Bild Information: Marcel Siem mit dem Holz

So trainiert ein Bundesliga-Team

Training: Dokumentation
 

Situatives Stationstraining im kurzen Spiel, langes Spiel mit Fokus und Putten mit individueller Hilfe vom Trainer. Ein Besuch beim Mannschaftstraining im Münchener Golf-Club, dessen Mannschaften beide in der Bundesliga spielen.

Dienstag, 12. Mai, 19.30 Uhr: In gut einer Stunde treffen die Bayern im Rückspiel der Champions League auf Barcelona. Bier und Pizza? Nicht für die Spielerinnen und Spieler des MGC. Denn wie jedes Woche steht MannschaftsTraining auf dem Plan. Zwei Mal in der Woche treffen sich beide Teams und feilen eineinhalb bis zwei Stunden am Spiel. Auch an diesem Dienstag gibt es keine Ausnahme, zumal der erste Spieltag der Saison 2015 am Sonntag ansteht. 2013 wurden die Damen Deutscher Meister, im vergangenen Jahr qualifizierte sich das Team erneut für das Finale der vier besten Mannschaften. Die Herren treten in dieser Saison zwar nach dem Abstieg in der 2. Bundesliga an, doch das Niveau ist alles andere als schlecht: "Unser Handicap-Schnitt ist im Plus-Bereich", erklärt Teaching-Pro David Grasskamp. Die Herrenmannschaft ist ein gewachsenes Team: Nahezu alle Spieler sind mittlerweile berufstätig und können unter der Woche nur am Abend trainieren. Das Niveau ist dennoch hoch geblieben - was nicht zuletzt am strukturierten Training liegt. 

 "Einfach nur Bälle klopfen gibt es nicht. Das bringt nichts", sagt Maximilian Tschinkel, der neben Grasskamp für die Mannschaften zuständig ist. Tschinkel hat einige Jahre als Profi auf der Pro Golf Tour gespielt und weiß, wie hoch der Druck wird, wenn die Plätze auf Tourniveau geschnitten sind und die Konkurrenz stark ist. 

 

Auf der Range schlagen währenddessen Thea Hoffmeister (Hcp +5,0!), Max Elsässer und Dr. Tanja Morant Bälle auf individuelle Ziele. Tschinkel sieht zu und gibt ab und an kleine Tipps. Während Max sich mit einem Tourstick ausrichtet und mit dem Coach noch ein wenig die Technik justiert, spielt Thea die Abschläge durch, die sie in Stuttgart am ersten DGL-Spieltag erwartet. Dabei stellt sie sich das jeweilige Loch vor und schlägt dann den passenden Drive auf die imaginäre Bahn. "Immer mit Ziel", betont Tschinkel, alles andere sei "verlorene Zeit".

Kurzes Spiel unter Druck

Ein anderer Teil des Teams probiert sich am Pitching-Grün. Coach Grasskamp betreut heute das kurze Spiel und hat seinen Schützlingen vier verschiedene Stationen mit je drei Positionen aufgebaut. "Situationstraining" nennt er das Ganze und erklärt: "Von den drei Positionen müsst ihr jeweils einen Ball auf die rechte und einen auf die Linke Fahne spielen." Mindestens vier von sechs Bällen müssen pro Position im Kreis von eineinhalb Metern zur Fahne zur Ruhe kommen, erst dann geht es auf die nächste Station, die dann auch ein Stückchen schwerer ist. Meist sind Annäherungen aus zehn bis 30 Metern zu bewältigen. Beim letzten Stopp mit dabei: Ein Bunkerschlag aus rund 15 und  20 Metern. Das Ziel sind immer eineinhalb Meter zur Fahne. Alles andere zählt nichts. Das Fordernde an der Übung: Der Druck steigt bei sechs Versuchen rapide von Schlag zu Schlag. Das schult aber auch die Routine. Wer es nicht schafft, steht eben länger auf einer Position. Ein Zeitlimit gibt es immerhin: Nach maximal zehn Minuten pro Station ist auf jeden Fall Schluss. Aber die Schmach, die Übung nicht zu schaffen, will natürlich keiner über sich ergehen lassen. Ein Blick von außen zeigt: Die Leistungen der Spielerinnen und Spieler sind exzellent. Ein ums andere Mal landet ein Ball am Stock. 

Geputtet wurde ebenfalls, allerdings sind die Grüns noch nicht in dem Zustand, der in der Bundesliga zu erwarten ist. Daher wurde an diesem Abend weniger Zeit beim Putten verbracht. Das wird aber ein wichtiger Bestandteil der Einheit direkt vor dem Spieltag. "Situatives Training steht dann speziell auf dem Plan. Gerade das kurze Spiel steht dann im Fokus. Man muss sich dann auf die Grüns einstellen", sagt Tschinkel. Dennoch spricht er mit einigen Spielern, geht Routinen mit ihnen durch oder befasst sich damit, was sie über dies oder jenes Break denken. Anni Eisenhut und Pilar Heynitz, die in der Mädchenmannschaft spielen, putten währenddessen mit Schnur auf ein Loch und konkurrieren gegeneinander. Die beiden sind gerade einmal 14 und 15 Jahre alt, spielen aber Handicaps von 2 und 3. 

Geht es auch auf den Platz? Heute nicht, aber sonst ist das durchaus ein wichtiger Punkt. "Wenn, dann aber immer mit Aufgabe", so das Trainer-Gespann des MGC. "Mal wird zum Beispiel nur mit Eisen gespielt, vielleicht auch nur mit ungeraden. Oder wir spielen klassischen Vierer oder Bestball."

Man merkt schnell: Training heißt bei einem Team auf diesem Niveau nicht einfach nur möglichst viele Bälle schlagen. Vielmehr ist ein richtiges Bundesliga-Training ein Mix aus unterschiedlichen Aufgaben und Hilfestellungen, das die Akteure ständige fordert und sie wirklich besser macht.

Die Ergebnisse des MGC in der 1. Bundesliga (Damen) Die Ergebnisse des MGC in der 2. Bundesliga (Herren) Situatives Training: Annähern mit Anspruch

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