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Yes we can

 

Nicht nur das spielerischte Talent, sondern auch die mentale Einstellung sicherte der Jungen-Nationalmannschaft die Silbermedaille bei der Europameisterschaft in den Niederlanden. Kapitän Herbert Forster berichtet über die mentalen Erfolgsfaktoren.

Mit dem zweiten Platz bei der diesjährigen Mannschaftseuropameisterschaft der Jungen im GC de Pan in den Niederlanden haben die Nachwuchsspieler Max Röhrig, Alexander Matlari, Moriz Lampert, Sebastian Schwind, Sebastian Kannler und Martin Keskari Golf-Geschichte geschrieben. Besser hat die deutsche Jugend bei diesem Turnier noch nie abgeschnitten. Kapitän Herbert Forster, der seit einem Jahr den DGV-Jungenkader zusammen mit Nils Bühring auch mental betreut, berichtet über die mentalen Erfolgsfaktoren, die aus seiner Sicht einen wesentlichen Teil zum Gewinn der Silbermedaille beigetragen haben.

Die mentalen Erfolgsfaktoren für den diesjährigen Gewinn der Silbermedaille sind vielseitig und von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Hier möchte ich vor allem drei dieser Faktoren erläutern:

1. Klare Teamwerte und -ziele
Der Startpunkt der Vorbereitung für die Mannschaftseuropameisterschaft begann bereits im Januar. Im Rahmen eines Winterlehrgangs in Florida war es unser Ziel, ein klares Verständnis darüber zu erlangen, was wir gemeinsam erreichen wollen und vor allem wie wir das antellen. Es bedurfte fast eines ganzen Tages intensiver Arbeit und z.T. kontroverser Diskussionen um die gemeinsame Ausrichtung zu definieren und die von allen Spielern Teamwerte in einem so genannten "Team Manifest" zusammenzubringen.
Das übergeordnete Ziel hieß "Europameister" und als Leitspruch diente uns der von US-Präsident Obama eindrucksvoll positiv behaftete Wahlslogan "Yes we can". Dieser sollte uns stets an unsere Qualitäten erinnern und das in der Vergangenheit noch nie erreichte Ziel ermöglichen.
Unser Verhalten auf diesem gemeinsamen Weg dorthin sollte von folgenden fünf Punkten geleitet werden:

  • Wir behandeln uns und unsere Gegner mit vollem Respekt
  • Wir schenken uns gegenseitiges Vertrauen
  • Wir unterstützen uns auf unserem gemeinsamen Weg mit ganzer Kraft
  • Wir treten geschlossen und selbstbewusst auf
  • Wir haben Spaß im Team


Wichtig war uns dabei, dass alle diese Inhalte einzig und allein von den Spielern selbst definiert wurden und dass sich auch jeder Spieler an den Diskussionen beteiligte. Nur so konnten wir die Voraussetzung dafür schaffen, dass das "Team Manifest" auch von allen Spielern geachtet und vor allem gelebt wird. Das Manifest war bei allen Trainingsmaßnahmen dabei. Einige Spieler hängten es sogar über ihr Bett. Wenn die Spieler oder Coaches das Gefühl hatten, dass die Qualität des Trainings oder das Verhalten einiger Teammitglieder nicht den Ansprüchen des Manifests entsprachen kam es auf den Tisch. Regeln waren folglich nur wenige notwendig, da sich die Jungs immer wieder an ihrem eigenen Versprechen orientieren konnten. Das "Team Manifest" gab der Mannschaft eine eigene Identität und war als Road-Map der Garant dafür, dass die Spieler während der monatelangen Vorbereitung ihr Ziel zu keinem Zeitpunkt aus den Augen verloren. So wurde der Grundstein für ein erfolgreiches Turnier gelegt.

2. Konzentration auf das Wesentliche und Kontrollierbare
Als wir uns das gemeinsame Ziel "Europameister" steckten, war uns bewusst: Dieses Ziel kann man zwar erreichen aber nicht erzwingen. Die bestmögliche Chance für das Erreichen dieses Ziels konnten wir nur schaffen, indem wir uns kompromisslos auf die von uns kontrollierbaren Dinge konzentrierten. Damit ist der Fokus auf das eigene Spiel und das Team gemeint, unabhängig von dem, was außen herum passiert. Wir haben die anderen Teams während des Wettkampfes daher zwar mit Respekt behandelt, ihrem Auftreten und ihrem Spiel aber keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt. Vorbei waren die Zeiten, in denen die deutschen Spieler mit Ehrfurcht die Schweden, Engländer und sonstige vermeintliche Stars bewunderten. So kam es, dass dieses Mal die anderen Teams auf unsere Spieler geschaut und sich gewundert haben, wie geschlossen, professionell und selbstsicher diese aufgetreten sind. Auch auf dem Platz war die Orientierung auf das Spiel der Lochspielgegner tabu. "Schlag für Schlag unser Spiel" lautete die Devise - und eindrucksvoll haben sich unsere Spieler daran gehalten. Jeder Spieler hatte zusätzlich seine eigenen mentalen Strategien um sich immer wieder in seinen optimalen Leistungszustand zu versetzen. Hierzu gehörten Achtsamkeitsübungen, Relaxationstechniken und Konzentrationsroutinen. Wichtig war, dass jeder Spieler zu jeder Zeit 100 Prozent Verantwortung für sich, sein Verhalten und das Team übernommen hat und die über die Saison antrainierten Techniken voll umgesetzt hat.

3. Strategie
Beim Vorbereitungslehrgang im April dieses Jahres hat unser Strategieexperte, der Ex-Tourspieler Thomas Gögele, den Platz des GC De Pan genauestens studiert und zusammen mit dem Cheftrainer Ulrich Eckhardt und den Spielern an einer intelligenten Strategie gearbeitet. Vor Beginn des Turniers wurde jedes Ziel bei jedem Abschlag z.T. auf den Meter genau definiert und ein klarer Spielplan für jeden Spieler verabschiedet. Es zeigte sich vor allem in Drucksituationen, dass unsere Spieler immer wussten, was sie tun sollten. Sie konnten mit einem klaren Zielfokus agieren und damit letztlich die entscheidenden Löcher gegen ihre Gegner gewinnen. Während die meisten Gegner z.B. am 10. Loch den Abschlag auf die sehr stark ondulierte Stelle ca. 100 Meter vor dem Grün geschlagen haben und sich oftmals über die "unglücklich" versprungenen Bälle ins Rough beklagten, haben unsere Spieler den Ball 20 Meter kürzer auf den deutlich ebeneren Teil des Fairways abgelegt und sich damit eine gute Ausgangslage für den zweiten Schlag bewahrt. Ähnlich auf den kurzen Spielbahnen 16 und 17: Während einige Mitstreiter ihre Drives in den Wald oder das Heidekraut versenkten, konnten unsere Spieler mit ihrer klugen Positionierung des Balles vom Abschlag immer wieder punkten.

Ergebnis
Zusammengefasst haben es die deutschen Jungen bei der diesjährigen Europameisterschaft geschafft, ein klares gemeinsames Ziel vor Augen zu haben und gleichzeitig ihre Aufmerksamkeit vollständig auf die von ihnen beeinflussbaren Dinge zu konzentrieren. Sie haben volle Verantwortung für ihre Einstellung übernommen und sich schon das ganze Jahr wie Europameister verhalten. Zwar hat das dänische Team im Finale das nötige Quäntchen Glück gehabt und mit 4:3 Punkten den Titel gewonnen, dennoch haben sich unsere Spieler hervorragend präsentiert und sich stets die beste Chance auf den Sieg gegeben. Wenn sie sich diese Eigenschaft bewahren sind große Turniersiege nur noch eine Frage der Zeit.

Text: Herbert Forster

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