Bild Information: Das Clubhaus des Augusta National Golf Club (Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Ein Mythos aus 18 Löchern 

Plätze
 

Die 100 besten Plätze der Welt im Porträt: Augusta National.

Augusta National Golf Club
Adresse: 2604 Washington Rd, Augusta, GA 30904, USA
Greenfee: -
Spielbarkeit für Gäste: nur auf Einladung eines Mitglieds

Irgendwie ist dieser Platz ein wenig irreal. Jeder Golfer kennt ihn - kaum einer hat ihn jemals gespielt. Die 18 Löcher von Augusta National wecken Begehrlichkeiten, sorgen für Wunschträume, führen zu Gänsehaut und Herzrasen, wenn es dann endlich so weit ist: Das Tor an der vielbefahrenen Washington Road im Südstaaten-Städtchen Augusta öffnet sich, der Blick fällt auf eine lange Allee und der Gast biegt ein in die Magnolia Avenue. Mächtige Magnolien-Stämme, ein Dach aus Blättern; am Ende der Allee wartet das Clubhaus.

Es ist eine Erfahrung, die man nicht online buchen, nicht einfach kaufen kann. Die Tickets für das Masters Tournament, das seit 1934 auf diesem Platz ausgetragen wird, mag man auf dem Schwarzmarkt für ein paar hundert Dollar ergattern können, eine 18-Löcher-Runde dagegen ist an eine Einladung des Clubs, eines Mitglieds oder Masters-Teilnehmers gebunden. Um es kurz zu machen: Eine Runde in Augusta wird für 99 Prozent aller Golfer ein Wunschtraum bleiben. In meinem Fall beschert mir die Lotterie für Journalisten zweimal innerhalb von 20 Jahren eine Runde am Montag nach dem Turnier.

Der Mythos der Anlage basiert auf  Perfektion in vielerlei Hinsicht. Da ist das hügelige, großflächige Gelände, das Bobby Jones von Beginn an entzückte: "Ich werde niemals meinen ersten Besuch auf der Anlage vergessen, die heute Augusta National ist", schrieb er in seinem Buch Golf is my Game. "Die lange Reihe von Magnolien, durch die wir kamen, war einfach wunderschön. Das alte Manor Haus mit seiner kleinen Kuppel und dem sechzig Zentimeter dicken Mauerwerk hatte Charme. Die einzelnen Bäume und Büsche der alten Gärtnerei waren entzückend. Aber als ich rausging auf die Terrasse unter den großen Bäumen hinter dem Haus und auf den gesamten Besitz blickte, war das eine Erfahrung, die ich niemals vergessen werde. Es sah aus, als läge dieses Land seit ewigen Zeiten hier und warte nur darauf, dass jemand vorbeikomme und einen Golfplatz daraus machte."

Ein Platz, der Spaß machen soll

Der weltbeste Golfer Bobby Jones und einer der weltbesten Architekten, Alister MacKenzie, machten sich ans Werk. Wer all’ den Erzählungen und Geschichten glaubt, die sich um unspielbare Putts, endlos lange Drives und unbezwingbare Pitches drehen, verkennt, dass der Design-Plan des Duos nicht einen besonders schwierigen Platz zum Ziel hatte. "Unser Golfplatz wurde so designt, dass unsere Mitglieder auf ihm Spaß haben, wohingegen sie keine Freude daran haben, den ganzen Tag lang nur aus Sand oder langem Gras heraus zu spielen", erklärte Jones.

Einen Platz für Denker und Strategen wollten die beiden schaffen, eine Art Schachspiel für Golfer - wer an einem Loch den ersten Zug verpatzt, wird scheitern. "Es gibt da draußen kein Loch, das man nicht mit einem Birdie verlassen kann, wenn man genau nachdenkt. Es gibt da draußen auch kein Loch, das nicht ein Doppel-Bogey möglich macht, wenn man aufhört nachzudenken." An diesen Aussagen Jones' hat sich bis heute nichts geändert - auch wenn Augusta National selbst wahrscheinlich der am häufigsten umgebaute Golfplatz der Welt ist. Jahr für Jahr, mal mehr mal weniger, angepasst an die Spielfähigkeit der Profis, die Bedürfnisse des Turniers.

Der harmlose Normal-Golfer begegnet dem Erlebnis mit Ehrfrucht: Eine perfekte Parklandschaft breitet sich vor den eigenen Augen aus, die Grashalme am ersten Tee stehen in Reih und Glied und was macht es da, dass unsereins seine Schuhe und Umziehkleidung im Abstellraum für Putzsachen der Damentoilette bunkern musste. Als ich Augusta National 2001 zum ersten Mal spielte, waren Frauen im Club noch nicht vorgesehen und Umkleideräume nicht vorhanden.

Eine Parklandschaft voll von Hindernissen

Am Ende ist die Erfahrung aber ohnehin geschlechtsneutral. Vom Members-Tee, das in der Regel einer Platzlänge von 6.300 bis 6.600 Yards entspricht, spielen Männer wie Frauen. Und um ehrlich zu sein: Um den Score, das Handicap oder die Anzahl der Dreiputts macht man sich auf einer Runde in Augusta ohnehin keine Gedanken. Spätestens nachdem die Grünannäherung an Bahn eins rechts vom Grün im Semirough gelandet ist - tote Zone, wie jeder Profi mit Kennermiene bestätigen würde - und sich der Schlag aufs Grün als nicht machbar herausgestellt hat, sind die Regeln klar gesteckt: Dies wird ein "Walk in the Park", wie es die Amerikaner gerne nennen. Der Kurs hat das Sagen. Der Besucher genießt.

Wo sonst passiert man auf einem Golfplatz Denkmal um Denkmal? Rae’s Creek, Amen Corner, die Sarazen Bridge, die an Gene Sarazens Albatross 1935 an Bahn 15 erinnert. Spieltechnisch mangelt es nicht an Herausforderungen: Tatsächlich ist der Bergab-Schlag vom 11. Fairway auf das schmale Grün ausgesprochen eklig, der Anstieg zum neunten Loch beträchtlich und der Buckel am Grün von Juniper, Loch 6, so hoch wie ein Elefantenrücken.

Der Caddie ignoriert die Dreiputts und falsch angepeilten Landezonen. Er kennt diese Szenarien von all’ den Gästen. Golf spielen in Augusta ist ein klein wenig wie auf Safari gehen. Es geht darum, das Gespür aufzunehmen, Fährten zu lesen, geknickte Grashalme richtig zu deuten. Eigentlich alles unmöglich beim ersten Mal.

An der 18 dann spielt das Ergebnis ohnehin keine Rolle. Im Hintergrund schimmert das weiße Clubhaus mit seinem Balkon vor sich hin. Die dicke Eiche steht mächtig im Vordergrund und wirft Schatten. Weil ich es bin, die das 18. Loch beendet hat, und nicht Jordan Spieth oder Bernhard Langer, verdeckt kein einziger Zuschauer den Blick auf das Gebäude. Im Clubhaus herrscht Leere, meine Umziehsachen liegen unberührt neben dem Wischmop in der Damen-Toilette und das Barbecue vor dem Clubhaus zum Abschluss ist perfekt. Ein Traumtag. Fast ein wenig irreal. 

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