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Pre-Shot-Routine 

 

Drei Probeschwünge und zwei mal aufschauen? Es gibt wohl so viele unterschiedliche Pre-Shot-Routinen wie Golfschwünge. Herbert Forster erklärt, wie Sie Ihre verbessern.

Es gibt zwar viele weitläufig verbreitete Annahmen zur Routine, die meisten davon erscheinen jedoch nur sinnvoll, wenn man sie oberflächlich betrachtet. Oft schaden sie mehr als sie helfen. Die am weitesten verbreitete Meinung über eine Pre-Shot-Routine: Sie läuft immer gleich ab. Grundsätzlich stimmt das. Die besten Spieler der Welt verfügen über eine sehr konstante Routine, die auch als solche vom externen Beobachter wahrgenommen werden kann.

Dass die äußeren Bewegungsabläufe aber in erster Linie die Konsequenz von gut funktionierenden innerlichen Konzentrations- und Wahrnehmungsprozessen sind, wird meist außer Acht gelassen. Deshalb wird bei Amateuren oft der äußerlich sichtbare Habitus guter Spieler imitiert ohne die wirklich wichtigen internen Effekte zu erzielen. Dies ist in etwa zu vergleichen mit einem Tänzer, der zwar die Schrittfolge eines Tanzes fehlerfrei durchführen kann, jedoch weder seinen Tanzpartner noch den Rhythmus der Musik spürt. Die Schrittfolge bzw. der Habitus in der Routine soll im Idealfall als Folge eines inneren Zustandes, einer intensiven Verbundenheit mit der Musik bzw. mit dem Ziel resultieren. Die Durchführung mechanischer Bewegungsschritte alleine hilft uns nur begrenzt.

Was sind die entscheidenden inneren Abläufe während der Routine? Worauf sollte man die Aufmerksamkeit lenken um sich Schlag für Schlag die beste Chance auf Erfolg zu geben?

Die Antwort klingt einfach - aber sie macht den entscheidenden Unterschied. Allein drei Dinge entscheiden darüber, ob wir ständig hinter unseren Erwartungen zurück bleiben oder unser Potenzial ausschöpfen. Und es sind genau diese drei Dinge an denen wir vorrangig mit den DGV-Nationalspielern arbeiten: Strategie, Zielen und Loslassen.

Strategie:
Unter Strategie vereinen wir alle Überlegungen, die mit der Schlag- und Schlägerwahl zu tun haben. Faktoren wie die Lage des Balles, Entfernung zum Loch, der Wind, die Fahnenposition, etc. werden hier bewertet und mit einer klaren und bewussten Entscheidung abgeschlossen.

Wichtige Voraussetzungen bzw. Merkmale einer guten Strategie sind:
- Die Entscheidung muss immer zur jeweiligen Situation und den tatsächlichen Fähigkeiten passen.
- Die Entscheidung sollte in einem ausgeglichenen emotionalen Zustand getroffen werden und weder von Ärger noch Wut, Enttäuschung oder Euphorie vernebelt sein.
- Um gute Entscheidungen zu treffen müssen wir sowohl den Platz als auch unser Spiel und unser Equipment (insbesondere die Weiten unserer Schläger) genauestens kennen. Nicht umsonst haben alle Tourspieler von ihren Caddies vermessene Birdie-Books (Strokesaver) und wissen meist auf einen Meter genau, wie weit sie ihre Schläger schlagen.

Zielen:
Mit dem Zielen vollziehen wir den Übergang vom rationalen Denken zur Intuition. Richtiges Zielen bedeutet weitaus mehr als die akkurate Ausrichtung des Körpers und des Schlägerblattes vor dem Schlag. Es geht darum, eine möglichst intensive Verbindung mit dem Ziel herzustellen und den Schlag so klar wie möglich zu sehen, zu spüren und vielleicht sogar zu hören. Erinnern Sie sich an einen 5- oder 10-Meter-Putt, bei dem Sie schon vor der Schlagausführung genau wussten, dass er ins Loch gehen wird? Haben Sie genau gesehen wie der Ball laufen wird, genau gespürt wie sich die dazu passende Bewegung anfühlt und vielleicht sogar das Geräusch gehört, wie der Ball ins Loch fällt?

Dies ist genau das Gefühl, dass wir bei jedem Schlag anstreben sollten. Je intensiver wir die Verbindung mit dem Ziel mit all unseren Sinnen spüren, desto klarer programmieren wir unser Unterbewusstsein genau das zu tun, was wir uns vorstellen. 

Wichtig für das richtige Zielen ist:
- Orientieren Sie sich stets an einem möglichst genauen und markanten Ziel. Baumstämme, Strommasten, Bunkerkanten oder Fahnen sind gute Ziele. "Mitte Fairway", "gerade aus", "auf den Wald" sind zu ungenau und wirken sich äußerst negativ auf unsere Fehlertoleranz aus.
- Je intensiver und vielfältiger wir mit all unseren Sinnen die Verbindung zum Ziel herstellen desto besser! Wie genau sehen Sie den Ballflug oder den Landepunkt? Sehen Sie eine Linie zwischen dem Ball und dem Ziel? Fühlen Sie den leichten Fade vor dem Schlag? Können Sie das Treffmoment hören und fühlen? 

Loslassen:
In einem Golfschwung sind mehrere hundert Muskeln involviert, die perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen um den Golfball millimetergenau im passenden Eintreffwinkel und mit der richtigen Geschwindigkeit zu spielen. Die bewusste Steuerung eines derart komplexen Bewegungsmusters ist unmöglich. Je mehr wir versuchen bewusst zu steuern, desto mehr beeinträchtigen wir den im Unterbewusstsein abgespeicherten Bewegungsablauf und zerstören unseren Schwung. Dies ist in etwa damit vergleichbar, wenn wir überlegen welchen Muskel wir wann wie bewegen müssen um eine Treppe hinunterzusteigen. In diesem Fall würden wir wohl öfter hinfallen als unbeschadet unten anzukommen.

Vorsicht jedoch: Loslassen bedeutet nicht eine "hit and hope" Einstellung, bei der wir einfach auf den Ball schlagen und hoffen, dass er in die richtige Richtung geht. Loslassen basiert auf einer tiefen Verbindung mit dem Ziel und dem festen Vertrauen auf unser Unterbewusstsein. Viele Spieler empfinden das wahre Loslassen als ob der Schlag "einfach geschieht". 



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Zusammenfassung:
Ich möchte nochmal betonen, dass die Pre-Shot-Routine dazu da ist, den Übergang vom rationalen Denken zur Intuition zu vollziehen. Wie die Routine äußerlich aussieht ist zunächst zweitrangig. Je intensiver und öfter wir es allerdings schaffen mit einer guten Strategie eine intensive Zielverbundenheit herzustellen und dann voller Vertrauen loszulassen desto konstanter wird auch der Habitus und desto näher kommen wir an unser wahres Potenzial. 

Wie Pros und unsere Nationalspieler diese entscheidenden Elemente der Routine trainieren und welche Techniken auch Sie davon übernehmen können schildern wir Ihnen in der nächsten Ausgabe. 

Text: Herbert Forster
Unser Mental-Experte: Herbert Forster

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