Bild Information: Sylt fasziniert mit seinen unberührten Dünenlandschaften

Sylt: Endstation Sehnsucht

Deutschland
 

Sylt bietet Natur pur oder Luxus jeder Art - und eine Handvoll guter Golfplätze.

 

Die Zufahrt zum Marine Golf Club ist an diesem Tag eine Problemzone. Zwar ist der Parkplatz des Clubgeländes schon in Sichtweite, aber erst einmal heißt es: Nichts geht mehr, Motor aus, Arme vor der Brust verschränken und ratlos aus dem Fenster gucken. Aus ein paar Metern Entfernung guckt ein Schafhirte zurück: durchaus freundlich, alles andere als aufgeregt, doch plötzlich greift er energisch nach seinem Stock und schlägt damit auf den Boden. Sein Hund rast los, treibt die Herde von der Fahrbahn, die unerwartet schnell wieder passierbar ist.

Die Royal Air Force führte Golf auf Sylt ein

Golf kann, aber muss auf Sylt nicht unbedingt ein spektakuläres Abenteuer sein. Im Marine Golf Club geht es eigentlich schon immer eher gemächlich zu, nicht nur wegen grasender Schafe auf dem Gelände vor dem Club. Aus diesem Grund wurden die Golfer dort lange auch nicht so recht ernst genommen. Am Anfang, Mitte der 1950er Jahre, griffen Soldaten der Royal Air Force zum Spaten und buddelten ein paar Löcher in den Sand. Hin und wieder spielten sie dann auf dem Gelände Golf, wenn man das überhaupt so nennen durfte. Und irgendwann geriet das Ganze dann auch fast wieder in Vergessenheit. Das Gelände war Bestandteil des Truppenübungsplatzes, der schließlich von der Bundeswehr genutzt wurde. Und das bedeutete: Wenn geschossen wurde, durfte schon mal überhaupt niemand auf die Idee kommen, Bälle in die Luft zu schlagen. Erst 1980 nahm die Chose Fahrt auf. Zu jener Zeit gründete ein Oberbefehlshaber der Bundeswehr namens Eduard Wismeth plötzlich einen Golfclub. Und das hatte Folgen, die sich in Tinnum heute auf einem flachen und wunderbaren Linkscourse bewundern lassen. 

Auf den 18 Löchern ist so gut wie kein Baum zu sehen, ein See kommt nur in Form eines Wasserspeichers vor, versteckt hinter einer kleinen Düne. Im Clubhaus und auf dem Platz geht es beeindruckend unaufgeregt zu. Die Mitglieder, die immerhin zur Hälfte von der Insel kommen, lieben es, hier zu spielen.  „Dabei“, sagt Clubmanager Nico Johannsen, „herrscht hier ein halbes Jahr über  Scheißwetter.“

In Morsum bleibt man lieber unter sich

Das gilt natürlich auch für die anderen Clubs. Morsum zum Beispiel, einst die private Spielwiese von Axel Springer. Noch so ein Platz, auf dem sich niemand aufregen möchte. Schon gar nicht die Mitglieder. Es sollen 250 sein, und „ihre Namen“, sagt Rudolf Köster, der Pro und Clubsekretär in Personalunion ist,  „sollen besser nicht genannt werden“. Es handelt sich fast durchweg um bekannte Unternehmer, Konzernchefs und Leute aus dem Showgeschäft, die vor allem eins schätzen: unter sich zu bleiben. Köster allerdings lässt diese Einschätzung nicht in dieser Ausschließlichkeit gelten und sagt: „Gäste sind bei uns willkommen.“ Man müsse vorher anrufen und Zeit mitbringen. Denn wenn jemand aus dem Club spielt, bedeutet das für alle anderen, trotz eines Greenfees von 95 Euro, das sie ein Päuschen einzulegen haben. „Bei uns wird nicht nach festen Zeiten abgeschlagen, und schon gar nicht alle zehn Minuten“, sagt Köster. Schreitet ein Member an Tee 1, können bis zur nächsten Abschlagzeit schon mal 30 Minuten vergehen. Die Herrschaften wollen schließlich in Ruhe spielen und nicht von einem Fremden über den Platz gejagt werden.  

Der Luxus in Morsum besteht vor allem darin, dass die Clubmitglieder tun und lassen können, was sie möchten. Gäste können sich nach ihnen richten, auch gern einmal spielen, oder fahren besser gleich nach Budersand. Denn der Weg nach Hörnum lohnt wirklich.

Budersand: Deutschlands bester Linksplatz

Budersand hat als wohl einziger Platz in Deutschland wirklich alles im Angebot, was zu einem Linkscourse gehört: die Dünen, die typischen Gräser, Fairways, die sich wie grüne Teppiche zwischen die Hügel hindurch winden und eben eine Kulisse, die zu solchen Plätzen gehört. Die Nordsee ist in Sichtweite, dazu das Watt, und gekrönt wird das Ganze von den Signalen der Schiffe, die passieren und vom Geschrei der Möwen begleitet werden.

Die 18 Löcher allerdings sind so anspruchsvoll, so schwer, dass kein Golfer während seiner Premiere in Budersand für die Umgebung einen Blick riskieren kann. Dirk Hinrichsen ist dort stellvertretender Golf-Manager. Jedes Wort, das er über den Platz verliert, verrät, dass er diesen Platz liebt. Der Magie der Dünenlandschaft, die mit Rolf-Stephan Hansen ein echter Sylter erschaffen hat, der in Schottland Golfplatzarchitektur studiert hatte, erliegen sogar Touristen, die noch nie einen Golfschläger in den Händen gehalten haben. Hinrichsen sagt: „Die haben oft nur einen Wunsch: Sie möchten den Platz mal aus der Nähe anschauen, weil er schon von weitem so beeindruckend aussieht.“

Ja, Budersand ist bezaubernd, von der Optik her, aber der Kurs wirft auch ein Licht auf deutsche Golfer, auf deren Leidensfähigkeit. Sie tragen den Löwenanteil zu einem Greenfee bei, das 2017 bei rund 750.000 Euro lag. Wohlgemerkt auf einem Platz, der selten bis nie windstille Sommertage erlebt. Klar, dass hier, wie Hinrichsen sagt, so gut wie nie ein Gast sein Handicap spielt. Trotzdem kommen die Golfer in Scharen und sind bereit sich demütigen zu lassen. Vor allem, wer erstmals Budersand spielt, kann Distanzen im Wind kaum einschätzen. Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Veltins-Brauerei, ist gleich von Düsseldorf nach Sylt umgezogen, lebt nun in einem alten Bauernhaus auf der Insel. Und kennt die Qualen der Golfer im Wind. „Von Oktober bis März erleben wir hier echt harte Zeiten“, sagt er. Aber das kann ihn nicht davon abhalten, etwa zweimal pro Woche in den Kampf zu ziehen. Man müsse bei Wind schon manchmal Schwerstarbeit leisten, sagt Huber, der ein Handicap von 17 hat. Aber gleichzeitig sei das Naturerlebnis eben überwältigend.   

Sylt mauserte sich zur Golfer-Destination   

Budersand kommt für einen einmaligen Besuch, einen schnellen one-day-stand, überhaupt nicht in Frage. Wer sich in den Dünen zurecht finden möchte, muss wenigstens ein zweites Mal kommen. Bevor der Kurs 2007 eröffnete, dem das Fünf-Sterne-Haus gleichen Namens folgte, geschah etwas Bemerkenswertes: Die etablierte Konkurrenz konkurrierender Hoteliers meckerte nicht, sondern freute sich über den neuen Anbieter auf dem Markt. Claas-Erik Johannsen, der mit dem Benen-Diken Hof in Keitum auch ein Tophotel führt, sagt: „Budersand war ein Glücksfall für uns. Der Platz hat die Insel zu einer Golfdestination werden lassen. Und das Hotel stärkt das Angebot für den Qualitätstourismus.“ Und so greift Johannsen auch gern selbst ein, wenn ein Gast Golf spielen möchte. Denn wo ein Golfer auftaucht, folgen ihm bald weitere nach. „Wir haben Gäste, die laden ihre besten Freunde ein und veranstalten ihre Privatturniere.“

Die können natürlich auch im Sylter Golf-Club stattfinden, dessen Wahrzeichen der nahe Leuchtturm ist. Dirk Erdmann, natürlich ebenfalls mit dem Hotel Rungholt in Kampen Chef einer ausgezeichneten Herberge, ist in Wenningstedt Vize-Präsident. Sein Platz bietet den sanften Kontrast zu Budersand. Statt atemberaubender Dünenkulisse ist dort hin und wieder ein Teich im Weg der Golfer. Fairways und Grüns sind wie überall auf der Insel schon im Mai in einem bemerkenswert gutem Zustand. Und weil man es mit der Natur gut meint, lassen sie im Sylter Golf-Club am Rande der Spielbahnen die Gräser in Ruhe gedeihen. Die Folge ist schönes grünes und fettes Gras, das offenbar ein nie versiegendes Verlangen nach Bällen hat. Früher, sagt Erdmann, der mit seiner Seniorentruppe in der 2. Bundesliga spielt, haben auch in den Golf-Clubs ausschweifende Feste stattgefunden. „Doch statt Champagner wird heute bestenfalls noch Bier getrunken. Die Leute wollen doch alle 100 Jahre alt werden.“

Ruhe statt rauschender Feste

Das klingt wie ein Wunsch, vergangene glorreiche Tage noch einmal aufleben zu lassen. Doch das passt nicht zu einem wie Erdmann, der eher nüchterner Stratege als Romantiker ist. Ihm geht es wie den meisten Hoteliers um die Verbesserung des Angebots auf Sylt. „Golf“, sagt er „war früher ein Bausteinprodukt.“ Also ein nettes Beiwerk für Gäste, die die Finger auch auf Sylt nicht von den Golfschlägern lassen konnten. „Heute kommen Gäste gezielt zum Golfen, und zwar nicht nur im Sommer.“ Das gilt im übrigen auch für Bierbrauer Michael Huber. Er sponsert nun schon zum dritten Mal ein Pro-Am-Turnier auf Sylt, das wegen der Dotierung von 80.000 Euro inzwischen sogar Topgolfer nach Sylt lockt.  

Vor allem in der Hochsaison ist Sylt natürlich stark gefragt. Unterdessen eben auch die Golfplätze. Doch wen stört das? Sylt ist „ein Sehnsuchtsort“ geworden, sagt Nico Johannsen vom Marine Golf Club. „Die Leute wollen hier auf der Insel sein, egal wie viele andere Menschen gerade da sind.“ 

Text: Reinhold Schnupp

Spektakulärer Platztest: Old head Links (Video)

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