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"Jetzt bist Du einfach nur noch alt"

Interview: Martin Kaymer
 

In der kommenden Woche steigt Martin Kaymer ins Golfjahr 2015 ein. Mit Golf.de spricht er vorher noch über die zurückliegenden Feste, ein neues Hobby, die Würdigung seines Sports in Deutschland und eine schwierige Trennung.

Golf.de: Herr Kaymer, haben Sie sich von den vielen Parties erholt?
Martin Kaymer: Sie meinen Weihnachten, Geburtstag und Silvester? Naja, das ist ja eigentlich schon ein ungünstiger Zeitpunkt, um Geburtstag zu haben, so direkt nach Weihnachten. Auf der anderen Seite kann ich das natürlich auch positiv sehen: So habe ich während der Saison weniger Ablenkung.

Welcher Kollege hat denn am nettesten gratuliert?
MK: Henrik Stenson hat mir eine SMS geschrieben, aber kann ich die als nett bezeichnen? Wahrscheinlich schon.

Was hat er denn geschrieben?
MK: "Mit 29 warst Du ein junger Spund. Jetzt bist Du einfach nur noch alt."

Wie feiert denn ein "alter Mann"?
MK: Ich mach mir da wirklich nicht so viel Stress. Weihnachten war ich zuhause mit der Familie, das war sehr schön. Auch an meinem 30. war ich zuhause und habe noch ein paar Freunde zum Essen eingeladen. Das war alles sehr entspannt. Und am 30. bin ich kurzfristig noch einmal zum Skifahren nach Italien gefahren.

Sie waren doch vor Weihnachten erst…
MK: Ja, das hat mir so viel Spaß gemacht, da wollte ich die freien Tage um Neujahr eben auch noch einmal nutzen und nicht nur zuhause rumsitzen. Ich hatte ja auch einiges gegessen über Weihnachten, da galt es ein wenig abzutrainieren. Und so haben wir uns das gegenseitig noch einmal geschenkt in der Familie. Sonst schenken wir uns eigentlich gar nichts. 

Und wie läufts am Berg?
MK: Ich habe mich in Italien nicht ein einziges Mal hingelegt. Darauf bin ich schon stolz.

In den vergangenen Jahren haben Sie die Tage in den USA verbracht. Wie ist der Unterschied zu damals nun nach dem Heimatbesuch?
MK: Ich glaube, ich bin nun ausbalancierter. Ich war mit den Leuten zusammen, mit denen ich gerne Zeit verbringe. Dort kann ich sein wie ich bin und es herrscht natürlich Harmonie. Andererseits habe ich auch ein wenig ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht so viel trainiert habe, wie sonst in den USA. Ich bin mal gespannt, was passieren wird. Die Routine der letzten Jahre ist weg. Auch wenn ich im Training jetzt keine großen Unterschiede zum vergangenen Jahr merke.

Welche Unterschiede wird es 2015 bezüglich der Turniere geben?
MK: Ich habe im letzten Jahr wieder viel für meine Turnierplanung gelernt. Im Oktober war ich vom Kopf her sehr platt. Ich habe am Anfang des Jahres zudem eine Fehlplanung gehabt, weil ich nach Katar direkt nach Phoenix geflogen bin, wo ich nie sehr gut gespielt habe, anstatt in Dubai zu bleiben, wo ich immer ganz erfolgreich war. Und vorbereitet hatte ich mich in den USA, also war es ein Hin und  Her. Somit hatte ich schon zwei Jetlags im Januar. Und wenn ich etwas gelernt habe, dann: So wenig Jetlags wie möglich! Jetzt bereite ich mich in Dubai vor und spiele dann auch in Dubai Anfang Februar. Da fällt das schon mal weg.

Reichen da drei Wochen Pause über Weihnachten?
MK: Die Saison 2014 war wirklich lang. Drei Wochen reichen da nicht wirklich. Im März oder April werde ich sicher noch einmal eine größere Pause machen. Denn ab April wird es dann sehr stressig, auch mit dem neuen Matchplay-WGC im Mai. Da kommen dann einige Saison-Highlights zusammen. Und es wird sicherlich ein anstrengendes Major-Jahr. Das Masters ist sowieso immer besonders, dann die US Open als Titelverteidiger, die Open Championship in St. Andrews, wo ich es liebe zu spielen. Und dann wieder Whistling Straits, die PGA Championship, wo ich 2010 das erste Major gewonnen habe. Da darf die Erwartungshaltung nicht zu hoch sein und ich muss ruhig versuchen, mich nicht zu sehr selbst unter Druck zu setzen.

Welche Veränderungen wird es 2015 noch geben?
MK: Ich habe mich Mitte Dezember mit Johan Elliot zusammengesetzt und wir haben beschlossen, seinen Vertrag als mein Manager über das vergangene Jahr hinaus nicht zu verlängern.

Das kommt überraschend. Welche Gründe gab es? Welche Rolle spielen hier ausbleibende Sponsorenverträge wie beispielsweise für den Platz auf dem Bag oder in der Saison 2013 auf der Kappe?
MK: Die Entscheidung war für mich sehr schwierig. Wir haben ja quasi seit Beginn meiner Profikarriere 2007 zusammen gearbeitet. Gründe gibt es natürlich immer, wie auch, wenn ich mich von meinem Caddie trenne. Diese Gründe sind aber meist sehr persönlich und deswegen behalte ich das lieber für mich. Aber ich kann sagen: Wir haben das alles sehr fair geregelt und können uns noch in die Augen schauen.

Wer wird seine Aufgaben übernehmen?
MK: Mein Bruder wird vorerst der Ansprechpartner sein zusammen mit mir und meinem Vater. Natürlich haben wir uns viele Gedanken darüber gemacht, wie denn die Nachfolge aussehen kann. Aber wir haben noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Die weltweite Pressearbeit wird nun mein Medienberater Dirk Schimmel übernehmen.

An anderer Stelle auf dieser Seite haben Sie ihre sportliche Entwicklung in der vergangenen Saison ausführlich beleuchtet. Wie haben Sie sich als Mensch 2014 verändert?
MK: Wie ich persönlich den Erfolg gehandhabt habe, das hat mir gefallen. Ich habe alles sehr viel bewusster wahrgenommen, mich viel wohler gefühlt bei den Siegen bei der US Open und der Players, beim Triumph im Ryder Cup. Ich war gefestigter auf dem Platz. Ich wusste genau, was ich sage und tue. Im Gegensatz zu früher konnte ich das richtig genießen. Damals war das schon anders. Aber ich habe auch erkannt: Du kannst nur dann richtig Spaß haben, wenn du die Kraft hast, das alles auch aufzunehmen. Und die habe ich inzwischen.

Woher?
MK: Ich habe gelernt, dass ich Pausen auch wirklich als Pausen nutzen muss. Und dann eben nicht wieder ein Workout dazwischen schiebe, oder Sponsoren oder Presse. Das habe ich die ersten drei, vier Jahre in meiner Karriere nicht gemacht und dann eben Turniere gespielt, bei denen ich nicht zu hundert Prozent da war.

Apropos Kraft: Der Golfsport wird athletischer, der trainierte Körper zur Grundvoraussetzung. Einige Kollegen kritisieren die Konzentration auf Länge und Kraft und die Zunahme von Verletzungen. Die Lebensdauer einer Profikarriere werde dadurch verkürzt. Wie sehen Sie die Entwicklung?
MK: Ich glaube daran, dass mein Fitnesstraining mich eben davor bewahrt, mich zu verletzen. Wenn ich mich dennoch verletzen würde, hätte ich unter Umständen im Fitnessraum etwas falsch gemacht. Ich trainiere, um fit zu bleiben. Es ist dabei wichtig, langfristig zu denken, flexibel zu bleiben, die Gelenke geschmeidig zu halten und auf den Körper zu hören, was er gerade braucht. Natürlich gehört da auch ein bisschen so genannte "Beach-Muscle" dazu, man will ja den Erfolg auch sehen. Das mache ich auch, auch wenn es eigentlich keinen Sinn macht. Aber alles muss sich richtig anfühlen. Dann kann man nicht so viel falsch machen, denke ich.

Sie sind jetzt gerade 30 geworden und schon ein paar Jahre auf der Tour. Was hat sich Ihrer Meinung nach sonst geändert im Profigolf seit Sie dabei sind?
MK: Was ich ein bisschen schade finde, ist, dass wir heutzutage so wenig Turniere in Europa spielen. Mein erstes Mal 2015 wird wahrscheinlich Wentworth im Mai sein. Natürlich hat das auch mit meinem geänderten Status zu tun. Wenn ich vorher auf der European Tour einsteigen würde, müsste ich bei diesen Turnieren, die ich ja früher gespielt habe, beispielsweise Madeira, schon Zweiter oder Dritter werden, um nicht Weltranglistenpunkte zu verlieren. Schade ist das trotzdem.

Marcel Siem hat neulich beklagt, Sie bekämen zu wenig Würdigung in Deutschland. Sehen Sie das auch so?
MK: Hm, es ist schwer, hier ja oder nein zu sagen. Aber es ist schon so, dass ich mir nach solchen Turniersiegen wie bei der US Open, der ja sehr deutlich war, schon mehr Anerkennung für unseren Sport wünschen würde. Auch wenn es vielleicht eine Ego-Sache ist, wäre es schön, wenn Deutschland auch den Erfolg von Sportlern sieht, die nicht so im Vordergrund stehen. Deswegen hat es mich gefreut, dass bei der Sportler des Jahres Wahl auf den Plätzen zwei und drei Sportler lagen, die normal auch nicht so im Rampenlicht sind (Kombinierer Eric Frenzel und Rodler Felix Loch, Anm. d. Red.).

Also können Sie mit Platz vier leben?
MK: Sehr gut sogar!

Interview: Frieder Pfeiffer

Hier geht es zur Homepage von Martin Kaymer Martin Kaymer bewertet für Golf.de sein Jahr 2014

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