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'Ich bin kein alter Haudegen'

 

Martin Kaymer über das Jahr 2011, die Entscheidung, in der kommenden Saison überwiegend in Europa abzuschlagen und den Gewinner der Dubai World Championship. 

Golf.de: Sie haben in diesem Jahr zwei Siege eingefahren und wurden die Nummer eins der Welt. Andererseits hatten Sie bei den Majors nicht so viel Erfolg. Wie bewerten Sie die Saison 2011?

Martin Kaymer: Es war eine sehr gute Saison. Ich habe viel dazugelernt. Auch abseits des Platzes. Gerade dadurch, dass ich die Nummer eins war, kamen viele Verpflichtungen auf mich zu. Golferisch war es trotzdem eine gutes Jahr – ich habe zwei Turniere gewonnen, darunter mit dem WGC ein Riesen-Turnier, wurde mit Alex Cejka im World Cup Zweiter und bin im März die Nummer eins der Welt geworden. Von daher würde ich nicht sagen, dass es eine durchschnittliche oder schlechte Saison war. Die Erwartungshaltung war zwar sehr hoch, gerade wegen 2010, aber ich glaube, dass es dennoch ein gutes Jahr war. Das ist zumindest meine Meinung.

Golf.de: Lee Westwood und Rory McIlroy spielen ab der kommenden Saison einen Großteil in den USA und haben die US-Mitgliedschaft angenommen. War das keine Option für Sie?
Kaymer: Ich habe darüber nachgedacht und beide Kalender, den der US PGA und der European Tour, verglichen. Ich würde sehr gerne mal eine Saison in Amerika spielen, aber mit den 15 Turnieren ist der Reise-Aufwand sehr hoch. Die Turniere, die ich mir ausgesucht hätte, die haben sich mit der European Tour stark überschnitten. Daher war es schwierig.

Golf.de: Werden Sie in Ihrem Spielplan 2012 etwas gegenüber diesem Jahr ändern?
Kaymer: Ich werde wahrscheinlich in Blöcken spielen. Drei bis vier Turniere in Folge und dann drei bis vier Wochen Pause. Von der Anzahl der Turniere wird sich jedoch nicht viel ändern.

Golf.de: Spielen Sie das Eröffnungsturnier auf Hawaii der US-Tour mit? Dank Ihres WGC-Titels waren Sie für das Sieger-Turnier qualifiziert...
Kaymer: Auch darüber habe ich nachgedacht. Aber es war bis Mitte Dezember eine sehr lange Saison. Ich hätte nur drei Wochen frei gehabt, mein Ziel war es aber, eine komplette Pause von sechs Wochen zu haben.

Golf.de: Was ist eigentlich dran an den ganzen Gerüchten über Ihre Schwungumstellung? Dass Sie für Augusta den Draw in Ihr Spiel einbauen wollten zum Beispiel.
Kaymer: Meinen Schwung würde ich nie wegen eines Turniers ändern. Aber es wäre schön, wenn ich den Draw, den ich vorher nicht spielen konnte, zu meinem Repertoire hinzufügen könnte. Mittlerweile gelingt mir das schon deutlich besser. Deswegen habe ich meine Bewegung ein bisschen an den Idealschwung, an dem Günter (Kessler, Kaymers Trainer; Anm. d. Red.) und ich schon seit Jahren arbeiten, angepasst. Diese Saison haben wir etwas mehr als die Jahre zuvor gemacht – und viele sagten, dass ich deshalb nicht so gut gespielt hätte. Da kam aber auch die Nummer eins dazu und einiges andere Sachen, die mir nicht wie im vergangenen Jahr den Rücken frei gehalten haben. Noch mal: Das ist keine Schwungumstellung. Wenn ich sehe, dass ich noch besser spielen kann, dann möchte ich auch versuchen, da hinzukommen. Das war der Grund, warum ich dieses Jahr einige Dinge geändert habe. 


Golf.de: Es handelt sich also eher um Veränderungen von außen, wie das Erreichen der höchsten Weltranglistenposition plus das gesteigerte Interesse der Medien als Änderungen an Ihrem Spiel?
Kaymer: Ja, durchaus. Wenn man wie ich erst 26 Jahre alt ist – ich bin schließlich kein alter Haudegen auf der Tour – muss man sich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, die Nummer eins in einer Sportart zu sein. Der Auftritt im Aktuellen Sportstudio zum Beispiel und der Zuspruch der Medien waren ganz neue Erfahrungen, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Ich wurde das Golfgesicht Deutschlands und auch in Amerika ein bisschen berühmter. Das sind alles Dinge, mit denen ich so nicht gerechnet hatte.

Golf.de: Haben Sie eine Erklärung, warum die meisten deutschen Profis mit Günter Kessler trainieren? Unter anderem ja auch Marcel Siem, Caro Masson und Nicolas Meitinger. Gibt es keine Alternativen?
Kaymer: Ach, das mit Nicolas Meitinger wusste ich gar nicht. Wir arbeiten seit 13 Jahren zusammen und verstehen uns menschlich perfekt. Für mich funktioniert er als Trainer super. Ob es andere Trainer in Deutschland gibt, die besser oder schlechter sind, kann ich nicht sagen. Aber die Zusammenarbeit zwischen Günter und mir funktioniert einfach gut. 
 
Golf.de: Ihre Bilanz: Wie hat sich Ihr Caddie-Wechsel von Craig Connelly zu Christian Donald ausgewirkt?
Kaymer: Wir haben uns gleich von Beginn an gut verstanden und auch gutes Golf miteinander gespielt. Nur vom Scoren her hat es am Anfang nicht wirklich gepasst. Spielerisch haben wir uns sehr schnell aufeinander einstimmen können. Deswegen war es umso schöner, unseren ersten Sieg feiern zu können. Gerade bei so einem großen Turnier wie einem WGC.
 
Golf.de: Ihr Spieler des Jahres?
Kaymer: Luke Donald auf jeden Fall. Er hat so konstant gespielt, vier Turniere gewonnen und auch hier in Dubai wieder gezeigt, dass er dem Druck standhalten kann. Ich habe ihn zumindest bei der European Tour Weekly als Spieler des Jahres nominiert. Für mich war er die Nummer eins. 
 
Golf.de: Glauben Sie, dass Tiger Woods zu alter Form zurückfinden kann?
Kaymer: Ich glaube schon. Er ist einer der weltbesten Golfer. Wenn nicht sogar der beste Spieler der Welt. Das hat er zwar die letzten zwei Jahre nicht wirklich zeigen können, aber wie er in der Vergangenheit Golf gespielt hat, gerade um das Jahr 2000 herum, das war schon sensationell. Das Potential ist auf jeden Fall da. 

Golf.de: Wie sehen Ihre Urlaubspläne für insgesamt sechs Wochen Pause aus?
Kaymer: Ich fliege mit meinem Bruder und einem Freund von mir in die Dominikanische Republik. Weihnachten, Geburtstag und Silvester werde ich wahrscheinlich in Amerika feiern. Wo genau, weiß ich noch nicht. Vielleicht fliege ich für ein paar Tage nach Mexiko. Ein paar Tage mal etwas ganz anderes machen. Die Golfschläger in die Ecke stellen. Vielleicht Schnorcheln gehen oder Jet-Ski fahren, solche Sachen eben.

Golf.de: Wann geht die Vorbereitung dann wieder los?
Kaymer: So etwa drei Wochen vor Abu Dhabi werde ich wieder trainieren. Ich habe von TaylorMade neue Schläger bekommen, mal sehen, wie die funktionieren. Da muss man sich natürlich auch erst dran gewöhnen. Das dauert bei mir immer etwas länger als bei anderen, denn ich stecke nicht immer gleich den Schläger ins Bag, der gerade neu ist.

Golf.de: Welche Schläger sind das?
Kaymer: Die neuen Eisen von TaylorMade, die dieses Jahr herausgekommen sind. Es müsste auch neue Hölzer geben. Aber die haben wir bislang noch nicht. 

Golf.de: Was macht Ihr Spanisch, falls es nach Mexiko geht?
Kaymer: Es ist okay. Ich bin noch dabei, ich habe das noch nicht aufgegeben. Alvaro hilft mir ab und zu. Auf den Flügen kann man immer ganz gut lernen. 

Golf.de: Apropos Quiros – sie beide gelten als die dicksten Kumpels auf der Tour. Was sagen Sie zu seinem Sieg in Dubai?
Kaymer: Ich habe mich für ihn total gefreut. Er kann ein Superstar werden, denn sein Charisma, sein ganzes Auftreten macht die Leute glücklich. Er ist ein sehr positiver Mensch. Wenn er noch mehr von den großen Turnieren gewinnen könnte, wäre das sensationell. Das Jahr so abzuschließen – die Freude konnte man an der 18 gut sehen – , das war schon toll anzusehen. 
 
Golf.de: Haben Sie ihn eigentlich an ihren Manager Johan Elliot vermittelt, bei dem er nun ebenfalls unter Vertrag steht?
Kaymer: Alvaro hat mich einmal gefragt, wie die Zusammenarbeit läuft. Wir haben uns darüber unterhalten, denn wir kennen uns jetzt schon seit gut neun Jahren. Ich will nicht sagen vermitteln, aber er hat mich gefragt – und ich habe die Empfehlung ausgesprochen, dass ich sehr gut mit Johan zurecht komme. Menschlich passt das super. Und ich denke, es ist auch für Alvaro wichtig, dass es auf der persönlichen Ebene richtig funktioniert.


tsz

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