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Kaymers Auferstehung

PGA Tour
 

Ponte Vedra Beach, Florida: Martin Kaymer ist der Mann für die großen Titel auf der US PGA Tour. Fast vier Jahre nach dem Triumph bei der PGA Championship gewinnt der 29-Jährige die Players Championship - nach 17 Monaten ohne Titel und einem unfassbaren Krimi in der Finalrunde auf dem TPC Sawgrass.

Wer sollte Martin Kaymer noch aufhalten? Es wurde langsam Abend auf dem TPC Sawgrass, als Kaymer die Players Championship plötzlich mit vier Schlägen anführte. Der Schwung sicher wie hohe Einschaltquoten bei Woods-Siegen. Und die Nerven im Griff: Kein Bogey auf 13 Löchern. Alles schien wie gemacht für den größten Erfolg für den 29-Jährigen seit seinem Major-Titel in Whistling Straits 2010 bei der PGA Championship.

Was sollte noch kommen? Mit einem Wort: Einiges. Erst kam das Gewitter. Dann eine 90-minütige Wetterunterbrechung. Dann kam der Regen. Und dann verzog Kaymer seinen Abschlag an der 15 weit nach links nahe eines Baumes. Von dort verpasste er das Grün weit links. Es folgte das Doppel-Bogey an einem der einfachsten Bahnen des Kurses. Und plötzlich hatte Kaymer nur noch einen Schlag Vorsprung auf Jim Furyk, der es sich inzwischen im Clubhaus mit zwölf unter Par gemütlich gemacht hatte.

Plötzlich zeigte Kaymer Nerven, und wie. "Ich habe dann einige falsche Entscheidungen getroffen", sollte er später sagen. An der 16 versuchte er es von weit abseits des Grüns mit dem Putter, konnte die Geschwindigkeit nicht wirklich einschätzen und ließ sich zwei weitere Putts - und verpasste an diesem Sonntag erstmals das Birdie auf einem Par 5. Und es wurde noch verrückter. An der 17 erwischte sein Ball eine Welle, rollte Richtung Wasser und blieb Zentimeter davor liegen. Ein weiterer unsicherer Chip ließ ihm einen langen Putt - mit viel Break. Alles lief plötzlich gegen ihn. Und wieder kam alles anders. Kaymer lochte sensationell. Ein Putt, der in die Geschichte der Players Championship eingehen wird.
Es blieb ein Schlag Führung. Und ein Loch. Und Kaymer war plötzlich wieder Herr der Lage. Er lochte zum sicheren Par, als die Sonne schon komplett am Horizont verschwunden war. Bei 13 unter Par ließ er Furyk einen Schlag zurück, was bedeutete: Der zweite Titel für Kaymer in den USA nach seinem Major-Triumph, sein zweitgrößter nach der PGA Championship 2010. Nach Jahren kleinerer und größerer Misserfolge und wenig großen Momenten ließ er am Muttertag 2014 einen sehr, sehr großen folgen.

Über seinen Putt an der 17 sagte Kaymer: "Ich habe meinen Instinkten vertraut." Die Dunkelheit hatte ihm nicht viel mehr Möglichkeiten gelassen. Doch er nutzte sie. Kaymer ist damit erst der vierte Europäer, der die Players Championship gewinnt. Er ist zudem der erste Europäer, der in diesem Jahr auf der US PGA Tour triumphiert.

Den dritten Platz sicherte sich Sergio Garcia, der sich mit einer 70er Runde auf elf unter Par verbesserte. Einen Schlag dahinter folgen Kaymers Flightpartner Jordan Spieth und Justin Rose (69). Auch Rory McIlroy sammelte erneut ein gutes Ergebnis und teilt sich unter anderem mit Lee Westwood Rang sechs bei neun unter Par. Die Nacht gehörte jedoch dem Deutschen, der nun im Alter von 29 Jahren bereits einen Major-, einen WGC-, zwei Ryder-Cup- und einen Players-Titel feiern konnte. Eine Auferstehung nach Monaten und Jahren des Zweifelns, die nun ihren Schulusspunkt am Tag der Gewissheit  haben: Ich habe das Spiel für große Siege.

Mutiger, selbstbewusster Schwung
Um zu erkennen, dass dieser Martin Kaymer des späten Frühjahrs 2014 ein anderer ist, gab es in den Tagen der Players Championship einige Momente. Einer der herausragenden war an Loch 13 während der Finalrunde zu bestaunen. Wie so oft vor der Wetterunterbrechung legte Kaymer alles in seinen Schwung, voller Vertrauen, ohne Zweifel, in einer aggressiven Linie Richtung Wasser - aber eben auch Richtung Fahne des Par 3. Der Mut wurde belohnt, der Ball landete wenige Meter entfernt von der Fahne. Von den Rängen hörte man "Europe, Europe" Sprechchöre.

Martin Kaymer hat an diesem Sonntag nicht sein bestes Golf der Tage auf dem TPC Sawgrass gezeigt, da war eben diese Auftaktrunde, Einstellung des Platzrekords von 63 Schlägen. Doch ein Sonntag hat seine eigenen Regeln. Und Kaymer hat gezeigt, dass er nach guten Ergebnissen zuletzt, die aufgrund einzelner schlechter Tage nicht sehr gute waren, immer noch die Klasse und die Nerven eines Weltklassespielers besitzt, um im entscheidenden Moment gutes Golf (ohne Bogey bis zur Unterbrechung) unter größtem Druck spielen zu können. Die Momente nach der Wetterunterbrechung sind noch einmal eine ganz andere Stresssituation, die er am Ende glücklich meisterte.

Sein Bunkerspiel war auch am Sonntag bis zur 15 überragend, zudem konnte er in wichtigen Momenten seinem Putter vertrauen. So beispielsweise an der Sechs, als er das Par aus gut drei Metern rettete - zu einem Zeitpunkt, als er noch gleichauf mit Jordan Spieth lag - und eben an der 17. Und so war er der Sieger in dem Moment, als sich die Nacht über den TPC Sawgrass legte. Der Stern Kaymers schien wieder so hell wie vor wenigen Jahren, die kurz zuvor noch so weit entfernt lagen. Ansonsten war es dunkel. Kaymer dürfte das nun so richtig egal gewesen sein.

fpf



 

Der Platz

"Ich war noch nie besonders gut darin, ein 5er Eisen auf der Motorhaube eines Autos zu stoppen", antwortete der große Jack Nicklaus einst süffisant auf die Frage, ob der Stadium Course zu seinem Spiel passen würde. Zahlreiche Beschwerden über die Schwierigkeit des Platzes waren bei der Premiere 1982 von den teilnehmenden Professionals zu hören. Kritik am Konzept der Designer gab es vor allem für die betonharten Grüns und die Platzierung der zahlreichen Bunker. Die Architekten Pete Dye und seine Frau Alice nahmen sich die Klagen zu Herzen und optimierten die 18 Bahnen schließlich zur Zufriedenheit der Teilnehmer.

Der Höhepunkt jeden Durchlaufs wartet am 17. Loch. 125 Meter vom Championship-Abschlag, Wasser und Tausende von Zuschauern lassen das Loch für jeden noch so abgezockten Profi zur Nervenprobe werden. Die Nervosität in Zahlen: Bei der Austragung 2007 landeten 93 Bälle allein auf dem "Signature Hole" im Wasser - Rekord. "Wenn Du nicht aufpasst, fängst Du vielleicht schon einen Monat vorher an, Dir darüber den Kopf zu zerbrechen", hat Ernie Els einmal zugegeben. Und Phil Mickelson ergänzt: "Du versuchst, das Loch bis zur letzten Minute auszublenden."

Probleme bereiteten im Vorfeld die Grüns der Anlage. Eine verunglückte Behandlung zur Verbesserung der Wurzelbildung in den Wintermonaten führte zu Schaden. Einige Puttflächen bleiben auch für die Proberunde noch geschlossen. Halb so wild erklärte Steve Stricker, der sich am Montag den ersten Eindruck verschaffte. "Ich denke nicht, dass die Qualität einen Einfluss auf das Spiel haben wird", erklärte er.

tfi



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