Bild Information: Phil Mickelson verzweifelt auf dem Grün (Photo by GettyImages/Ross Kiinnaird)

"Ich werde einfach nicht besser"

Kolumne
 

Die meisten Golfer machen das Material für ihr Spiel verantwortlich. Ist es aber nicht! 

Der Gedanke an Golf ist übermächtig - jetzt, wo die neue Saison schon fast begonnen hat. Das neue Jahr ist noch keine 30 Tage alt, aber die deutschen Golfer wollen raus auf Fairways und Grüns.  In den meisten Teilen Deutschlands dauert das noch ein paar Tage. Aber wer nicht spielen kann, der geht eben Shoppen. Neues Golf-Equipment kann man schließlich immer brauchen. "Außerdem werde ich dann bestimmt besser", denken sich die meisten Golfer. Doch ist das wirklich so? Ein neuer Driver und schon treffe ich jedes Fairway auf 250 Meter? Neue Eisen und ich treffe die Grüns vom Fairway? Ein neuer Putter und schon fallen all meine Putts?

Viele geben Hunderte von Euros aus, um stets das neueste Material in der Tasche zu haben. Andere kaufen sich – aus finanziellen Gründen - die gebrauchte Variante aus dem Vorjahr – Hauptsache eine Veränderung im eigenen Bag, scheint der Weg zum Ziel zu sein. Die Ziele sind klar definitiert: Ich will besser/länger werden. Der Score soll besser werden. Der Sieg gegen den Kumpel beim Matchplay muss endlich her. Leider glauben zu viele, dass neues Material die Lösung ist. Ist es aber nicht! 

Innovatives Material und ein Schlägerwechsel im Bag sind in den meisten Fällen nicht schädlich für ein gutes Spiel, dennoch liegt es bis heute immer noch am Spieler selbst, wie er den Ball trifft und wie sich dieser daraufhin verhält. Ich selbst habe mit neun Jahre alten Schlägern das Golfspielen gelernt und kam sehr gut mit den gebrauchten Eisen zurecht. Die letzten sieben Jahre hat sich mein Spiel damit ganz gut gemacht - mein Handicap hat sich um 30 Punkte verbessert. Die Zeit auf der Driving-Range war zwar nicht immer mehr als die auf dem Platz, aber es war eine gesunde Mischung aus beidem. Es lag also definitiv nicht am Material. Es lag am Training, am Umdenken, am Ehrgeiz und vielleicht auch ein bisschen am Spaß am Spiel – aber sicher nicht am Material, denn das war alles andere als neu und innovativ. 

"Meine Abschläge sind so kurz" – Das muss am Driver liegen.

"Ich treffe kaum ein Grün vom Fairway" – Höchste Zeit für neue Eisen.

"Meine Putts fallen einfach nicht ins Loch" – Vielleicht sollte ich auch einen Blade-Putter oder einen dieser Putter, die aussehen als wären sie auf einer Raumstation entwickelt worden, ausprobieren? 

Nein. Es liegt nicht daran! So leid es mir tut, es liegt an Ihnen! Natürlich ist es der vermeintlich leichtere Weg, Geld für neues Material, die schickste Klamotte oder den neuesten E-Trolley auszugeben. Aber all das wird uns nicht helfen, den Ball leichter und schneller ins Loch zu bekommen oder das Handicap deutlich zu verbessern. Wieso zögern so viele Golfer, ihr Geld lieber in Unterrichtseinheiten zu stecken? Liegt es daran, weil man von einem Pro keinen physischen Gegenwert erhält, den man stolz auf dem ersten Tee herzeigen kann? Ein Golflehrer kann einem so viel mehr geben als neues Equipment. Er sieht Dinge an unseren Schwüngen, die man sonst nie erfahren hätte. Ein Beispiel: Wenn die Ausrichtung beim Ansprechen schon nicht stimmt, kann auch der neue Driver keine Abhilfe mehr schaffen. 

Lesen Sie auch: Wann sollte man die Eisen wechseln

Trotzdem: Die passende Ausrüstung hilft natürlich. Man sollte verschiedene Hersteller ausprobieren und abwägen, welche Schlägereigenschaften zu einem passen. Ein Fitting macht ebenfalls deutlich, wie die Eigenschaften sein sollten, um Ihren Schwung möglichst optimal zu nutzen. Es führt aber nur in den seltensten Fällen ein Weg am Training und Unterricht vorbei. Gehen Sie zu ihrem Lieblings-Pro und Sie werden sehen, wie sich Ihr Spiel verändern wird. Zu der Unterrichtseinheit ist natürlich auch Selbstdisziplin gefragt und Übung, Übung, Übung. Erst wenn das der Fall ist, gibt es keine Ausreden mehr. 

Wann sollte man die Eisen wechseln? Weitere Tipps und Tricks für Ihre Ausrüstung finden Sie hier

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