Bild Information: Old Head in Kinsale

Ab auf die Insel

West Cork - Irland
 

West Cork ist vielen Golf-Fans kein Begriff. Das sollte sich schnellstens ändern.

1999 ging eine ganz besondere Gruppierung ans erste Tee des Old Head Golf Links: Tiger Woods, Mark O’Meara, Lee Janzen, David Duval, Stuart Appleby und der mittlerweile verstorbene Payne Stewart hießen die Stargäste. Die Runde machte dem Sextett sichtlich Spaß, diente aber eigentlich zur Vorbereitung. Denn gleich darauf ging es per Privat-Jet zur Open Championship ins schottische Carnoustie. Das Major gewann schließlich Paul Lawrie, der tragische Verlierer war der Franzose Jean van de Velde, den man auch heute noch im Gedächtnis hat, seitdem er mit hochgekrempelten Hosen im Wasser der 18 stand. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück nach Irland, genauer gesagt in die Region West Cork. Hier in Kinsale, einem beschaulichen Fischerdorf an der Südwestküste der Insel mit kaum mehr als 5.000 Einwohnern, trifft man des Öfteren Golfer beim Abendessen in einem der exzellenten Restaurants. Kein Wunder, denn das kleine Küstenstädtchen hat sich einen erstklassigen Ruf in Sachen Gastronomie erworben. Angeblich isst man in der Gegend in ganz Irland am besten. Bei unseren Abstechern in das Steakhaus "Man Friday" und beim sehr feinen Dinner im "Fishy Fishy" mit frischen Miesmuscheln und Kabeljau konnten wir das bestätigen.

Für welchen Platz setzt man sich in den Flieger?

Doch wegen der Gastronomie verschlägt es einen Golf-Redakteur natürlich nicht nach Irland. Stattdessen war ein Golfplatz der Anlass für diesen Trip, und zwar der Old Head Golf Links. Die Frage lautete: Welcher Platz ist für sich alleine eine Reise wert? Klar, der große Augusta National wäre es. Aber da darf keiner drauf. Der Old Course in St. Andrews ist es mit Sicherheit. Vielleicht TPC Sawgrass mit seinem berühmten Inselgrün. Und wahrscheinlich auch Pebble Beach, diesen sündhaft teuren Spitzenplatz an der Küste von Monterrey. Aber sonst? Spielt Old Head in dieser Kategorie mit? Golf.de wollte es herausfinden.

Allein die Lage des erst 1997 eröffneten Platzes ist spektakulär. Die 18 Löcher (Par 72) erstrecken sich über rund 90 Hektar und liegen direkt am Atlantik in der Keltischen See auf einem vorgelagerten Kap. Der Zugang zum Gelände, auf dem ein Leuchtturm von 1853 weiterhin sein Werk verrichtet, erfolgt über eine schmale Landzunge mit eisernem Tor - bis sich das Paradies öffnet. Bis zu 6.580 Meter spielt sich der Links-Platz mit zahlreichen Löchern, die direkt an der Küste verlaufen oder zwischen Ruinen aus dem 12. Jahrhundert angelegt sind. Selbst wenn man den Platz ein zweites Mal spielt, greift man immer wieder zur Kamera. Die Ausblicke sind einfach gigantisch.

1989 erwarben die Brüder John und Patrick O’Connor für angeblich 245.000 Euro das Land, nachdem ein Farmer keine Lust mehr hatte, mit anzusehen, wie ständig seine Schafe aus Versehen über die steilen Klippen ins Meer stürzen. Eigentlich ein Schnäppchen. Die Resonanz der Architekten war groß: "Einer erzählte mir, ich könnte hier den spektakulärsten Platz der Welt bauen", berichtet John O’Connor, mittlerweile Präsident des Clubs.

"Pebble Beach auf Steroiden"

Gestaltet wurde der Kurs schließlich von mehreren Designern, unter ihnen Jack-Nicklaus-Schüler Ron Kirby und Eddie Hackett. Vor allem Hackett ist inzwischen ein großer Name: Waterville, Donegal und Enniscrone sind einige der Klassiker des 1996 verstorbenen Iren. Angeblich wurden die Pläne für Old Head unzählige Male über den Haufen geworfen, bis die ideale Route gefunden war. In den ersten Jahren nach der Eröffnung gab es noch zahlreiche Kritik am Design einiger Löcher, die erneut zu Re-Designs führten. Günstig war die Entstehung nicht: Seit dem Jahr 2000 wurde an jedem Loch etwas geändert. Bis 2008 wurden mehr als acht Millionen Euro investiert, um Ondulierungen zu ändern, die Grüns welliger zu gestalten sowie Bunker anders anzuordnen und zu formen. Herausgekommen ist ein wirklich großer Kurs, der viel Spaß macht, allerdings bei viel Wind auch unglaublich schwierig für Amateure zu spielen ist. Rick Goings, CEO von Tupperware, sagte über Old Head: "Der Kurs ist wie Pebble Beach auf Steroiden".

Den Platzrekord von 68 Schlägen halten übrigens zwei nicht ganz unbekannte Spieler: Tiger Woods und Sergio Garcia. Phil Mickelson, Graeme McDowell und Stuart Appleby haben auch schon abgeschlagen, genau wie der Ex-Überbasketballer Michael Jordan oder Rudy Giuliani, ehemaliger Bürgermeister von New York.

Und sonst? Neben diesem Kracher gibt es in der Gegend keinen Platz, der es mit Old Head aufnehmen kann. Was nicht heißt, dass man südwestlich von Cork nicht feines Golf spielen kann. Es gibt einige schöne Kurse. Wir spazierten über die Fairways des Bandon Golf Club, durften im etwas weiter entfernten Bantray Bay GC abschlagen und waren sehr angetan vom 9-Löcher-Kurs Lisselan, einem Parkland-Juwel mit toller Vegetation und einigen großartigen Ideen (Wo sonst fährt man zweimal mit einer Zahnradbahn zum nächsten Abschlag?).

Auch das Wetter spielte mit. Während in Deutschland der kälteste Frühling in einen noch kälteren Sommer überging, war es an der irischen Küste durchaus solide. Zwar fegt fast täglich ein Schauer über den Platz, doch meist ist der Regen nach maximal einer Stunde wieder verschwunden, und dann zeigt sich die Sonne. Der Wind hat eben auch sein Gutes. Bleibt nur noch eins zu sagen: Ab auf die Insel.

Hotels und Restaurants

Das Inchydoney Island Lodge & Spa in Clonakilty, ein 4-Sterne-Hotel mit 67 Zimmern, bietet einen tollen Ausblick auf das Meer und verfügt über ein sehr anständiges Restaurant sowie zwei Bars. Mit dabei - und in Irland selten: ein eigenes Spa. Bis nach Old Head fährt man etwa 45 Minuten. Preise: ab 95 Euro im DZ.

Zudem kann man direkt auf dem Old Head Golf Links in einer von 15 "Members' Suites" wohnen. Der Standard ist hoch, die Preise leider auch. Ab 275 Euro pro Nacht.

Die Steaks im Man Friday in Kinsale sind großes Kino. Perfekt auf den Punkt, super Qualität und riesengroß - so muss es sein. Gute Weinkarte. Ebenfalls in Kinsale und ebenfalls sehr empfehlenswert: Das Fishy Fishy. Wie der Name schon verrät: Hier wird Fisch in allen Variationen angeboten. Es gibt auch frische Austern! In Bantry können wir das O'Connors empfehlen: auch hier ist Fisch die Spezialität.

Reisezeit
Das Wetter in Cork ist - wie in Irland insgesamt - sehr wechselhaft. Es ist nie ganz kalt aber auch nie wirklich warm, was auch am Wind liegt. Zu empfehlen ist der europäische Sommer, aber auch im April kann man teilweise schon sehr schöne Tage haben. Regnen kann es immer, aber meist handelt es sich nur um einen kurzen Schauer. Unbedingt einpacken: Mütze, Rollkragenpullover und Regenkluft.

Flüge
Air Lingus bietet aus München, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Bremen und Berlin Direktflüge nach Cork an.

Besonderheiten
Die Landstraßen in Irland sind vergleichsweise schmal. Auch wenn die Distanzen zu den Plätzen oftmals gar nicht so weit sind, dauert die Anreise länger, als man denkt: Außer auf den Autobahnen kann man selten schneller als 80 km/h fahren.

Anhänge

Anzeige
Anzeige

Irland

Old Head: 'Wie Pebble Beach auf ...

Mit Old Head Golf Links liegt einer der besten Golfplätze der Welt im Südwest...

weiterlesen
Der prominenteste Trump-Platz in Europa: Der Ailsa Course des Trump Turnberry-Resort (Foto by Stuart Franklin/Getty Images) Der prominenteste Trump-Platz in Europa: Der Ailsa Course des Trump Turnberry-Resort (Foto by Stuart Franklin/Getty Images)

Panorama

Trump macht Millionen-Verluste

Golfanlagen des US-Präsidenten in Europa sind nicht profitabel.

weiterlesen
Old Head of Kinsale Golf Course in Irland Old Head of Kinsale Golf Course in Irland

Promotion

Irland: Herzlich, natürlich und ...

Die Profigolfer Rory McIlroy, Phil Mickelson und Tiger Woods und die Schauspi...

weiterlesen

Irlands Südwesten

Fotas Parklandparadies

1993 bekam Ryder-Cup-Spieler Christy O'Connor den Auftrag, in Fota Island ein...

weiterlesen