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In Kuchars Fußstapfen

Kanadas Ostküste: Nova Scotia
 

Matt Kuchar war einer der Stars beim Canada Cup. Zur Vorbereitung auf das Turnier - und zur Erholung - ging der Amerikaner vor Beginn mit seiner Familie auf einen kleinen Road Trip. Golf.de war wenige Tage später auf denselben Plätzen unterwegs. 

Das Ergebnis machte schnell die Runde. Nicht nur die kanadische Fachpresse wusste Bescheid, sondern auch die Fans. Eine 64 soll es gewesen sein. Und das in Cabot Links, auf dem derzeit vielleicht besten, aber auf alle Fälle spannendsten Golf-Projekt in Kanada. Der Score relativierte sich dann doch noch ein wenig, denn der US-Profi Matt Kuchar hatte sich auf der Eins wohl einen Mulligan gegönnt. Dennoch war der sympathische Pro, der 2010 die Geldrangliste auf der US-Tour gewann, äußerst angetan von dem Links-Platz am Sankt-Lorenz-Golf: "Es ist ein unglaubliches Gelände und jedes Loch macht Spaß. Ich war beeindruckt." Genau das hören Besitzer Ben Cowan-Dewar und Geschäftsmann Mike Keiser aus Chicago, dem auch Bandon Dunes gehört, gerne.

Cowan-Dewar, noch keine 35 Jahre alt, der sein Golfreise-Unternehmen in Toronto verkauft hat, wollte schon sein ganzes Leben lang einen eigenen Platz gestalten. Die meisten Kurse aus den Top 100 der Welt hat der Single-Handicapper schon gespielt und sich dementsprechend Anregungen geholt. Als er dann auf das Gelände in Inverness stieß, schlug er zu. Mit dem Einstieg von Keiser ließ sich auch der Bau des Platzes finanzieren.


Cowan-Dewar und Keiser: Local und Highroller
2008 ging es los, gut dreieinhalb Jahre später wurden die ersten zehn Löcher des von Rob Whitman (der zuvor oft mit Pete Dye zusammengearbeitet hat) entworfenen Kurses eröffnet (hier finden Sie die Platzbewertung). Für das kleine Städtchen Inverness ist der Platz mit dem Hotel ein Segen. Nachdem der Bergbau vor etlichen Jahren zum Erliegen gekommen war, tat sich wenig. Jetzt kommen die Einwohner wieder zurück, denn der Tourismus schafft Arbeitsplätze. Der Bedarf wird sogar noch wachsen, denn ein zweiter Platz entsteht bereits. Keine zwei Kilometer entfernt bauen Bill Coore & Ben Crenshaw an weiteren 18 Löchern. Bei unserem Besuch waren schon die ersten Löcher angesät und ein Großteil der Bauarbeiten erledigt. Das Duo, das auch für das Redesign des US-Open-Schauplatzes Pinehurst No. 2 zuständig war (Unvergesslich: Martin Kaymer sicherte sich hier seinen zweiten Major-Titel), könnte mit Cabot Trail sogar ein noch spektakuläreres Layout gelingen. Alleine das Routing der Löcher 16, 17 und 18 ist atemberaubend und führt über Steilküsten und wilde Schluchten. Der Eröffnungstermin steht bereits: Ab Juli 2014 sollen vor allem Golfer von der amerikanischen Ostküste auf den neu gesäten Fairways abschlagen. Ein eigenes  Clubhaus und ein nahgelegener Flughafen sind ebenfalls in Planung, werden aber noch etwas mehr Zeit benötigen.

Für wen ist Cabot Links gedacht? Natürlich für ein ganz spezielles Klientel. Vor allem die wohlhabenden Geschäftsleute und Banker aus New York und Boston sind die Zielgruppe. Hier ist Zeit - und nicht Geld - das Kriterium. Daher sollen auch die Preise deutlich steigen, wenn alles einmal fertig gestellt ist. Bandon Dunes an der amerikanischen Westküste in Oregon ist das Vorbild. Kein Wunder, dass Keiser eingestiegen ist.

Direktflug von Frankfurt
Aber auch für deutsche Golfer ist Nova Scotia eine Reise Wert. Die Natur ist gigantisch, Hummer gibt es wie Sand am Meer (sogar McDonalds bietet einen Lobster-Burger an) und die Golfplätze haben es in sich. Zudem ist Halifax, die Hauptstadt der Provinz, in maximal sieben Stunden Flugzeit von Frankfurt vergleichsweise schnell erreichbar. Die sympathische, nicht zu große Stadt am Atlantik bietet genug, um mindestens zwei Tage hier zu verbringen. Zumal von Halifax auch rasch die starken Plätze Glen Arbour und der New Course des Ashburn GC erreichbar sind. Auf letzterem war die Web.com Tour zu Gast und eben auch Kuchar, Mike Weir, Trevor Immelman und Gary Woodland für die Austragung des Canada Cup, den die USA für sich entscheiden konnte. 

Wer möchte, kann einen Abstecher nach Norden in das exklusive Fox Harbo’r Resort wagen (hier finden Sie den Platztest). Das 5-Sterne-Erlebnis hat ebenfalls einen interessanten Besitzer. Ron Joyce heißt der Unternehmer, der mit der Kaffee-Kette Tim Horton (in Kanada eine Institution) ein Vermögen gemacht hat. Dementsprechend luxuriös ist die Anlage - und der Kurs hat es durchaus in sich. Familie Kuchar übernachtete hier ebenfalls - und vor allem Vater Peter Kuchar war sehr angetan und spielte trotz regnerischem Wetter 18 Löcher.

Rund drei Stunden mit dem Auto sind es von Hailfax nach Cape Breton, wo sich neben Cabot Links auch noch einige andere sehenswerte Plätze befinden. Allen voran Highland Links, ein richtiger Klassiker, den der 1953 verstorbene Kanadier Stanley Thompson 1939 entworfen hat (zur Platzbewertung). Auf dem Weg geht es über die Traum-Route Cabot Trail, eine spektakuläre Straße durch den Cape Breton Highlands National Park (kleiner Tipp: Wanderstiefel nicht vergessen). Auf dem Weg finden sich schließlich noch die Kurse Le Portage und der Bell Bay GC. Beides solide Parkland-Plätze mit schnellen Grüns und einigen interessanten Löchern.

"Kooch" schien es auf jeden Fall in Nova Scotia gefallen zu haben. Das sah man nicht zuletzt seinem Spiel an. Graham DeLeat musste sich im Ashburn GC (zur Platzbewertung) mit 2 down geschlagen geben. Das Schlusswort gebührte dem Ryder-Cup-Spieler: "Nova Scotia hat einiges zu bieten. Es war eine großartige Zeit. Ich habe meinen Besuch wirklich genossen."


Hotel- und Restaurantempfehlungen: 

Downtown schläft man angenehm im Halliburton Halifax Hotel. Die aus dem Jahr 1809 stammenden Townhouses haben Charme und sind solide ausgestattet. Besonders schön ist die Bibliothek mit eigenem Kamin. Ein Parkplatz ist im Zimmerpreis (171 Kanadische Dollar im DZ/F) inbegriffen. Klasse ist das Essen im Stories, dem kleinen Restaurant neben der Lobby. Ein erstklassiges Dinner erwartet die Gäste im Cut Steakhouse. Das moderne Restaurant serviert, wie der Name schon verrät, vor allem Steaks, die mit dem Verfahren des Dry-Aging veredelt wurden. Als Vorspeise ist das Thunfisch-Tartar sehr zu empfehlen. Große Weinkarte. Die Preise sind gehoben. Zu den Klassikern in Halifax zählt das Five Fishermen Restaurant, das vor rund 200 Jahren noch als Schule fungierte. Auf den Tisch kommt frischer Fisch und Hummer sowie Steaks. Unbedingt einen Besuch abstatten sollte man der Halifax Waterfront: Der komplette Pier wurde mit einem Holzsteg ausgelegt. Hier kann man locker eine Stunde flanieren, den Sonnenuntergang auf einer der zahlreichen Sitzgelegenheiten genießen oder im Bicycle Thief dinieren und den kleinen Yachthafen bewundern. Ach ja: Der beste Golf-Shop der Stadt heißt Golf Town, bietet gute Preise (günstiger Wechselkurs) und hat ein riesengroßes Sortiment. 

Das Fox Harb’r Resort & Spa liegt von Halifax rund 180 Kilometer nördlich. Das im Jahr 2000 eröffnete Resort ist das einzige in Kanada, das über fünf Sterne verfügt. Das beste Angebot in einer der großzügigen Häuser kostet für zwei Personen 599 bis 799 Kanadische Dollar im DZ/F inklusive Greenfee und Cart.

Cabot Links in Inverness ist von Halifax rund 350 Kilometer entfernt. Das ist durchaus ein lange Strecke, aber Hinfahren sollte man dennoch. Denn landschaftlich ist der Platz einfach ein Traum, die 48 Zimmer sind top-modern und bieten einen tollen Blick auf den Sankt-Lorenz-Golf (180 bis 245 Dollar im DZ). Auch das Essen in den insgesamt drei Restaurants ist exzellent. Wer neben dem Golfen noch etwas Entspannung sucht: Die Glenora Distillery an der Route 19 bietet Single-Malt-Whiskey und geführte Touren durch die Destillerie.

Auf dem Weg zum Keltic Lodge Resort, wo sich auch die 18 Löcher des Highland Links befinden, fährt man durch den Cape Breton Highlands National Park (Gebühr: 19,60$ als Gruppe) auf dem berühmten Highway Cabot Trail. Neben Wanderungen bietet sich auch Whale Whatching an, zum Beispiel in Pleasant Bay (49$).

Die Keltic Lodge liegt noch im Park auf einer Felsklippe mit Ausblick auf den Atlantik. Neben dem Haupthaus mit mehreren Zimmer (DZ/F 299$) und Suiten gibt es auch kleine Wohnungen, die man anmieten kann. Gut Abendessen kann man im Hotel im Purple Thistle Dining Room, der von der Zeitschrift Wine Spectator seit einigen Jahren ausgezeichnet wird.Flugverbindung: Condor fliegt von Frankfurt direkt nach Halifax. Die Flugzeit beträgt zwischen sechs und sieben Stunden. Das Golfgepäck kostet pro Einzelstrecke 75 Euro extra und muss angemeldet werden (zum Gepäck-Check). 

Beste Reisezeit: Ähnlich wie in Deutschland - von Mai bis Oktober.

Währung: Ein Kanadischer Dollar ist umgerechnet etwa 0,69 Euro Wert (100 Kanadische Dollar sind etwa 69 Euro). Alle gängigen Kreditkarten werden angenommen. Nur an den beiden Brücken vom Flughafen nach Halifax benötigt man eine Dollar-Münze beziehungsweise Dollar zum Wechseln. Am Flughafen gibt es einen ATM, an dem man mit EC-Karte Geld ziehen kann.

 

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