Bild Information: Jon Rahm (Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Europas Shooting-Star

Spielerporträt
 

Jon Rahm ist noch keine zwei Jahre Pro und Europas Nummer eins.

Nein, wie ein Bomben-Sportler wirkt der junge Mann, der als der neue Heilsbringer im europäischen Golf gilt, erst einmal nicht: Jon Rahm sieht auf den ersten Blick eher etwas behäbig und ungelenk aus, nicht wie der geborene Athlet. Seine Saison-Bilanz allerdings lehrt den Beobachter dann eines Besseren: Der Spanier hat sich innerhalb von 18 Monaten vom Status des Amateurs unter die Top 5 der Weltrangliste vorgearbeitet, fünf Turniere gewonnen und vor allem in Europa reichlich für Schlagzeilen gesorgt. 

Unter den Fittichen von Tim Mickelson 

Schließlich ist der 23jährige von Geburt an Spanier, was zu der Hoffnung Anlass gibt, dass er womöglich in die Fußstapfen eines Severiano Ballesteros, José Maria Olazabal oder Sergio Garcia tritt. Wobei Rahm zwar einerseits Spanier ist, andererseits aber anders als seine Landsleute eine typisch amerikanische Collegegolf-Ausbildung hinter sich hat. An der Arizona State University, so gibt der junge Mann zu, hat man den Weltklassegolfer, der er heute ist, erst aus ihm gemacht. „Mein Coach wusste nicht, ob ich es schaffen würde“, erinnert er sich. „Er hat einfach auf mich gesetzt“ – angesichts der Tatsache, dass Rahm vor sieben Jahren kein Englisch sprach und noch nie in Amerika gewesen war, ein beachtliches Risiko. Aber Tim Mickelson, Bruder von Phil Mickelson und damals Coach des Herrenteams an der Arizona State University, glaubte an den hitzköpfigen Typen, der schon damals vor Selbstbewusstsein schier zu platzen schien. „Das ist das Erste, was man tun muss, an sich selbst glauben“, wischt er jede Kritik beiseite. „Wenn man selbst nicht an sich glaubt, tut es auch kein anderer.“

Die Zahl jener, die von Rahm überzeugt sind, ist über die Jahre extrem gewachsen. Schließlich wurde der Spanier während seiner Collegezeit zum ersten Golfer, der 60 Wochen die Weltrangliste der Amateure anführte, elf College-Turniersiege für Arizona State einsammelte und sich bei der US Open 2016 als bester Amateur platzierte.

Nach dem Wechsel ins Profilager 2016 nahm der Aufstieg kein Ende: Sein erstes Profiturnier, das Quicken Loan National, führte er die ersten zwei Runden an, am Ende wurde er Dritter. Das erste Turnier der World Golf Championship der Saison 2017 beendete er auf Rang drei, beim folgenden Matchplay-Event verlor er erst im Finale gegen Dustin Johnson. Als er im Frühsommer dann noch die Dubai Duty Free Irish Open gewann, war er unter den Top Ten der Weltrangliste angekommen. Am 21. Januar diesen Jahres wurde er nach seinem Triumph bei der Career Builder Challenge auf Platz 2 geführt. Dass John Rahm in diesem Jahr zu Europas Ryder Cup Team zählen wird, steht außer Frage: „Er wird ein großartiger Zuwachs sein“, ist sich der Routinier Justin Rose sicher. „Ich denke, John Rahm wird in den nächsten Jahren ein Superstar werden.“ Eine Einschätzung, die offenbar auch Tim Mickelson teilt, der seinen Job als Coach an der Arizona State University inzwischen aufgegeben hat, um den neuen Hoffnungsträger als Manager zu begleiten.

Ein Hitzkopf namens Rambo

Dass Jon Rahm im Moment manchmal selbst sein eigenes größtes Hindernis darstellt, ist dabei nicht nur Mickelson bewusst. Der Spanier gilt als sehr hitzköpfig und emotional, zu Beginn seiner Profikarriere wurde er gerne auf dem Platz ein wenig wützend. Inzwischen hat ihm Mickelson deshalb einen Mentalcoach zur Seite gestellt. Joseba del Carmen, der seit 2014 sein Temperament zügeln soll, hat übrigens im Verlauf seiner Karriere mit weit explosiveren Dingen zu tun gehabt als mit Rahm: Früher hat der Mann mit der Entschärfung von Bomben sein Geld verdient

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