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Sprungbrett oder Sackgasse?

Nachwuchs auf der Challenge Tour
 

Martin Kaymer hat sie 2006 siegreich gemeistert. Maximilian Kieffer scheint sie hinter sich gelassen zu haben. Und Max Glauert steckt 2013 mitten in der Mühle, sich über die Challenge Tour langfristig für Höheres zu qualifizieren. Was wird 2013 in der zweiten Liga gespielt?

Die 1986 unter dem Namen Satellite Tour gegründete europäische Turnierserie hat sich gewandelt - einfacher ist es für die Nachwuchsspieler allerdings nicht geworden, das Sprungbrett auf die European Tour zu nutzen. Doch wie ist die zweite europäische Golfklasse organisiert, welche Kategorien qualifizieren wofür - und welchen deutschen Nachwuchsspielern kann zugetraut werden, das beschwerliche Rennen um die Aufstiegsränge zu bestehen?

Die dünne Linie in den Top 20
Auch wenn seit 2005 nicht mehr nur die fünf erfolgreichsten Spieler, sondern die Top 20 der Challenge Tour Order of Merit die Mitgliedschaft für die European Tour erhalten, sind es nur die 15 Besten, die per Kategorie 11 für die Mehrzahl der erstklassigen Turniere startberechtigt sind. Dieser kleine Unterschied kann entscheidend für die weitere Karriere sein. Maximilian Kieffer schaffte es zum Ende der Saison 2012 auf Platz 14 und kam damit in den Genuss, gleich zu Beginn der laufenden Spielzeit in Afrika Preisgelder sammeln zu können. Damit hat er gute Chancen, sich zur Hälfte der European-Tour-Saison, wenn das Re-Ranking ansteht, weitere Turnierteilnahmen für 2013 zu sichern.

Tourkarte nicht gleich sicherer Startplatz
Jene Nachwuchsspieler, die am Ende der Saison die Plätze 16 bis 20 (Kategorie 11c) belegen, haben statistisch eine signifikant geringere Chance, die erspielte Tourkarte in der Folgesaison zu verteidigen. Zusätzlich sehen sich diese Qualifikanten mitunter genötigt, über die harte Schulbank der Qualifiying School die bessere Kategorie 11b und damit mehr Spielberechtigungen zu erkämpfen.

Auch Max Glauert machte die Erfahrung, dass seine Karte der Challenge-Tour-Kategorie 10, die der Düsseldorfer 2011 über seinen dritten Platz auf der EPD Tour löste, keineswegs gleichbedeutend mit einer umfassenden Spielberechtigung (Kategorie 7) ist. Nicht zu verwechseln ist sie außerdem mit der Kategorie 10 der European Tour, der sogenannten "Performance Promotion" - reserviert für Spieler wie Kristoffer Broberg, die im Vorjahr drei Challenge-Tour-Titel errungen haben. Glauert gelang der Sprung von den Wartelisten ins Starterfeld zunächst nicht, die trotzdem anfallenden Reisekosten konnten nicht mit erspielten Preisgeldern gedeckt werden. Auch an der so wichtigen Spielpraxis unter Wettkampfbedingungen fehlt es somit. 

Heimatlose Challenge Tour?
Je niedriger die Kategorie, desto geringer sind die Chancen auf der Challenge Tour, häufiger auch bei besser dotierten Turnieren von den Wartelisten ins Starterfeld aufzurücken. Für deutsche Nachwuchsgolfer kommt erschwerend hinzu, dass sie kaum noch die Möglichkeit haben, über Wildcards und nationale Einladungen (Kategorie 3) an preisgeldträchtigen Turnieren im eigenen Land teilzunehmen. Denn seit Jahren glänzt die Challenge Tour mit Abwesenheit auf deutschem Boden - und bietet damit keine Gelegenheit wie an den ersten Spielorten der Saison in Indien und Afrika, bei denen bis zu 50 heimische Spieler über ihre Nationalflagge ins Teilnehmerfeld rutschten. 

Nach Jahren des Exils wird im Juli 2013 in Bad Griesbach zumindest wieder eines der 24 bereits feststehenden Challenge-Tour-Events stattfinden. Damit zieht Deutschland mit golferischen Entwicklungsländern wie Tschechien und der Ukraine gleich. Nachwuchsgolfer anderer europäischer Satellite-Touren haben es leichter - die skandinavischen Spieler der Nordic Golf League etwa können mindestens zwei Mal in der Saison zum Heimspiel in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden antreten. So ist es wenig überraschend, dass fünf der sechs erfolgreichsten Spieler der Challenge-Tour-Saison 2012 aus dem hohen Norden stammen.

Auf Seite 2: Die Zugangskriterien für die Challenge Tour und alle deutschen Nachwuchsspieler


Zugang zur zweithöchsten Spielklasse Europas
Grundsätzlich steht die Qualifying School als Weg auf die Tour allen männlichen Golfern mit Handicap 0 oder besser offen. Die meisten Spieler auf der Challenge Tour kommen üblicherweise über die regionalen Turnierserien, die nun unter dem Namen Satellite Tour zusammengefasst sind - neben der Alps Tour, der britisch-irischen PGA Europro Tour und der Nordic League auch die in Deutschland basierte Pro Golf Tour, bis 2012 noch EPD Tour genannt. Die besten fünf Spieler der vier Satellite-Tour-Ranglisten erhalten jeweils die Spielberechtigung der Kategorie 10 für das Folgejahr auf der Challenge Tour.

Mögliche deutsche Aufsteiger: divers
Nach den ersten vier gespielten Turnieren der Pro Golf Tour in der Türkei und Marokko wäre nach aktuellem Stand mit Phillip Mejow, der zum Saisonstart den ersten Platz bei der Sirene Classic in Belek belegte, nur ein Deutscher unter den direkten Qualifikanten. Auf Rang sieben folgt allerdings Marcel Schneider, der in Belek Zweiter hinter Mejow wurde - und führt ein ganzes Feld von acht deutschen Spielern an, die die Top 20 füllen. Darunter der Hamburger Florian Jahn, zweiter bei der Open Mogador im marokkanischen Essaouira, sowie Bernd Ritthammer und Alexander Knappe.

Als zusätzlicher Anreiz bekommt der bestplatzierte Spieler des Rankings der Pro Golf Tour nach der Open Al Maaden am 6. März eine Wildcard für die Trophée Hassan II der European Tour. Die sechs erfolgreichsten Spieler der Order of Merit bis Ende August des Jahres erhalten weiterhin eine Befreiung für die First Stage der European Tour Q-School und können direkt in die zweite Stufe vorrücken. Die Top 30 der Q-School Final Stage erhalten die beschränkte Spielberechtigung (Kategorie 11b) für die European Tour.

Absprung kein Garant für große Karriere
Dennoch: Die Namen derer, die am anderen Ende der Challenge Tour als Nummer eins der Order of Merit abschließen und sich dann siegreich auf der European Tour etablieren konnten, lassen sich an einer Hand abzählen: Thomas Björn gewann 1995 das Ranking, damals noch in britischen Pfund geführt, mit vier Turniersiegen, die ihm durchschnittlich gerade einmal umgerechnet 6.250 Euro einbrachten. Oder Henrik Stenson, der im Jahr 2000 mit seinen drei Siegen auf der Challenge Tour schon auf einen Schnitt von 20.150 Euro kam. Nach Landsmann Johan Edfors und dem Schotten Marc Warren war es eigentlich nur noch Edoardo Molinari, der sich langfristig bis in die Gewinnerzone der European Tour hocharbeiten konnte. Heute liegt die durchschnittliche Siegprämie auf der Challenge Tour bei 30.000 Euro.

Martin Kaymer, prominentester deutscher Aufsteiger, gewann zwar die Order of Merit der EPD Tour 2006, qualifizierte sich aber mit seinem folgenden Gewinn der Vodafone Challenge direkt für die zweite Liga, die er schon wieder zum Ende der Saison vom vierten Rang in Richtung European Tour verließ.

Die deutschen Nachwuchshoffnungen 
Neben "Mr. Unique Touch" Max Glauert haben fünf weitere deutsche Spieler die eingeschränkte Spielberechtigung auf der Challenge Tour 2013. 

Bernd Ritthammer, Jahrgang 1987, Nürnberg, Pro seit 2006; bislang größter Erfolg: T3 bei der Kazakhstan Open 2011, spielberechtigt in Kategorie 11 der Challenge Tour.

Marcel Haremza, Jahrgang 1978, Herne, Pro seit 1994; bislang größter Erfolg: 5. bei der Padova International Open 2003, Rang 1 der EPD Tour Order of Merit 2012, spielberechtigt in Kategorie 10 der Challenge Tour.

Daniel Wünsche, Jahrgang 1985, Friedrichshafen, Pro seit 2008; bislang größter Erfolg: Gewinn der Sueno Pines Classic 2012, Rang 2 der EPD Tour Order of Merit 2012, spielberechtigt in Kategorie 10 der Challenge Tour.

Max Kramer, Jahrgang 1984, Fulda, Pro seit 2007; bislang größter Erfolg: T44 bei der BMW International Open 2009, Rang 3 der EPD Tour Order of Merit 2012, spielberechtigt in Kategorie 10 der Challenge Tour.

Nicolas Meitinger, Jahrgang 1984, Köln, Pro seit 2005; bislang größter Erfolg: Gewinn der Allianz Challenge de France 2011, spielberechtigt in Kategorie 11 der Challenge Tour - nach erfolgreich absolvierter Q-School der Asian Tour 2012 allerdings wohl häufiger in Übersee unterwegs.

Der Münchner Florian Fritsch und Alexander Knappe aus Paderborn schafften es im November 2012 bei der Qualifying School der Challenge Tour nicht in die Top 25 und kamen damit nicht über die Second Stage der Tourqualifikation hinaus. Zumindest aber Knappe greift wieder auf der Pro Golf Tour an und belegte bei der Open Amelkis in Marrakesch Ende Februar den zweiten Platz.

fxr

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