Bild Information: Pärnu Bay Golf Links (Foto: Wolfgang Scheffler)

Natur pur im Baltikum

Estland
 

Estland ist ein Kleinod für Golfer. Unser Geheim-Tipp für den frühen Herbst. 

Eines vorweg: Nur zum Golfspielen muss man nicht unbedingt nach Estland reisen. Und dennoch: Es lohnt sich auf eine Reise in den nördlichsten der drei baltischen Staaten die Golfschläger mitzunehmen. Ein Widerspruch? Keineswegs! Wer in das kleine Land am Finnischen Meerbusen reist, kann eine Städtereise nach Tallinn mit Abstechern zu den Golfplätzen verbinden - eine empfehlenswerte Kombination, vor allem seit mit den Pärnu Bay Golf Links im September 2015 ein spektakulärer Platz eröffnete, der auf Anhieb als einer der besten Nordeuropas eingestuft wurde.

Startpunkt in Tallinn: City-Ausflug zum Weltkulturerbe

Aber der Reihe nach: Fast jede Reise nach Estland beginnt und endet auf dem internationalen Flughafen von Tallinn, der von vielen deutschen und europäischen Städten direkt angeflogen wird. Die mit 430.000 Einwohnern größte Stadt des Landes hat sich in den letzten Jahren zu einer der beliebtesten City-Destinationen entwickelt. Im Hafen ankern fast jeden Tag Kreuzfahrtschiffe, denn kaum eine Ostseetour lässt Tallinn links liegen.

Die von einer teilweise erhaltenen Stadtmauer umgebene Altstadt gilt als eine der schönsten der Welt und wird von der UNESCO als Weltkurerbe bewahrt. In der "Old Town" kann man sich gut einen Tag von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit lang treiben lassen, laut der Weltgesundheits-Organisation WHO die beste Luft der Welt einatmen, überall kostenloses Internet genießen, in einem der vielen vorzüglichen Restaurants speisen und den Abend in einer der Bars ausklingen lassen. 

 

Festive grandeur lighted up the mediaeval old town of Tallinn ~ awe-inspiring

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Zehn Plätze und knapp 3.000 Golfer

Dass in einem Land, in dem die Moderne eingezogen ist und sich harmonisch mit der über tausendjährigen Geschichte verbindet, alsbald auch Golfplätze entstanden, ist nicht verwunderlich. Mit dem Niitvälja Golf Club eröffnete schon 1994, nur drei Jahre nachdem das Land zum zweiten Mal seine Unabhängigkeit erlangte, 30 Kilometer südwestlich von Tallinn der erste Platz in den drei ehemaligen Sowjetrepubliken. Mittlerweile verfügt Estland über zehn Plätze und insgesamt 2.889 aktive Golfer.

Allein wenn man die Anzahl der Aktiven mit dem der Plätze vergleicht, wird klar: Die Plätze sind nicht überlaufen, lediglich die beiden Plätze rund um Tallinn sind am Wochenende gut gebucht. Ansonsten erhält man Startzeiten auf den meisten Anlagen ohne Probleme. Wir haben auf unserer City-Golf-Tour durch Estland vier Plätze gespielt, keiner hat uns enttäuscht.

Der Estonian Country Club, rund 30 Kilometer westlich von Tallinn gelegen, verfügt als einzige Anlage des Landes über 27 Löcher, die 9 des Stone Course und die 18 des Sea Course. Obwohl die Anlage nahe an der Ostsee liegt und der Name "Sea" es versprechen, kann man nur an zwei Löchern einen Blick aufs Meer ergattern, an einigen Bahnen wird die Aussicht aufs Wasser von hohem Schilf verdeckt. Aber auch ohne grandiose Aussichten ist dieser Platz mit einigen Wasserhindernissen ein echter und reizvoller Championship Course, der auch für höhere Handicaps spielbar ist.

Hier fanden 2016 die Amateur-Europameisterschaften statt und auch Profis waren bei zwei Qualifikationen für den World Cup hier schon zu Gast. Der Club, der über 600 Mitglieder verfügt, hat große Pläne. Der "Stone Course" soll einem neuen 18-Loch-Platz weichen. Der Entwurf der ehemals weltbesten schwedischen Profigolferin Annika Sörenstam hängt bereits im mehrstöckigen Clubhaus. Ein Hotel soll die Anlage in ein echtes Golfresort verwandeln, doch dafür werden noch Investoren gesucht.

Pärnu: Der Golf-Hotspot des Landes

Von Tallinn sind es gerade einmal zwei Stunden bis nach Pärnu (deutsch Pernau), der offiziellen Sommerhauptstadt Estlands. Jedes Jahr zu Beginn der Sommersaison übergibt der Bürgermeister von Tallinn symbolisch die Hauptstadtrechte an seinen Amtskollegen in Pärnu. Die vom Deutschen Orden 1241 gegründete Stadt an der Mündung des gleichnamigen Flusses gilt, seit 1838 die erste Badeanstalt öffnete, als beliebter Ferien- und Kurort - und mit zwei Golfplätzen kann man die ehemalige Hansestadt auch als den Golf-Hotspot des Landes bezeichnen.

Das liegt vor allem an den Pärnu Bay Golf Links. Zehn Millionen Euro investierte der estnisch-stämmige schwedische Unternehmer Peter Hunt in diesen Platz auf einem Küstenstreifen am Rigaer Meerbusen. Es hat sich gelohnt. Der Platz gilt zu Recht als die Nummer 1 im Baltikum.  Es ist zwar kein klassischer Links Course, dafür stehen auf dem Platz zu viele Bäume, auch Lagunen findet man nicht auf den klassischen Küstenplätzen auf den Britischen Inseln, aber diese Hindernisse machen die Runde nur noch reizvoller.

Pärnu Bay ist vollkommen auf Sand gebaut. An vielen Fairways ziehen sich vom Abschlag bis fast zum Grün entlang der Spielbahn Waste Areas. Die Runde endet spektakulär: Das 14. Loch, ein Par 3, führt an die Küste und die letzten vier Löcher verlaufen parallel zur Ostsee, werden auf einer Seite von hohen Pinien und auf der anderen vom Strand begrenzt, ein wirklich spektakuläres Finish auf einem großartigen Platz. 

Pärnu verfügt über viele alte Badehäuser, die heute alle moderne Spa-Behandlungen anbieten, eine malerische Altstadt, vorzügliche Restaurants, etliche gute Hotels und einen herrlichen Strand, der dank seiner Südlage viel Sonne abbekommt und das Wasser im Sommer oft bis auf 22, 23 Grad erwärmt, ideal für eine Abkühlung nach der Runde.

Wasser spielt auch im White Beach Golf Club, ebenfalls wenige Kilometer außerhalb der Stadt gelegen, eine Hauptrolle. Von den 75 Hektar, die dem finnischen Architekten Kosti Kuronen für den Bau des Platzes am Ufer des Flusses Audru zur Verfügung standen, nutzte er zwölf für Wasserhindernisse. Wer diesen Platz ohne Ballverlust übersteht, hat Besonderes geleistet. Aber selbst wer den ein oder anderen Ball verliert, wird auf diesem 2005 eröffneten Platz seinen Spaß haben.

Ab auf die Insel

Neben Pärnu ist die Insel Saaremaa die zweite große Urlaubsdestination für Esten. Nach rund zwei Stunden mit dem Auto und einer Fähre erreicht man von Pärnu aus Kuressaare, die größte Stadt der Insel. Auch sie lockt mit einer reizvollen Altstadt, die derzeit gerade komplett renoviert wird, Badehäusern und schönen Stränden.

Saare Golf, wie Pärnu Bay und der Estonian Golf & Country Club ebenfalls von Tilander entworfen, lohnt dank vieler reizvoller Löcher mit Teichen einen Abstecher. Dieser Platz gehört mittlerweile ebenfalls Peter Hunt, dessen Eltern aus Saaremaa stammen. Hunt, der sein Vermögen mit der Firma Wendre machte, die unter anderem alle Schlaftextilwaren für Ikea herstellt, hat für Estland weitere Golfpläne. Pärnu Bay soll einen zweiten Platz erhalten und schon demnächst soll direkt am Strand in Pärnu ein Hotel entstehen, das vor allem Golfern beherbergen soll. Text: Wolfgang Scheffler

Greenfees & Preise

Estonian Golf & Country Club: Sea Course 89 Euro, Stone Course (2x9) 59 Euro

Pärnu Bay Golf Links: 79 Euro, Fr-So 99 Euro

White Beach Golf: 55 Euro, Fr-So 60 Euro

Saare Golf: 60 Euro, Fr-So 65 Euro

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