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Mental fit aus dem Winter

Petra Himmel
 

Golf - der Kopfsport. Mit dieser Thematik befasst sich jeder Golfer spätestens dann, wenn er soeben einen Ball voller Wut in das nächste Wasserhindernis gedonnert hat, innerlich eine Runde schon aufgesteckt hat oder vor lauter Nervosität kaum fähig ist, den Schläger zu halten. Mit Golf, der Mentalsportart, befasst sich Herbert Forster tagtäglich.

Der Münchner, der selbst mehrfach deutscher Amateurmeister im Golf wurde, ist inzwischen als Mentaltrainer der deutschen Golf-Nationalmannschaft der Jungen tätig, befasst sich zusammen mit seinem Geschäftspartner Dr. Philip Janda daneben generell mit dem Thema Stress. "Stress abbauen mit Rome" heißt das neueste Buch der beiden Inhaber der Firma Fitfirm, das der Humboldt Verlag vor kurzem auf den Markt gebracht hat und das sich vor allem auch für Golfer als Lektüre für die Wintermonate eignet.

Das Ziel, besser Golf zu spielen, ist nach Forsters Ansicht nämlich durchaus zu erreichen, wenn es einem Spieler gelingt, stressfreier und entspannter zu agieren. In folgendem Interview gibt er ein paar Hinweise, wie dieser Zustand zu erreichen ist.

Petra Himmel: Was heißt für Sie mentale Stärke?
Herbert Forster: Für mich bedeutet das, dass jemand voll aufgeht in dem Sport, den er gerade betreibt, alles gibt und mit Freude spielt. Gleichzeitig hat er keine Angst vor Versagen und kann auch ein Mißlingen richtig einordnen. Bei schlechten Schlägen stellt er nicht sofort seine Persönlichkeit in Frage und baut dadurch auch insgesamt weniger Druck auf.

Himmel: Was ist aus Ihrer Sicht ein typischer mentaler Fehler von Amateuren?
Forster: Viele schlechtere Spieler gehen auf den ersten Abschlag und denken: "Ich will nicht die 110 spielen." Damit ist das erste Problem aber schon da: Der Spieler ist im Verhinderungs-Mechanismus und versucht nicht mehr zu agieren. Die Frage "Was will ich nicht tun?" beinhaltet ja sofort die Angst vor dem Versagen. Und die meisten normalen Amateure können mit dem Versagen deutlich schlechter umgehen als ein Profi, weil sie eben nicht mental trainieren.

Himmel: Empfinden sie den Druck dann auch anders?
Forster: Nein. Ich denke das Empfinden von Druck ist auf beiden Ebenen sehr ähnlich. Mental starke Spieler kommen aber besser mit der Aufgabenstellung zurecht.

Himmel: Im Golfsport wäre das?
Forster: Generell hat man bei jedem Schlag nur eine Chance. Das bedeutet auch, zu akzeptieren, dass man nicht jede Chance zu 100 Prozent wahrnehmen kann - dass es Fehler gibt. Gleichzeitig versuchen sehr gute und erfahrene Spieler aber auch, sich eine bessere Chance bei jedem Schlag zu geben. Und das ist eine Herangehensweise, die eigentlich auch für jeden Amateur machbar ist. Dabei kommen den Punkten Strategie, Aiming und Trust die entscheidende Bedeutung zu.

Himmel: Fangen wir mit dem Punkt Strategie an….
Forster: Zuerst einmal sollte jeder Spieler die Lage und Umgebung seines Balles beurteilen. Dann fällt er die Entscheidung für einen Schläger, nachdem er das Risiko-Nutzen-Verhältnis abgewogen hat. In den meisten Fällen ist dabei die konservative Strategie die bessere Variante. Bei den mutigen Schlägen ist die Erfolgs-Wahrscheinlichkeit meist geringer. Eine Entscheidung kann man zum Beispiel treffen, indem man überlegt, in wie vielen Fällen ein Schlag bei zehn Versuchen erfolgreich wäre.

Himmel: Der Faktor Aiming betrifft dann die letzte Phase vor dem Schlag?
Forster: Man gibt sich nur dann eine wirklich gute Chance, wenn man den Schlag visualisiert. Dabei ist jeder Spieler anders veranlagt. Man kann über das Sehen, Fühlen oder Hören einen Zugang finden.

Himmel: Trust steht dann für Vertrauen in den gewählten Schlag?
Forster: Genau. Die besten Schläge machen wir dann, wenn wir den Schläger laufen lassen. Wenn ich über einen Schlag nachdenke, kann er einfach nicht so gut ablaufen, als wenn er automatisiert läuft.

Himmel: Wie groß ist der Anteil der Amateure, die sich so vorbereiten?
Forster: Sehr gering. Die meisten Spieler suchen die Verbindung zum Schlag erst dann, wenn sie schon über dem Ball stehen. Das dauert dann ewig. Profis brauchen da oft nur noch ein oder zwei Sekunden, um auf den Ball zu schlagen.

Himmel: Inwieweit kann man die Visualisierung trainieren?
Forster: Das lässt sich problemlos ins Training einbauen, indem man auf der Driving Range nicht nur zig Schläge nacheinander mit einem Eisen macht, sondern versucht imaginäre Löcher nachzuspielen, so dass man mit einem Schläger jeweils nur einen Versuch hat.

Himmel: Inwieweit lässt sich mentales Training im Winter einbauen?
Forster: Gut. Man kann zum Beispiel versuchen, sich Entspannungsübungen anzueignen, damit man später auch auf dem Golfplatz stressfrei agieren kann oder in anstrengenden Situation entspannt reagiert.  Wer das zwei- bis dreimal pro Woche für eine Viertelstunde übt, kommt mental stärker aus dem Winter.

Petra Himmel ist als freiberufliche Journalistin auf den Bereich Golf spezialisiert, hat mehrere Bücher veröffentlicht und arbeitet für zahlreiche große Tagezeitungen wie die Süddeutsche Zeitung (inkl. Golf Spielen) oder den Zürcher Tagesanzeiger. 

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