Bild Information: Mathieu Decottignies Lafon gewinnt die Polish Open 2018 (Photo by Pro Golf Tour)

Rekord-Playoff auf der Pro Golf Tour

Pro Golf Tour
 

Bei der Polish Open schreiben Matthieu Decottignies Lafon und Ondrej Lieser Golfgeschichte.

Brzezno, PolenDie Polish Open 2018 geht in die Geschichte der Pro Golf Tour, ja in die Geschichte des Golfsports ein: Erst am zehnten Extra-Loch des Stechens stand der Franzose Mathieu Decottignies Lafon am frühen Mittwochabend als Sieger des Turniers fest, als er den Titel mit einem Birdie an Bahn 18, einem 150 Meter Par 3 über Wasser, unter Dach und Fach brachte und den Tschechen Ondrej Lieser auf Platz zwei verwies.

Nur ein Sudden-Death-Playoff in der Geschichte des Golfsports hat bei den Herren länger gedauert: Im Jahr 1949 einigten sich Cary Middlecoff und Lloyd Mangrum bei der Motor City Open in Detroit darauf, den Sieg des PGA Tour-Turniers nach elf Löchern und Gleichstand zu teilen. Platz 2 weltweit und den Europarekord hält nun die Pro Golf Tour.

Decottignies Lafon gewinnt am 10. Extra-Loch

Die Geschichte der Polish Open 2018 begann, als das Turnier fast zu Ende war. Als alle Akteure im Gradi Golf Club im polnischen Brzezno die üblichen 54 Wertungslöcher absolviert hatten und für den Franzosen Mathieu Decottignies Lafon und den Tschechen Ondrej Lieser Teil zwei des wohl längsten Golftags ihrer Karriere begann.

Ein Tag, der für Ondrej Lieser schon viel länger dauerte als für seinen Kontrahenten: Witterungsbedingt hatte der Tscheche 14 Löcher seiner zweiten Runde erst am Morgen des dritten Turniertags spielen können. Als er schließlich zum Playoff antrat, hatte er bereits 32 Löcher gespielt. Zehn weitere sollten folgen.

Nach drei Wertungsrunden lagen beiden Spieler mit 18 unter Par schlaggleich auf Rang 1. Ondrej Lieser hatte 66, 62 und 64 Schläge benötigt, Decottignies Lafon den Par-70-Parcours mit 69, 61 und 62 Schlägen absolviert - und sich nach der 69er-Runde lautstark über den in seinen Augen zu leichten Platz beschwert.

Der 5.437 Meter lange Parcours des Gradi Golf Club ist tatsächlich kein Goliath. Doch die abwechslungsreichen Spielbahnen waren so gut präpariert, dass die Aktiven in drei Turnierrunden 1018 Birdies spielten und 25 Mal zum Eagle einlochten. Der Cut lag bei 2 unter Par, die beste Runde gelang dem Franzosen David Antonelli, der für Durchgang zwei nur 60 Schläge benötigte; der Platzrekord ist bei 59 Schlägen fixiert.

Weitere Randnotiz: Hinrich Arkenau vom Golf Club zur Vahr in Bremen sicherte sich mit einer 63er-Finalrunde Rang 3 und wurde bester Deutscher.

Thema Platzrekord: Die magische 59 nahm Mathieu Decottignies Lafon am dritten Turniertag ins Visier: "Ich habe mich am Anfang etwas aufgeregt, dass der Platz eigentlich viel zu leicht ist. Dann aber habe ich nachgedacht und erkannt, dass man hier wirklich mal eine 59er-Runde spielen kann. Und das habe ich versucht", so der Franzose. "Ich habe mich mental völlig neu sortiert und versucht, einfach so gut wie möglich zu spielen und eine 59 zu schaffen. Dazu hat man nicht oft Gelegenheit bei einem Turnier!"

Mit der Rekordrunde wurde es am Ende nichts, doch die kaum weniger beeindruckende 62er-Finalrunde brachte ihn ins Stechen mit Ondrej Lieser. Turnierdirektor Sven Slopianka schickt die beiden Spitzenreiter auf Bahn 18, ein 150 Meter langes Par 3 über Wasser auf ein Halbinsel-Grün. Viermal teilen sie das Loch mit Par, dann spielen beide Birdie, danach wieder viermal Par.

Nach knapp zwei Stunden Playoff fiel die Entscheidung schließlich zu Gunsten des Franzosen, als Decottignies Lafon seinen Ball aus knapp zwei Metern zum Birdie einlocht, Ondrej Lieser nur Par spielt. Bemerkenswert: Beide (!) reißen jubelnd die Arme in die Höhe und feiern das längste Sudden-Death-Playoff in der Geschichte der Pro Golf Tour und das zweitlängste in der Geschichte des Golfsports.

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende

"Ich war natürlich überglücklich, dass ich gewonnen habe, aber auch Ondrej war einfach nur froh, dass es vorbei war", so der Sieger. "Ich bin sehr zufrieden, dass ich mich so gut auf dieses Turnier einstellen und meine Konzentration auch in diesem Mammut-Playoff hochhalten konnte." Mit dem Gewinn der Polish Open feiert der Mann aus dem französischen Bondues seinen zweiten Saisonsieg; Ende April hatte er bereits die Haugschlag NÖ Open in Österreich gewonnen.

Mit nun 15.487 Punkten übernimmt der 25-Jährige auch Platz 1 der Pro Golf Tour Order of Merit und gehört zu den Top-Favoriten für den Aufstieg. Am Ende der Saison rücken die Top 5 des Rankings der Pro Golf Tour auf zur European Challenge Tour 2019. Aktuell sind 13 von 20 Saison-Turnieren absolviert.

Doch wenn möglich, will der neue Playoff-Rekordhalter nicht so lange auf den Sprung in die nächste Liga warten. Decottignies Lafon: "Ich habe mir zu Saisonbeginn vorgenommen, drei Turniere zu gewinnen und auf diese Weise sofort auf die European Challenge Tour aufzusteigen. Diesem Ziel bin ich jetzt einen sehr großen Schritt näher gekommen."

Die Möglichkeit, das dritte Turnier in diesem Jahr zu gewinnen, was das sofortige Startrecht auf der European Challenge Tour zur Folge hätte, gibt es bereits in der kommenden Woche: Mit der Broekpolder International Open 2018, die vom 5. bis 7. Juli auf dem Programm steht, feiert die Pro Golf Tour ihre Rückkehr in die Niederlande, wo sie zuletzt im Jahr 2008 gastierte.

Im Golfclub Broekpolder in der Nähe von Rotterdam kämpfen die Spieler um weitere 30.000 Euro Preisgeld und um ebenso viele Ranglistenpunkte.

Alle Turnierergebnisse und weitere Informationen gibt es auf ProGolfTour.de

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