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Gezielt atmen, besser spielen

Mental-Training
 

"Ich war voll konzentriert und gleichzeitig völlig relaxed." "Ich hatte Spaß beim Spielen." "Alles schien wie von selbst zu funktionieren." Aussagen wie diese treffen viele meiner Schüler und Seminarteilnehmer, wenn sie ihre besten Golfrunden beschreiben. Sie alle schildern einen positiven emotionalen Zustand.

Sorglosigkeit, Freude, Glück und innerer Sicherheit sind u.a. die positiven Bewertungen. Wenn ich die Schüler jedoch nach ihren schlechtesten Leistungen frage, beschreiben fast alle Gemütszustände wie Angst, Frustration, Aggression, Enttäuschung und Apathie. Vielleicht geht es auch Ihnen so, denn in der Tat zeigt unser Körper zwei grundsätzlich unterschiedliche Zustände, die sich im einen Fall eher positiv und im anderen eher negativ auf unsere Leistungen auf dem Platz auswirken. Eine zentrale Rolle spielt hierbei das Herz und die sogenannte Herzratenvariabilität, kurz HRV. Die HRV beschreibt die Fähigkeit unseres Organismus, die Frequenz des Herzrhythmus zu verändern und den momentanen Erfordernissen anzupassen.

Hierbei orientiert sich ein gesundes Herz an der Atmung und beschleunigt den Pulsschlag während der Einatmung und verlangsamt ihn bei der Ausatmung. Befinden wir uns nun in einem stressfreien und emotional positiven Zustand verändert sich der Pulsschlag regelmäßig bei jedem Atemzug und erzeugt folgendes Muster der HRV:



Fühlen wir uns jedoch gestresst, frustriert und ängstlich zeigt unsere HRV folgendes, eher chaotisches Bild:



Die meisten Menschen versuchen ihren emotionalen Zustand vorrangig durch positives Denken o.ä. zu beeinflussen. Dies kann funktionieren und ist ein wichtiges Werkzeug des emotionalen Managements. Häufig jedoch greift dieser Ansatz zu kurz. Vielleicht haben auch Sie es schon einmal erlebt, dass die positiven Gedanken nicht viel an Ihrer Stimmung verändert haben. Das schlechte Bauchgefühl ist trotz Ihrer Bemühungen geblieben.

Eine stärkere und effektivere Methode um Emotionen zu steuern ist deshalb notwendig. Und es gibt sie: die Atmung. Egal in welchem emotionalen Zustand wir uns gegenwärtig befinden, sobald wir eine tiefe und ruhige Bauchatmung durchführen verbessern wir das Muster unserer HRV. Mit nur wenig Übung kann es so jeder von uns lernen seine HRV nach freiem Willen zu verändern. Die Verbesserung der HRV bewirkt unmittelbar eine Reihe von positiven Reaktionen im Körper: Bestimmte Stresshormone werden reduziert, positiv wirkende Hormone wie DHEA (Dehydroepiandrosteron) werden vermehrt produziert und sogar das Immunsystem wird gestärkt. Das Herz sendet positive Signale ans Gehirn und den gesamten Organismus und verbessert so unseren Gemütszustand sowie die Leistungsfähigkeit auf dem Golfplatz.

Nicht umsonst spielt die Atmung eine zentrale Rolle in fast allen modernen Entspannungstechniken sowie in den fernöstlichen Praktiken wie Yoga, Qi Gong und Meditation.

Dieses äußerst starke und unmittelbar wirksame "Werkzeug" kann auch auf Ihrer Golfrunde zum Einsatz kommen.
Folgende Ratschläge möchte ich Ihnen hierfür mitgeben:
Üben Sie die entspannte und tiefe Bauchatmung täglich für 10 Minuten. Atmen Sie dabei etwa vier Sekunden ein und circa sechs Sekunden aus. Finden Sie dann im täglichen Training Ihren persönlichen Atemrhythmus, der sich am besten für Sie anfühlt. Möchten Sie dabei Ihre HRV selbst messen, können Sie sich ein HRV-Messgerät zulegen, das es für circa 200 bis 300 Euro von verschiedenen Herstellern zu beziehen gibt.

Die gleiche Übung eignet sich ideal um sich am Morgen vor einem Turnier auf die Runde vorzubereiten. Die dabei erzielten positiven hormonellen Effekte halten in der Regel sogar mehrere Stunden an. Sie schaffen sich so eine gute Basis für Ihren idealen Leistungszustand.

Praktizieren Sie auf der Runde zwischen den Schlägen auch immer wieder diese tiefe Atmung, idealerweise auf jedem Loch für ein paar Meter. Sie schlagen damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Die HRV verbessert sich, außerdem denken Sie in dieser Zeit nicht an den Score.

Bauen Sie einen tiefen Atemzug in Ihre Routine ein. Dieser Atemzug eignet sich beispielsweise gut als Startsignal der Routine oder um kurz vor dem Schlag eventuelle Verspannungen zu lösen und den Schwung frei ablaufen zu lassen.

Probieren Sie es aus und profitieren auch Sie von dieser einfachen und sehr wirksamen Methode zur Regulierung von Emotionen und zur Vorbereitung für eine ideale Leistungsfähigkeit.

Text: Herbert Forster

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Christian Neumaier ist Leiter der Golfschule Beuerberg und Trainer des südafrikanischen Champions-Tour-Profis David Frost. In den Trainings-Videos sind außerdem Leslie Schanz und Alex Linner zu sehen.