Bild Information: Karolin Lampert (Photo by David Cannon/Getty Images)

"An Amerika führt kein Weg vorbei"

Interview: Karolin Lampert
 

Karolin Lampert hat sich nach einem holprigen Profistart wieder gefangen.


Golf.de: Es geht wieder bergauf ... nach Ihrer herausragenden Amateurkarriere sind die Erfolge überraschend ausgeblieben, seit 2017 läuft es besser. Zuletzt überzeugte ein Top-5-Rang auf der Ladies European Tour. Was hat die Wende bewirkt?
Karolin Lampert: Ich bin vor etwa drei Jahren zu meinem neuen Coach Ted Long gewechselt, weil ich die Ideen aus dem Training einfach nicht mehr so gut umsetzen konnte. Dann braucht man eben einfach Geduld, bis sich die neuen Sachen setzen können.

Was genau sind diese "neuen Sachen"?
KL: Der erste Teil war weitgehend Technik. Mein größtes Problem war immer, den Drive wirklich ins Spiel zu bringen und den Ball auf der Bahn zu halten. Der zweite Punkt war die Einstellung: Ich versuche jetzt, deutlich positiver gestimmt zu sein.

Sie haben nach dem Wechsel ins Profilager kaum Ergebnisse gebracht ... da fällt die positive Einstellung ja wahrscheinlich auch schwer.
KL: Ja, das war nicht so einfach. Wenn man ein Jahr hat, in dem eigentlich gar nichts läuft. Zum Glück hatte ich da ein Team um mich herum, das mir die ganze Zeit zugeredet und mich unterstützt hat.

Sie sind eigentlich eine aggressive Spielerin, wie äußert sich eine weniger positive Einstellung dann auf dem Platz?
KL: Ich bin einfach viel vorsichtiger und manchmal ängstlich geworden. Wenn man bei sieben von acht Turnieren noch nicht einmal um den Cut spielt, dann entwickelt sich so etwas automatisch. Deshalb habe ich ja dann auch angefangen, mit einer Mental-Trainerin zu arbeiten.

Aufgrund der begrenzten Turnieranzahl auf der Ladies European Tour sind Sie gezwungen, ständig zwischen der amerikanischen Symetra Tour und Europa hin- und her zu wechseln. Stört das?
KL: Mit der momentanen Lösung fühle ich mich eigentlich ganz wohl. Die nächsten drei Wochen spiele ich zum Beispiel die Symetra-Tour, verpasse aber gar kein Turnier auf der LET, weil dort nichts stattfindet. Letztendlich führt an Amerika ohnehin gar kein Weg vorbei, wenn man in die Weltspitze will.

Sie haben den ersten Einsatz auf der Symetra Tour schon hinter sich. Was ist Ihnen an Neuheiten aufgefallen?
KL: Die Plätze sind auf jeden Fall schon einmal viel länger. Das Gras ist anders, wechselt aber auch dort von Staat zu Staat. Vor allem das Putten mit Grain [Wuchsrichtung des Grases; Anm. d. Red.] ist man vom Spielen [in Europa] nicht gewöhnt. Generell macht es aber natürlich Sinn, wenn die Plätze die Länge haben, die dann auch auf der LPGA gespielt werden und die Schwierigkeiten ähnlich sind. Darauf soll die Symetra Tour ja vorbereiten.

Viele Top-Amateure spielen College-Golf. Sie haben das nicht gemacht, warum nicht?
KL: Zu meiner Zeit kamen einfach viele Deutsche, die es ausprobiert hatten, nach einem Jahr wieder zurück. Ich wusste bis sechs Wochen vor dem Abitur eigentlich gar nicht so richtig, was ich machen wollte. Die Frage hat sich nie konkret gestellt.

Europas Profis nennen die US-Touren oft die einsamen Touren. Wie sind Ihre ersten Erfahrungen?
KL: Eigentlich ganz gut, weil wir noch eine ganz angenehme Gruppe von Europäerinnen auf der Symetra Tour sind, die dann etwas zusammen machen. Ich versuche mir auch immer ein Zimmer zu teilen, einmal um Kosten zu sparen. Es ist aber auch besser, wenn man noch jemanden hat, mit dem man Zeit verbringen kann.

Wo sehen Sie sich von der Leistungsstärke verglichen mit den Asiatinnen und Amerikanerinnen auf der Tour?
KL: Wenn ich eine normale, solide Woche habe, kann ich im Mittelfeld mitspielen. Um vorne dabei zu sein, muss ich eine sehr gute Woche erwischen. Und nachdem mir noch die Erfahrungswerte mit den amerikanischen Platzgegebenheiten fehlen, muss meine sehr gute Woche dann wahrscheinlich noch ein bisschen besser sein als bei anderen. Die Dichte an guten Spielerinnen ist insgesamt dort einfach sehr hoch.

Trainieren Sie speziell anders auf die US-Tour hin?
KL: Eigentlich kommt man ja irgendwie immer auf das Putten zurück. Letztlich bleibt es bei mir aber bei der Ausgangslage des Drives. Geht der Ball auf die Bahn, habe ich mehr Chancen auf einen guten Schlag ins Grün und auf einen Birdie-Putt. Die Bälle müssen vom Abschlag einfach auf der Linie sein.

Wie sieht Ihre weitere Turnierplanung für die Saison aus?
KL: Ich spiele jetzt drei Wochen Symetra, dann das Qualifying Event für die Evian Championship, danach die ganzen europäischen Turniere und auch die Ricoh Womens British Open. Insgesamt hängt alles auch von den Ergebnissen ab. Ich will auf jeden Fall auch die Symetra-Tourkarte halten.

Mit Blick auf eine Zukunft auf der LPGA Tour - wie wichtig ist für Sie das Zuhause in Deutschland?
KL: Der Standort St. Leon-Rot ist für mich schon sehr wichtig. Ich habe hier meine Familie um mich herum, alle meine Trainer sind hier. Im Moment passt das, so wie es ist. 

'Damengolf in Deutschland ist einfach schwierig', sagt Caroline Masson.

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