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Bereit zum Sprung

Caroline Masson
 

Nach ihrem ersten Sieg auf der LET hat Caroline Masson neue Ziele: Sie will sich für die LPGA Tour qualifizieren. Golf.de hat mit der 23-Jährigen gesprochen und blickt hinter die Kulissen des Profisport-Lebens. 

Justice war der erste, der Caroline Masson zu ihrem Sieg bei der South African Women's Open gratuliert hat. Doch der südafrikanische "Local Caddie", der in dieser Woche überwiegend aus Kostengründen den eigentlichen Stamm-Caddie Oliver Redick ersetzte, war nicht der einzige Gratulant. Neben den anderen LET-Spielerinnen überbrachten auch Günter Kessler und Marcel Siem per Telefon Glückwünsche, Martin Kaymer gratulierte über seine Facebook-Seite.

Caro Masson ist angekommen. Mit 23 hat sie ihren ersten Titel auf der LET eingefahren und gleichzeitig Platz eins in der Order of Merit übernommen. 134.514 Euro Preisgeld holte sie bei aktuell elf Starts. Das sind nicht die Summen, die man von Spielern wie Tiger Woods oder Martin Kaymer gewohnt ist, aber es ist viel Geld in der europäischen Spitzenliga der Damen.

Massons nächster Schritt? Sie will auf die LPGA Tour! "Es ist leider nicht so wie bei den Herren, dass man mit einem Sieg auch Einladungen auf der US-Tour erhält. Ich muss ganz regulär in die Q-School", sagt Masson über die Chance, in den USA zu spielen. Anfang Oktober geht es für Masson direkt zur 2nd Stage, die Final Stage findet dann im Dezember statt. "Aber ich kann entspannt rangehen, da ich die Karte in Europa für zwei Jahre fest habe", ergänzt sie. Sandra Gal hat ebenfalls per SMS zum Erfolg in Südafrika gratuliert. Beide kennen sich aus Amateurzeiten, als sie für den GC Hubbeltrath in der Mannschaft spielten. "Klar, ist sie ein Vorbild. Sie hat einen anderen Weg eingeschlagen und ist über das College nach Amerika gegangen. Ich wiederum versuche es über die LET", erklärt Masson. "Es ist beeindruckend, wie sie sich auf der LPGA Tour schlägt und bereits gewinnen konnte." 

Erst einmal stehen aber noch zwei große Events in Europa an. Für das Evian Masters (26. bis 29 Juli) war Masson schon vor ihrem Sieg über die Weltrangliste qualifiziert, danach folgt Mitte September die Women's British Open. Im Vorjahr belegte Masson einen erstklassigen fünften Platz und spielte bis zum Schluss um den Sieg mit. Wie ist die Erwartungshaltung in diesem Jahr? "Die British Open ist etwas ganz besonderes, wie auch die Links-Plätze, auf denen die Open ausgetragen wird. Aber es kann eben auch alles passieren", berichtet die zur Zeit erfolgreichste LET-Spielerin.
"Es wäre schön, wieder so zu spielen, aber generell freue ich mich einfach, dass ich mich mit den besten Spielerinnen messen kann." Doch die ehemalige Spitzenamateurin, die zu ihren Kaderzeiten zahlreiche Erfolge feierte und mit einem Handicap von +4,8 Ende 2009 zu den Profis wechselte, weiß durchaus, dass sie auch bei schwierigen Bedingungen auf ihr Spiel setzen kann. "Das Resultat hat mir gezeigt, dass mir das Spiel im Wind in gewisser Weise liegt." Auch in Südafrika fegte der Wind teilweise heftig über den Platz - Masson konterte. "Mein kurzes Spiel war sehr gut. Ich konnte viele Up-and-downs machen. Bei der British Open waren auch die langen Schläge sehr gut. Ich glaube, ich habe in Carnoustie keine Fairway-Bunker mitgenommen." Aber woher kommt es, dass sie im eher windstillen Deutschland so eine starke Wind-Spielerin wurde. "Ich bin relativ flexibel, kann den Ball ein bisschen shapen und ganz gut flach halten", lautet die bescheidene Antwort. Keine schlechten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Open. Und es passt, dass sie Links-Plätze wie Royal County Down in Nordirland ("habe ich mal mit dem Mädchenkader gespielt") zu ihren Lieblingskursen zählt. Mit einer starken Platzierung beim letzten Major der Damen wäre auch ein zweites Ziel in Reichweite: der Gewinn der Money List. Doch es wird ein enges Rennen. Die Schottin Carly Booth hat aktuell nur knapp 10.000 Euro Rückstand.

Wichtig ist für so einen Erfolg das Team: Mit Günter Kessler trainiert sie der Mann, der auch Martin Kaymer und Marcel Siem zu seinen Schützlingen zählt. Meist wird in Neuss am Schwung gefeilt, Kessler sei "spontan" und "unkompliziert". Zudem kennt er Masson, seit sie zwölf Jahre jung ist. "Meiner Meinung nach ist er der beste Trainer Deutschlands", fügt sie noch an. Vermittelt Günter Kessler eigentlich bei all' seinen Spielern den gleichen Schwung? Masson will das weder verneinen noch bejahen. "Ich habe gehört, mein Schwung würde dem von Martin ähneln. Aber im Großen und Ganzen ist der Schwung etwas sehr Individuelles."

Darüber hinaus unterstützt sie die Familie: Masson spielte als Kind Tennis, wechselte dann aber rasch zum Golf. Ihr Vater ist Tennis-Lehrer, hat aber "nie Druck gemacht". Mittlerweile spielen auch die Eltern ein bisschen mehr Golf, insgesamt geht es bei den Massons sehr sportlich, aber eben auch familiär zu. "Ich freue mich riesig, wenn ich zu Hause bin", sagt sie. "Wir haben eine Art Ritual, dass wir mit der Familie Essen gehen. Das weiß man zu schätzen, wenn man viel weg ist." Mit Freunden hält sie den Kontakt über das Internet: Skypen und Facebook heißen die modernen Kommunikationswege.

Bleibt noch die Frage nach dem deutschen Golf: Wie könnte man den Golfsport deutschlandweit populärer machen? "Das ist sehr schwierig. Man müsste versuchen, Golf zugänglicher zu machen. Es ist zu teuer und oftmals schwer, in die Clubs reinzukommen. Man sollte die Chance haben, es mal auszuprobieren." Vorbilder oder Botschafter sind ihrer Meinung nach wichtig - und die hat Deutschland eigentlich: "Leider gibt es immer noch das Bild des elitären und reichen Golfspielers. Dabei geht es um Begeisterung und Spaß, wenn man sich darauf einlässt. Marcel Siem ist dank seiner erfrischenden Art ein guter Botschafter. Martin sowieso. Wenn ich ihn mal treffe, hat er immer gute Storys zu erzählen."

Was macht Caro Masson eigentlich während der Open-Woche? Natürlich zugucken. "Den ganzen Tag wird der Fernseher laufen. Es ist cool, wenn die Majors anstehen." Darin unterscheidet sich dann nicht mal der Profi vom einfachen Fan.

tsz


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