Bild Information: Oliver Heuler, Treffmomentfaktoren (Bild: HIO Fitting)

Horizontales Sweetspot-Treffen

Treffmomentfaktoren: Teil 4/8
 

Golfexperte Oliver Heuler beleuchtet acht Treffmomentfaktoren. Nach Schlagflächenstellung, Schwungbahn und Eintreffwinkel folgt nun das horizontale Sweetspot-Treffen.

Trifft man den Ball mit dem Sweetspot des Schlägers, entsteht dieses weiche Gefühl im Treffmoment, bei dem sich nichts verdreht, nichts vibriert und die maximale Energie vom Schlägerkopf auf den Ball übertragen wird. Dieses Gefühl ist so angenehm, dass viele Golfer fälschlicherweise daraus schließen, dieses Mal alles richtig gemacht zu haben.

Tatsächlich unterscheiden sich die einzelnen Schwünge aber kaum voneinander und oft haben sich bei Sweetspot-Treffern lediglich die Fehler besser miteinander ausgeglichen. Der Körper bewegt sich beispielsweise zum Ball hin und die Arme werden genau im richtigen Maß angezogen. Ein Sweetspot-Treffer allein ist deshalb noch kein Beweis für einen guten Schwung. 

Jeder Golfer hat seine Neigung

Auch bei diesem Treffmoment-Faktor ist vor allem eines wichtig: Sie müssen wissen, zu welcher Abweichung Sie neigen. Fast nie treffen Golfer abwechselnd mit der Spitze und der Hacke. Jeder hat seine Neigung: entweder Spitze oder Hacke. Eines meiner wichtigsten Hilfsmittel im Golfunterricht ist deshalb das so genannte Facetape. Das ist eine Folie, die man auf den Schläger klebt, und die den Abdruck des Balles sichtbar macht. Ich bitte meine Schüler meist, nach dem Schlag nicht sofort auf den Aufkleber zu schauen, sondern zuerst mitzuteilen, wo sie den Abdruck vermuten. Das Ergebnis ist anfangs meist frustrierend: Nur selten liegen mittlere und hohe Handicapper mit ihren Vermutungen richtig. Erst wenn ich ihnen auf dem Videobild zeige, wie der Schläger sich im Treffmoment aufdreht, wenn man mit der Spitze trifft, und wie er sich zudreht, wenn man mit der Hacke trifft, bringe ich Golfer in die Lage, die Verdrehung künftig zu spüren. Sobald das klappt, kläre ich sie auf über die …

… Ursachen für Spitzen- oder Hackentreffer:

  • Eine flache Schläger-, Arm- oder Schulterebene beim Ausholen kann eine Ursache für Hackentreffer sein; eine steile für Spitzentreffer.
  • Das Anziehen der Arme oder Löffeln führt häufig zu Spitzentreffern. Eine Bewegung des Körpers zum Ball hin im Abschwung, ein mangelndes Senken der Arme oder ein zu spätes Schlagen führt häufig zu Hackentreffern. 

Spitzen-Draws und Hacken-Fades

Extrem verwirrend kann das horizontale Verfehlen des Sweetspots bei Hölzern sein: Im Vergleich zum Eisen liegt der Schwerpunkt der Hölzer weiter hinten und Hölzer haben eine horizontale Schlagflächenwölbung (Buldge). Durch den weiter hinten liegenden Schwerpunkt entsteht bei Treffern außerhalb des Sweetspots bei Hölzern ein Zahnrad-Effekt: Spitzentreffer erzeugen dabei zusammen mit dem Buldge Bälle, die weiter rechts starten und links drehen, als man das allein durch Schwungbahn und Schlagflächenstellung verdient. Bei Hackentreffern startet der Ball weiter links und dreht mehr nach rechts als sonst. Man spricht deshalb von Spitzen-Draws und Hacken-Fades. Wer das nicht weiß, wird hier aufgrund des Ballflugs falsche Schlüsse über Schwungbahn und Schlagflächenstellung ziehen.

Bei Eisenschlägen wirken sich Spitzen- und Hackentreffer erst dann auf die Richtung aus, wenn sie extrem sind und man mit der Kante oder dem Hosel trifft. Andernfalls kosten sie nur Länge. Hier zählt allerdings jeder Zentimeter.

Seien Sie jedoch nicht frustriert, wenn die Verteilung der Abdrücke nach zehn Schlägen einen großen Raum auf der Schlagfläche einnimmt. Das ist bei Hobbygolfern normal. Moderne Schläger mit großen Köpfen sind hier ein Segen. Blades mit kleinen Köpfen sind deshalb nur etwas für Spieler mit Vorgaben unter vier. Erst ab diesem Handicap zeigen die Aufkleber meiner Schüler fast ausschließlich Sweetspot-Treffer. Talent und viel Training sind hier die wichtigsten Voraussetzungen. Ist beides vorhanden, kann die Technik durchaus unorthodox sein. Fehlt beides, nützt oft auch der schönste Schwung nichts. Gleichwohl hilft es jedem, wenn er nach jedem Schlag eine Rückmeldung über den Treffpunkt erhält. Die Anschaffung einer Rolle Facetape kann Sie also eventuell weiter bringen als die eines neuen Wunderschlägers. 

golfkurse.com golf.heuler.de Die Treffmomentfaktoren von Oliver Heuler im Überblick

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