Bild Information: Alte Bälle aus dem Wasser: Lakeballs schaden ihrem Spiel (Photo by Getty Images)

Lakeballs: die Katze im Sack

Tipps & Tricks
 

Wer gebrauchte und wiederaufbereitete Golfbälle kauft, schadet seinem Spiel.

Online-Anbieter von gebrauchten und wiederaufbereiteten Golfbällen schießen in den vergangenen Jahren wie Pilze aus der Erde. Kein Wunder, immerhin braucht jeder Golfer pro Runde meist mehrere der kleinen weißen Kugeln. Ausgrenzen, Bachläufe, Biotope und Wasserhindernisse scheinen den Golfball magisch anzuziehen. Daher erfreuen sich gerade sogenannte Lakeballs einer großen Beliebtheit.

Professionelle Golfballtaucher - ja, das ist ein anerkannter Beruf - befreien regelmäßig die Murmeln aus ihrem nassen Grab und bieten sie entweder direkt übers Internet an oder verkaufen sie an einen Großabnehmer, der sie dann online anbietet. Zu einem deutlich günstigeren Kurs. Teilweise kann man sich so 50 Prozent und mehr gegenüber dem regulären Preis sparen.

Das mag auf den ersten Blick eine Win-win-Situation für Händler und Kunden sein, tatsächlich gewinnen aber nur die Anbieter an dem Geschäft. Das Problem an Lakeballs ist einfach, dass niemand sagen kann, wie lange der Ball im Wasser zugebracht hat. Ein paar Tage überstehen moderne High-Tech-Bälle das Wasserbad ohne Schaden zu nehmen.

Lakeballs kaufen ist wie Lotto spielen

Ab einem gewissen Punkt ist allerdings die Widerstandskraft der besten Hülle gebrochen. Wann das genau ist, können Ihnen noch nicht einmal die Hersteller genau sagen, weil es von vielen Variablen abhängt - etwa dem Abnutzungsgrad der Hülle, dem Eisengehalt des Wassers oder der Außentemperatur.

Ist dieser Punkt einmal erreicht, lässt die Performance der Bälle drastisch nach. Die Materialien sind nicht mehr so flexibel, die Kompression lässt nach und die Dichte sowie Struktur der einzelnen Schichten verändert sich. "Das ist dann ein komplett anderer Ball", erklärt Frederick Waddell, Senior Manager Golf Ball Product Management bei Titleist, und rät davon ab, einen Lakeball für Wettspiele zu verwenden.

Natürlich können Sie Glück haben und einen Ball erhalten, der nur wenige Stunden im Wasser lag und kaum gespielt wurde. Dann haben Sie ein echtes Schnäppchen gemacht. Es kann aber auch sein, dass der Ball über mehrere Wochen im Morast am Grund eines Teichs lag. Von außen ist der Unterschied nicht zu erkennen, weil die meisten Lakeballs vor dem Weiterverkauf mithilfe von speziellen Waschbädern optisch aufbereitet werden. Es ist ein Glücksspiel.

Finger weg von 'refurbished' Bällen

"Wenn ich einen Refurbished-Ball sehe, ist das für mich kein echter Titleist-Ball mehr", erklärt Waddell. "Es ist ein komplett anderer Golfball, mit Eigenschaften, die nichts mehr mit dem ursprünglichen Produkt zu tun haben." Refurbished-Bälle (auch refinished, engl. nachbearbeiten, aufarbeiten) sind in den meisten Fällen Lakeballs, deren Schale bereits so verfärbt ist, dass man sie nicht weiterverkaufen kann. Also werden sie zu einem "professionellen" Aufbereiter geschickt.

Dieser trägt die oberste Lackschicht ab, lackiert den Ball neu und versieht ihn mit einem neuen Aufdruck. "Wir haben schon oft refurbished Bälle in Händen gehalten, die nicht das waren, was sie versprochen haben, zu sein", sagt Waddell. So machen sich manche Anbieter ein Geschäft daraus, minderwertige Bälle mit dem Logo und den Schriftzügen von Premium-Bällen zu versehen.

Selbst wenn der Inhalt (Kern, Schale und Mantel) hält, was der Aufdruck verspricht, raten die Experten von Titleist davon ab, aufbereitete Bälle zu spielen. Die beauftragten Firmen haben meist nicht das Equipment, um die Farbe gleichmäßig auf der Oberfläche zu verteilen und tauchen die Bälle nur in ein Lackbad ein. "Dadurch erhält man auf einer Seite mehr Lack, was einen großen Einfluss auf das Flugverhalten hat", erklärt Widdell.

Wie groß die Einflüsse sind, zeigt Titleist in diesem Video über einen Test in der Manchester Lane Test Facility:


Golf.de empfiehlt: Die Verlockung ist natürlich groß, seinen Lieblingsball zu einem deutlich günstigeren Preis zu erwerben. Allerdings sollten Sie gerade von Refurbished-Bällen die Hände lassen, zumal sie in vielen Wettspielen aufgrund der offiziellen Golfregeln nicht zugelassen sind.

Regel 5-1 Der Ball (Decision 5-1/4) besagt, dass "in einem Wettspiel, bei dem die Spielleitung in die Wettspielausschreibung die Bedingung aufgenommen hat, dass der vom Spieler gebrauchte Ball im gültigen Verzeichnis zugelassener Golfbälle aufgeführt sein muss, darf ein Refurbished-Ball nicht gebraucht werden, auch wenn der fragliche Ball (ohne Wiederaufbereitung) in dem gültigen Verzeichnis zugelassener Golfbälle aufgeführt sein sollte."

Lakebälle eignen sich dagegen hervorragend zum Training im Kurzspiel und auf dem Putting-Grün. Auch wenn sie oft nicht die identischen Ergebnisse des gleichen Modells, frisch aus der Packung, erzeugen, sind sie meist noch besser als die 2-Piece-Rangebälle, die Sie aus dem Automaten ziehen können. Auf der Runde - gerade bei Turnieren - sollten Sie dann aber besser zum Original greifen.

"Natürlich will sich nicht jeder einen V1 oder V1x leisten, aber genau deswegen produzieren wir auch andere Produkte in günstigeren Preiskategorien", erklärt Widdell. Selbst beim Vergleich der beiden Extremen - Premium- oder Performance-Ball - rät der Mann vom größten Golfballhersteller zum Original. "Von einem neuen DT Trusoft kann man die Titleist-Eigenschaften erwarten. Von einem aufbereiteten Ball kann man das nicht."

Fast wie neu: So reinigen Sie verfärbte Bälle schonend Nachgehakt: Warum verfügen Golfbälle eigentlich über Dimples? Inside Titleist: Ein Blick hinter die Kulissen des #1 Ball in Golf

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