Bild Information: Die Küste vor Biarritz

Die große Welle

Frankreich
 

Golfurlaub am Atlantik: Spitzenplätze und viel, viel Meer. 

Aus etlichen Golf- und Surfurlauben der letzten 30 Jahre ist eine Situation bildlich in Erinnerung geblieben: Ich stehe in Hendaye, einem kleinen französischen Ort nahe der spanischen Grenze zwischen Biarritz und St. Sebastian, beim Bäcker in der Schlange und bestelle in ordentlichem Schulfranzösisch ein paar leckere Backwaren plus Café au Lait. Ein alter Herr mit weißem Schnauzbartund einem schwarzen Berret Basque in der Stirn dreht sich wieselflink um und zischt energisch: „Sie sind hier nicht in Frankreich und auch nicht in Spanien – das wissen Sie!“ Aus dem Nichts heraus. Konfrontationen wie diese waren damals keine Seltenheit. Graffiti an Hauswänden und Plakate mit Aufrufen zum Kampf um die Freiheit  waren allgegenwärtig und wirkten auf harmlose Touristen durchaus beängstigend.

Hier hat Golf Historie

Zum Glück gehören derartige Szenarien längst der Vergangenheit an. Ruhe und Frieden sind im Baskenland eingekehrt, die ETA ist seit Mai 2018 gar ganz offiziell aufgelöst. Schließlich passt zu diesem wunderschönen Streifen der Atlantikküste Aquitaniens und der Bucht von Biskaya eigentlich auch nur eine friedlich-harmonische Stimmung. An vielen Stellen scheint der Atem des Mittelalters noch immer in den Gemäuern und Gässchen zu hängen. Stolze Herrenhäuser und Villen mit Türmchen und Giebeln säumen die Spielbahnen der Golfplätze. Da wären die zu den ältesten Clubs außerhalb Großbritannien zählende Anlage von Golf de Biarritz le Phare am Fuß des Leuchtturms aus dem Jahr 1888, der nicht viel jüngere Links-Kurs Golf de Chiberta von Anglet oder auch die 1930 von Tim Morisson entworfene Parkanlage Golf Club d’Hossegor zu nennen.

Rau, ehrlich und voller Leidenschaft

Das Baskenland wird auf baskisch Euskadi genannt, auf spanisch Pais Vasco und auf französisch Pays Basque. Es umfasst in Spanien die drei Provinzen der Autonomen Gemeinschaft Baskenland und in Frankreich den Westen des Départements Pyrénées-Atlantiques. Seine Ausdehnung ist politisch und gesellschaftlich umstritten und steht im Spannungsfeld von baskischem, spanischem und französischem Nationalismus. Hinzu kommt, dass es von stolzen und teilweise recht dickköpfigen Patrioten bewohnt wird, sie gelten als traditionsbewusst und eigenwillig.

In der Küstenregion mit ihren knapp drei Millionen Einwohnern, von denen weniger als jeder Vierte Baskisch spricht, wurde lange und viel gekämpft. Hier geht es rau zu, aber auch ehrlich und leidenschaftlich. Klimatisch gesehen also nicht wie am Mittelmeer, kein Warmwasserplanschen. Das Wasser hier hat meist zwischen 14 und bestenfalls 19 Grad. Ungemütlich, dafür rollen im Winter die größten Surfwellen Europas herein. Wellen, für die sich Surf-Begeisterte aus aller Welt in den Flieger oder in ihre VW-Busse setzen und nach Biarritz, San Sebastian oder Bilbao pilgern.

Zurück zum Golf: Neben den bereits genannten Anlagen sei auch ein Besuch im etwas im Hinterland versteckten Golf d’Arcangues angeraten. Der Kurs wurde von Marquis Guy d’Arcangues ermöglicht, einem geschätzten Künstler und Journalisten großer Zeitschriften wie Paris-Match, Vogue oder Adam. Zudem war er 14 Mal französischer Amateurmeister im Golf und Artist – als Artistic-Direktor des berühmten Casinos von Biarritz lockte er Stars wie Frank Sinatra in die edlen Räumlichkeiten. Er soll die rund 80 Hektar Land des Golfplatzes mitsamt 500 Jahre altem Clubhaus für einen einzigen Franc verschenkt haben, so heißt es jedenfalls.

Wenn die Zeit stillsteht

Seit jeher übt dieser Landstrich eine magische Anziehung aus. Die beste Zeit fürs Baskenland ist um Pfingsten herum oder im Herbst – also wenn noch Ruhe herrscht oder die Touristenanstürme nach einer mittlerweile sehr überlaufenen Sommerphase wieder abebben. In den Golfclubs scheint allerdings ohnehin die Zeit stillzustehen, lediglich die Preise sind im Lauf der Jahre gestiegen. Doch ab September bis Ende April ist Nebensaison. Da ist alles um einiges erschwinglicher, wobei man vielleicht besser einen wärmenden Kragen, Mütze und Regenschirm für die Runde bereithält. Dafür sind aber das ehrliche Leben liebenswürdiger Basken und teilweise herzerfrischende Verschrobenheit anzutreffen, in nach der Saison tatsächlich wieder verschlafen anmutenden Dörfchen. Man konzentriert sich auf den Fischfang, Muscheln und den guten Wein.  

Eine Küstentour mit Charme

Vom größten Flughafen der Region in Bilbao führen zwei Wege nach Biarritz oder zum angrenzenden Ort Anglet: eine zweistündige Berg-und-Tal-Fahrt via Autobahn oder eine schöne, jedoch viel befahrene Küstenstraße durch San Sebastian, über die mittlerweile verlassene Grenze und vorbei an Saint-Jean-de-Luz, wo sich auch der legendäre, 90 Jahre alte Golf de Chantaco befindet. Klippen säumen den Weg, auf denen alte Bastiden und Schlösser thronen. Sie rahmen Buchten ein mit goldenen Sandstränden, zur anderen Seite die Pyrenäenausläufer und Weinfelder, soweit das Auge reicht. Von Biarritz gen Norden sind es wiederum etwa zwei Fahrstunden bis Bordeaux – auf diesem Weg befinden sich die edlen 27 Löcher von Robert Trent Jones Senior Golf de Moliets sowie die Abfahrt nach Pau, wo es zum zweitältesten Club außerhalb Großbritanniens geht. 

Für den Trip ins Baskenland noch der Tipp: Nicht nur Zeit für Golfen einplanen! Neben sensationellen Plätzen gibt es vieles mehr zu erkunden. Und ganz wichtig, erwähnen Sie niemals, dass Sie sich in Frankreich oder Spanien befinden könnten – wir sind schließlich im Baskenland.

Die besten Tipps für Ihren Urlaub am Atlantik

Der Golfpass Biarritz bietet fünf zwei, drei oder vier Greenfees auf Plätzen der Region (Arcangues, Bayonne, Biarritz, Ilbarritz, Seignosse, Chantaco) für 100 Euro (zwei Runden in der Nebensaison) bis 268 Euro (vier Runden in der Hauptsaison).

Golfpass XLandes: Zwei (XS), drei (X) oder fünf (XX) Runden auf Moliets, Hossegor, Seignosse, Pinsolle-Souston oder Mont de Marsan für 100 Euro (zwei GF/NS) bis 335 Euro (5 GF/HS).

Bars und Betten: Hotels für Golfer, die kurze Wege schätzen sind Hôtel de Chiberta, Golf-Hôtel de Seignosse sowie das Resort Golf de Moliets. Sehr typisch geht‘s in der Tantina de la Playa in Bidart zu mit gutem Fisch auf Baskisch, Surfbretter an der Decke und klasse Blick vom Tisch über die Küste. Im Grünstreifen hinter dem Plage Cavaliers, also direkt bei den Küstenlöchern von Chiberta, bietet das La Concha mehr als nur Strand-Snacks: Fischspezialitäten und vor allem – wie der Name schon sagt – beste Muscheln aus dem rustikalen Tontopf. Um Tapas und spanische Spezialitäten mal fein und dennoch urig in der Altstadt von Biarritz zu genießen: El Callejon. Und Chez Albert am alten Fischerhafen von Biarritz ist die Adresse für Meeresfrüchte und Wein mit Ambiente.

Mein Lieblingsplatz: Alexander Zverev spielt am liebsten in Monte Carlo Schottland: Eine Tour für echte Männer

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