Bild Information: Geadelt: Portrush war 1951 schon einmal Austragungsort der Open Championship (Foto: PR)

Auf den Spuren der Links

Irlands Norden
 

Eine Reise-Empfehlung für den perfekten Buddy-Trip durch den Norden Irlands.

Strahlender Sonnenschein, Meer und Sandstrand – so sieht für viele der perfekte Urlaub aus. Golfer machen da keine Ausnahme. Mallorca ist beliebt, auch Golfreisen ins spanische Festland oder nach Portugal werden gerne genommen. Besonders wichtig: den deutschen Regentagen ein Schnippchen schlagen.

Wir hätten jedoch einen anderen Vorschlag. Eine Sache für echte Männer. Nein, kein Fußball-Abend mit Grillsteaks und Bier. Sondern richtig gute Golfplätze. Bei Regen. Bei Wind. Bei Kälte. Zum Aufwärmen gibt es dann im Clubhaus auch einen 16 Jahre alten Jameson-Whisky.

Die Rede ist von Links-Plätzen, wie sie nur in Großbritannien oder Irland zu finden sind. In Deutschland gibt es eigentlich keine echten Links, eine Ausnahme ist der relativ neue GC Budersand auf Sylt an der Nordseeküste. Doch was macht Links-Golf eigentlich aus?

Echte Links-Plätze sind auf sogenanntem Linksland entstanden. Diese Dünenlandschaft ist der Streifen zwischen Meer und Land und stammt vom englischen Verb "to link" (verbinden) ab. Charakteristisch sind hochstehendes Dünengras, ein sehr salzhaltiger Sandboden mit vergleichsweise wenig Graswuchs und eine Vegetation mit Sträuchern und dunkelgelben Ginster.

Die Open wird nicht in Augusta gespielt

Da Bäume eher selten sind, fegt der Wind meist ungehindert über die Bahnen. Regenschauer oder große Hitze können Links-Plätzen meist nichts anhaben, alleine die Optik ist bei einem heißen Sommer eine andere. Bestes Beispiel war die Open Championship von 2006 in Royal Liverpool: Braun und karg sahen die Fairways im TV-Bild aus, dennoch war der Kurs in respektablem Zustand, um das Major auszutragen.

Der Nachteil von Links-Plätzen? Sie sind schwierig zu spielen. Besonders für Golfer, die nicht am Meer leben. Gefragt sind alle Aspekte des Spiels. Flache Bälle gegen den Wind, verschiedene Flugkurven, eine variantenreiches kurzes Spiel und viel Einfallsreichtum. Oft muss man den Bump-and-Run einsetzen, eine Art flacher Dackeltöter, der richtig dosiert sein will, wenn er auf den welligen Grüns stoppen soll. Außerdem kann es kalt sein, regnen, eventuell sogar richtig stürmen. Aber wie heißt es so schön: Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung.

Daher unser Tipp: Packen Sie ordentliche Regenkleidung, eine Mütze sowie einen warmen Rollkragenpullover ein und lassen sie Ehefrauen und zu sensible Clubkameraden zuhause. Mitnehmen sollten Sie Golferverrückte, die bereit sind, spielerisch und wettertechnisch an ihre Grenzen zu gehen. Im Gegenzug spielen Sie auf genialen Plätzen, erleben traditionsreiche Clubhäuser und sehen vielleicht sogar einen Typen wie Darren Clarke auf dem Abschlag stehen.

Ausgangspunkt einer Reise ist am besten Dublin, da die Hauptstadt deutlich öfter (und daher auch günstiger) von deutschen Flughäfen angeflogen wird als das nordirische Belfast. Von dort kann man entweder direkt in den Norden aufbrechen oder einen Abstecher im auf dem Weg liegenden Enniskillen einlegen. Hier wurde 2009 der Faldo Course des 5-Sterne-Resorts Lough Erne eröffnet. Obwohl es sich nicht um einen klassischen Links-Kurs handelt, sollten Sie sich diesen Kurs keinesfalls entgehen lassen. Denn eins ist der Platz wirklich: spektakulär. Nicht weit entfernt befindet sich der Slieve Russell GC, der Platz des angeschlossenen 4-Sterne-Hotels. Hier werden am Wochenende gerne Hochzeiten gefeiert - eine Starzeit auf dem gut gepflegten Parkland-Platz werden Sie dennoch bekommen. 

Dann geht es aber los mit den echten Links-Plätzen: Von Eniskillen sollte man einen Tagesausflug nach Rosses Point unternehmen (circa eineinhalb Stunden einfach mit dem Auto) und im County Sligo GC aufteen. Der Kurs zählt dank seines Alter, gegründet wurde der Club bereits im Jahr 1894, zu den Klassikern auf der grünen Insel und liegt noch unterhalb der Grenze zu Nordirland.

Etwa 130 Kilometer sind es von Enniskillen bis nach Ballyliffin. Direkt an der Küste gelegen, versetzt einen der gleichnamige Club mit den zwei sensationellen Plätzen Old Links und Glashedy Links in die Vergangenheit zurück. Hier gibt es nur Wind, Wasser, Dünengras – und sensationelle Golflöcher.

Einen Stopp können Sie dabei auch im Rosapenna Golf Resort mit seinen beiden exzellenten Plätzen Old Tom  Morris und dem sehr anspruchsvollen Kurs Sandy Hills einlegen. Ebenfalls einen Abstecher wert: Narin & Portnoo. Auch hier läuft ein Großteil der Löcher direkt am Atlantik entlang. Vom Hotel in Rosapenna fahren Sie einfach etwa eineinhalb Stunden nach Portnoo. 

Bis nach Portstewart sind es rund 100 Kilometer, wenn man nicht die Fähre über den Lough Foyle nimmt, der die Countys Donegal und Londonderry trennt (aber keine Zeitersparnis bringt). In Portstewart steht der Strand Course auf dem Programm, ein – allen voran auf den ersten sieben Löchern - gigantisch guter Kurs.

Weiter geht es entlang am Nordatlantik Richtung Portrush. Die Heimatstadt von US Open Champion Graeme McDowell ist eher wegen des gleichnamigen Golfplatzes das Ziel. Denn Royal Portrush ist wahrlich ein Meisterwerk und der einzige Kurs in Nordirland, der bislang die Open austragen durfte. In Portrush lohnt außerdem ein Abstecher zum Giant’s Causeway, einer riesigen Steinformation direkt am Nordatlantik, die von der Unesco zum Weltnaturerbe ernannt wurde.

Auf dem Weg zurück in Richtung Dublin wartet mit Royal County Down ein weiterer Hochkaräter der Grünen Insel. Etwa zweieinhalb Stunden sollte man für die Fahrt einplanen, doch dieser Abstecher lohnt sich allemal. Der Platz gilt in vielen internationalen Fachzeitschriften als bester Links-Kurs überhaupt.

Von dort sind es noch mal knapp 150 Kilometer bis Portmarnock, südwestlich von Dublin. Wenn Sie einen Flieger am frühen Abend buchen, können Sie an diesem Tag noch einmal spielen. Besonders lohnenswert sind der Portmarnock Golf Club, aber auch der von Bernhard Langer entworfene The Links Portmarnock mit angeschlossenem Hotel.

Für einen vergleichbaren Trip benötigen Sie etwa eine Woche bis zehn Tage. Wenn Sie wollen, können Sie oftmals sogar 27 oder 36 Löcher an einem Tag spielen, denn die Iren haben selten ausgebuchte Startzeiten. Mehr Golf werden Sie kaum in einem anderen Land finden.

Allgemeine Infos
Nordirland gehört zum Königreich Großbritannien. Daher wird mit britischen Pfund gezahlt. In Irland mit Hauptstadt Dublin zahlt man in Euro. Kreditkarten sind jedoch in allen erwähnten Clubs gerne gesehen und können auch für kleine Beträge eingesetzt werden (Birdie-Book, Trolley etc.). Aufgepasst: In Irland gilt Linksverkehr beim Autofahren!

Reisezeit
Generell kann man sowohl in Irland als auch in Nordirland ganzjährig an den Abschlag gehen. Wer jedoch auf Winterhandschuhe verzichten möchte, sollte die Monate April bis Oktober vorziehen.

Hotels & Restaurants
In Eniskillen führt kein Weg am luxuriösen 5-Sterne-Resorts Lough Erne vorbei, das 2007 eröffnet wurde. Eine Alternative ist das Slieve Russell Hotel das von Dublin in unter zwei Stunden Fahrtzeit erreichbar ist.

In Sligo wird das DZ des Radisson SAS Sligo Hotel ab 100 Euro angeboten. Sehr empfehlenswert ist das zudem das Mill Restaurant an der Sheephaven Bay in Dunfanaghy, das auch über sechs schöne Zimmer verfügt (EZ 60 Euro). Das Menü für 41 Euro ist sein Geld auf jeden Fall wert. Das Rosapenna Resort ist dank seiner Lage direkt an den beiden Plätzen ein guter Zwischenstopp (Ü/F und zwei Greenfees ab 130 Euro p.P.), ehe es weiter nach Norden geht. In dem kleinen Städtchen Ballyliffin ist die beste Wahl das 4-Sterne-Hotel Ballyliffin Lodge (Ü/F ab 70 Euro p.P.). Außerdem empfehlenswert: Das McGrory's of Culdaff (Ü/F ab 50 Euro).

Direkt in Portstewart liegt das Strand House mit sieben Zimmern (ab ca 140 Euro im DZ/F). Von dort kann man zu Fuß zum Platz laufen. Äußerst stimmungsvoll und unbedingt zu empfehlen ist das Bushmills Inn, das von Portrush in circa zehn Minuten mit dem Auto erreichbar ist. Ausgezeichnet ist das vom Guide Michelin empfohlene, an das Hotel angeschlossene, Restaurant.

Im Umkreis von Dublin sollten Sie eines der neuern Zimmer im Portmarnock Hotel & Golf Links buchen. Ein exzellentes Fischrestaurant mit großartigem Blick auf das Meer ist das Aqua am Pier von Howth (Tel. +353 1/832 0690).

Buchungshilfe
Die Organisation North & West Coast Links Golf bietet viele Informationen über einige der besten Links-Plätze auf der Insel. Zudem organisieren die Spezialisten komplette Reisen und helfen bei Startzeitenbuchungen. Das zuständige Fremdenverkehrsamt ist Tourismus Irland in Frankfurt (ireland.com).

Flugverbindungen
Aer Lingus bietet Direktflüge von München, Stuttgart, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Berlin nach Dublin. Es ist auch möglich, nach Belfast zu fliegen.

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