ergebnis hielt er bis zur 14. Hier machte der ungemein sicher spielende Schwede den Sack zu und fuhr mit 5und4 den ersten Punkt ein. Alle anderen Matches hätte Deutschland nun gewinnen müssen, um den schwedischen Finaleinzug noch zu verhindern.
Als zweiter Spieler aus dem Team von Bundestrainer Ulli Eckhardt war Dominic Foos auf die Runde gegangen. Der amtierende Deutsche Lochspielmeister machte in allen Spielen bisher einen sehr starken Eindruck und hat sich trotz seines jungen Alters bei dieser EM schon ein hohes internationales Ansehen erspielt. Foos traf auf Hampus Bergman. Nach fünf Bahnen lagen die beiden all square, schenkten sich aber nichts. Auf sehr hohem Niveau wurde hier um jeden Ball, jeden Schlag und jeden Zentimeter gekämpft. Erstmals in Führung ging Dominic Foos auf Bahn 6, erhöhte auf der 8 und ging am Ende der Frontnine sogar 3auf. Letztlich gewann „Dome“ sein Match mit 3und1 und freute sich, den Schweden klar geschlagen zu haben.
In allen anderen Partien zeigten die Schweden sich bestens eingestellt und unglaublich sicher. Schon früh hatte Bundestrainer Eckhardt angesichts der engen Matches, die aber fast alle zu Gunsten der Schweden standen, gemutmaßt: „Das Spiel wird auf der Backnine entschieden.“
Die Hoffnung, dass seine Schützlinge die Matches noch drehen würden, konnten nicht erfüllt werden, weil die Skandinavier einfach zu gut spielten und keine Fehler machten.
Mit Par war heute praktisch kein Lochgewinn zu erzielen und etliche Male wurde auch mit Birdie eine Bahn nur geteilt.
Die Heerscharen an Scouts der US-Amerikanischen Colleges, die sich bei dieser EM auf dem Platz in Lidingö tummeln, dürften an dem Spiel Schweden versus Deutschland ihre helle Freude gehabt haben. Bei diesem „Schaulaufen“ werden etliche Spieler auf den Wunschzetteln der College-Trainer gelandet sein.
Dominik Pietzsch und Adam Ström schossen zum Beginn der Runde ein wahres Birdie-Feuerwerk ab. Die beiden ersten Bahnen gewann der Schwede, danach glich in gleicher Manier der Münchner aus. Auf Bahn 6 geriet Pietzsch erneut in Rückstand, als er von Bunker zu Bunker spielte und das Par so verpasste. Vom ersten Bogey des Schweden profitierte der Spieler vom GC München-Riedhof auf Bahn 8. Davon ließ sich Ström aber gar nicht aus der Fassung bringen und setzte auf Bahn 9, einem Downhill-Par 3 seinen Abschlag tot neben den Stock. Wieder war ein Birdie nötig, um die Bahn zu gewinnen, denn auch Dominik Pietzsch hatte einen guten Ball geschlagen, das Birdie aber knapp verpasst.
Auf Bahn 10 kam Pietzsch in Probleme. Sein Drive landete rechts im Dickicht. Nach langer Suche wurde die weiße Kugel zwar gefunden, der Befreiungsschlag landete aber auf der andere Fairwayseite erneut im tiefen Rough. Mit dem Lochgewinn erzwang der Schwede die Vorentscheidung, denn nun zeigte er keinerlei Schwäche mehr, so dass Pietzsch am Ende mit 4und3 verlor. Damit war die Entscheidung insgesamt gefallen, denn die Schweden hatten die vier Punkte gewonnen, die zum Gesamtsieg nötig waren.
Etwa zeitgleich zum Ende des Matches von Dominik Pietzsch hatte Marcel Ohorn in einer ebenfalls hochklassigen Partie gegen Marcus Gran mit 2und1 auf Bahn 17 verloren.
Max Mehles war auf seiner Runde gegen Victor Tärnström nicht vom Glück verfolgt. Auf Grün 8 lag der Hubbelrather aussichtsreich zum Birdie und Lochgewinn. Genau in seinen Putt hinein kam von der direkt neben der Bahn verlaufenden Straße das laute Hupen eines Autos. Sichtlich gestört zuckte Mehles zusammen und verschob den Ball um mehr als zwei Meter.
Auf Bahn 10 setzte der Rheinländer seinen zweiten Schlag pinhigh knapp neben das Grün. Der Ball kam allerdings auf einem Teilstück eines herausstehenden Felsbrockens zu liegen. Für einen Chip zur Fahne alles andere als erfreulich. Obwohl Max Mehles sehr stark spielte, konnte er gegen Tärnström nicht die wohlverdienten Punkte einfahren. Als das Spiel insgesamt entschieden waren, führte der Schwede knapp. Beide einigten sich auf dem 14.Grün darauf, das Match zu teilen. Somit steht für Statistiker ein 5,5:1,5-Sieg der Schweden in diesem Halbfinale zu Buche.
Bundestrainer Ulli Eckhardt nahm diese Niederlage sportlich fair: „Man muss neidlos anerkennen, dass Schweden heute einfach die bessere Mannschaft war und praktisch fehlerfrei gespielt hat.“
Im Finale trifft der Gastgeber morgen auf Italien. Die Südländer sind keineswegs überraschend in dieses Finale eingezogen, denn schon am ersten Tag der Zählspielqualifikation hatte Italia als einzige Mannschaft ein Gesamtergebnis unter Par ins Clubhaus gebracht. Angesichts der Schwierigkeiten, die der grandios hergerichtete Platz in Lidingö bietet, eine echte Meisterleistung.
Bronzemedaille als Ziel
Nach der ersten Enttäuschung über die Niederlage gegen Schweden blickten die Deutschen Spieler schon wieder nach vorne. Ein Spiel gegen England hat immer seinen ganz besonderen Reiz und der Gewinn der Bronzemedaille wäre für die Mannschaft des DGV auch ein sehr großer Erfolg.
Entsprechend konzentriert wird die kurze Zeit der Vorbereitung auf dieses „kleine Finale“ genutzt, um morgen mit einem Sieg diese Europameisterschaften zu beenden.
Um 7.30 Uhr geht der erste Vierer auf die Runde. Auch im Spiel um Platz 3 werden zwei Vierer und fünf Einzel gespielt.
stebl´
EMM Jungen 2012 - Tag 4: Einzel am Abend
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