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Vom Kommentator zum Champion

Alfred Dunhill Links Championship - Runde 4
 

St. Andrews / Schottland - Sieben Jahre nach seinem letzten Sieg gewinnt David Howell wieder ein Turnier der European Tour. Im Stechen setzt sich der Engländer auf dem zweiten Extraloch gegen Peter Uihlein durch. Martin Kaymer schließt auf dem geteilten siebten Rang ab.

"Wir haben Wind", twitterte die European Tour zu Beginn der Finalrunde der Alfred Dunhill Links Championship. "Wir haben endlich Wind." Nach drei Tagen, an denen sich die Fahnen am Ende eines jeden Flaggenstocks nur geringfügig bewegten, wurden die Spieler am Sonntag auf dem Old Course von typisch schottischem Wetter begrüßt. Trotz 15 Grad Außentemperatur traten die meisten Professionals mit mehreren Schichten ans erste Tee vor dem Clubhaus der R&A. Der Wind an der Küste St. Andrews hielt die gefühlte Temperatur nur knapp über dem Gefrierpunkt. Aber das ist es doch, mit dem man bei einer Links Championship rechnet.

Auf den Front Nine hält Kaymer Anschluss
Doch Martin Kaymer benötigte nicht lang, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Mit einem kurzen Pitch ins erste Grün brachte er direkt das erste Birdie auf die Scorekarte und konnte trotz eines groß aufspielenden Thomas Levet den Anschluss zur Spitze halten. Doch der Rückenwind auf der ersten Halbrunde machte es nicht leicht, die Bälle auf den Grüns zum Halten zu bekommen. Und so tat sich auch Kaymer schwer, auf den kurzen ersten Löchern weitere Birdies zu spielen.

Vom ersten Bogey des Tages am vierten Loch ließ sich der Deutsche allerdings auch noch nicht aus der Ruhe bringen, nutzte das erste Par 5 der Front Nine zur Ergebniskorrektur zurück auf 19 unter Par. An der Sechs verharrte er dann sekundenlang auf seinen Putter gestützt. Er konnte es nicht glauben, dass der Ball keinen Break annahm. Und auch auf dem folgenden Par 4 konnte er nach einer traumhaften Annäherung bis auf zwei Meter ans Loch nicht zum Birdie verwandeln. In 35 Schlägen (-1) und einem Zwischenergebnis von 19 unter Par erreichte Kaymer schließlich die Halbzeitmarke auf dem Old Course von St. Andrews und hatte knapp drei Stunden vor dem letzten Putt vier Schläge Rückstand zur Spitze.

Auf den Back Nine fehlte der Glanz
Die Entscheidung sollte aber auf den Back Nine fallen, wenn es zurück zum Clubhaus der R&A und zurück in den starken schottischen Wind ging. Mit nur zwei Birdies bei ebenso vielen Bogeys auf der zweiten Halbrunde konnte sich Kaymer nicht mehr bis auf die am Vortag erwähnten "ein bis zwei Schläge" an die Spitze bringen, um noch eine Chance auf den Sieg zu haben. Spätestens nach dem Bogey auf dem einzigen Par 5 der Back Nine waren seine Chancen auf die Wiederholung seines Titelgewinns von 2010 auf ein Minimum gesunken.

Mit einer 71 (-1) hielt sich der Deutsche dann aber immerhin noch in den Top Zehn, teilte sich am Ende des Links-Klassikers im "Home of Golf" Rang sieben mit Charl Schwartzel, Thomas Levet, Chris Woods und Ricardo Gonzalez, mit dem er die Finalrunde bestritten hatte. Zusammen mit Bruder Philip reichte es mit einem Gesamtergebnis von 33 unter Par für die Kaymers in der ProAm-Wertung zu einem fantastischen neunten Rang. Vor allem, da Philip mit einem nahen Scratch-Handicap eine der schwierigsten Ausgangspositionen der Amateure hatte und nur auf einem Loch mit Vorgabe spielte. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir überhaupt den Cut überstehen würden", sagte Kaymer am Samstag.

Stechen muss die Entscheidung bringen
Der Eine ist einer der aufstrebenden Stars, der andere einer der erfahrensten Spieler im Feld, der sogar schon für sein Karriereende geplant hat. Peter Uihlein und David Howell zogen bei 23 unter Par schlaggleich ins Stechen um den Titel bei der Dunhill Links Championship ein.

Uihlein, der am Freitag mit seiner Chance zur ersten 59 in der Geschichte der European Tour auf sich aufmerksam gemacht hatte, und am Samstag mit einem Pitch-In auf der 18 des Old Course die alleinige Führung bei 20 unter Par übernommen hatte, startete denkbar ungünstig mit einem Bogey auf dem einfachen ersten Loch des Old Course in die Finalrunde. Doch drei Birdies zum Ende der Front Nine brachten den jungen Amerikaner zurück ins Rennen, ein weiterer Schlaggewinn auf Loch 12 sogar wieder an die Spitze. Der entscheidende Unterschied waren aber die vermiedenen Fehler auf den Back Nine. Ohne Bogey meisterte Uihlein den windigen Weg zurück ins Clubhaus und zu einer abschließenden 69 (-3).

Howell auf der anderen Seite begann mit starken 31 Schlägen auf der ersten Halbrunde, in deren Verlauf dem Engländer, der bereits des Öfteren als Co-Kommentator für das englische Sky Sports tätig war, fünf Birides, davon vier in Folge auf den Löchern 4 bis 7, gelangen. Auf dem Weg zurück zum Clubhaus der R&A verwandelte er dann einen entscheidenden Par-Putt aus gut drei Metern auf dem berüchtigten Road Hole, Loch 17, um sein Ergebnis zu halten und ins Stechen mit seinem 14 Jahre jüngeren Kontrahenten einzuziehen.

Playoff wird am zweiten Loch entschieden
Nach zwei soliden Abschlägen auf dem ersten Playoff-Loch - es ging zurück auf den ersten Abschlag - schritten beide einträchtig und freundlich miteinander sprechenden über das Autobahnähnliche Fairway. Und auch die Annäherungen waren von ähnlicher Klasse. Beide hatten gute sechs Meter zum Birdie, verschoben ihre Putts allerdings knapp und zogen Seite an Seite weiter zum 18. Tee.

Auch hier zeigte keiner von beiden eine Schwäche. Die Annäherungen über das "Valley of Sin", die berühmte Senkte vor dem 18. Grün des Old Course, sollte dann aber die Entscheidung bringen. Uihlein musste als erster ran und ließ seinen zweiten Schlag etwas lang, während Howell seinen Pitch bis auf vier Meter ans Loch brachte. Nach einem zu kurz gelassenen Putt seinen Kontrahenten verwandelte der 38-Jährige dann sicher zum Birdie und zu seinem ersten Sieg seit sieben Jahren - zuletzt hatte Howell 2006 in Wentworth gewonnen. "Ich habe ja auch lange genug warten müssen", sagte Howell schmunzelnd auf die Frage des Sky-Sports-Kommentators auf die Frage, ob er bereit sei, einige Fragen zu beantworten. "Ich wusste, dass ich der bessere Putter von uns beiden bin." Und da die erste und 18. Bahn extrem breit und nicht besonders lang sind, wusste Howell, dass es auf das kurze Spiel ankommen würde. Und darin sah er seinen Vorteil und war (angeblich) nicht nervös, als er über dem finalen Putt stand. 

Levet gewinnt die ProAm-Wertung
Nach einem furiosen Start mit fünf Birdies auf seinen ersten fünf Löchern sah Thomas Levet zur Halbzeit der Finalrunde wie der zu jagende Mann aus. Allerdings konnte der Franzose sein Ergebnis auf den Back Nine nicht halten. Mit Bogeys auf den Löchern 12 und 17, sowie einem Doppel-Bogey an der 14 - seinen Abschlag verzog er ins Aus auf der rechten Seite - fiel Levet auf den geteilten siebten Rang zurück, konnte sich aber dennoch über einen Titel freuen. Zusammen mit seinem Amateur-Partner David Sayer gewann er mit einem Gesamtergebnis von 40 unter Par (60, 62, 63 und 63) die ProAm-Wertung vor den Duos um Richard McEvoy und Michael Zamkow, sowie Peter Uihlein und Bradley Neil.

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