Martin Kaymer und Tischtennis-Legende Jörg Roßkopf (Foto: Stefan von Stengel)
Bild Information: Martin Kaymer und Tischtennis-Legende Jörg Roßkopf (Foto: Stefan von Stengel)

Zu Gast bei Kaymer

Reportage
 

Martin Kaymer lädt ein - zu seinem ersten Turnier. Mit seiner Helianthus Stiftung und der Sporthilfe lässt er in seinem Heimatclub Mettmann Olympiasieger, Weltmeister und Unterstützer eine Runde für einen guten Zweck spielen. Golf.de war dabei.

"Hier gibt es nichts zu sehen", schreit Jonas Reckermann. Seine Haare leuchten rot auf einem gut zwei Meter großen Körper, allein das ist eigentlich genug, um die Blicke auf sich zu ziehen. Nun hat der Beachvolleyball-Olympiasieger aber noch einen Golfschläger in der Hand, was es in diesem Moment eigentlich unmöglich macht, nicht zu glotzen. Und deswegen ist Reckermanns Einlass mehr Witz als Wunsch auf ein ungestörtes Abschlagen. Neben ihm steht Martin Kaymer und lacht. Er schaut dem Ball seines Sportkollegen nach, schlecht fliegt er nicht, mancher schreit angesichts des angegebenen Handicaps von rund 24 "Handicapschoner". Reckermann lacht: "Wenn es darauf ankommt, bin ich da."

Und tatsächlich zittert der Arm bei einigen Golfern an diesem Mittwoch im Golf Club Mettmann besonders an Loch 3 gewaltig. Am Par 3 wartet Martin Kaymer, Gastgeber des ersten Benefiz-Turniers seiner Helianthus-Stiftung, das er gemeinsam mit der Deutschen Sporthilfe organisiert. Mit jeder Gruppe spielt er die knapp 190 Meter lange Bahn, posiert für Fotos mit den Golfern unter denen wie Reckermann viele Olympiamedaillengewinner, Weltmeister und andere Sportlergrößen sind.

Für Kaymer geht im Club, in dem seine Golferkarriere ihren Anfang nahm, damit ein langer Weg zu Ende. Seit knapp zwei Jahren hat er die Idee eines eigenen Turniers für einen guten Zweck im Kopf. Ausgangspunkt war ein Treffen mit Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für Menschen mit Behinderung und mehrfache Paralympics-Goldmedaillengewinnerin im Langlauf und Biathlon. "Ich habe Olympiateilnehmer kennengelernt, die ganz andere Sportarten machen als ich und wesentlich weniger Geld verdienen", erzählt er in Mettmann. "Teilweise müssen sie einen Nebenjob machen, um das tun zu können, was sie leidenschaftlich machen. Und so lag mir schon am Herzen, dass man so Leute auch nicht vergisst."

Geld gegen das Vergessen

Und so sammelt er zwischen seinen eigenen Turnieren nun Geld gegen das Vergessen. Und für den Olympischen Gedanken im Golfsport. "Mir liegt das Olympische Thema schon sehr am Herzen. Wir sitzen ja alle in einem Boot im nächsten Jahr. Wir wollen ja, dass wir alle so viele Goldmedaillen wie möglich holen." So kam die Sporthilfe ins Spiel. "So können wir einfach größere Projekte stemmen und auch langfristig planen." Deswegen will er nicht privat Geld verteilen, auch wenn das theoretisch auch möglich wäre. Zumal er genau sehen will, was er bewirkt. " Ich würde mir gerne Projekte suchen, wo du auch wirklich das Endresultat siehst. Nicht in irgendeinen Pott dein Geld reingeben und dann weiß ich nicht, was damit passiert."

Kaymer ist das alles wichtig, wichtiger als die Aufmerksamkeit drumherum, auch wenn ohne wenig möglich ist. Und so steht er mehrere Stunden im kühlen Herbst an der dritten Bahn und schlägt sein Eisen 5 mal um mal auf das Grün. Und auch wenn das erste Birdie erst spät fällt, beim geschätzt 15. Versuch, ist er guter Dinge. Von den Spenden, die er am Abend im Rahmen einer kleinen Gala sammeln will, hat er auch er was. "Da bekommst du sehr viel zurück. Das hat dann nichts mehr mit dem Golfspielen zu tun. Es ist einfach das Leben."

"Das haben wir nie erleben müssen"

Er selbst merke dann, wie gut es ihm in seinem Leben gehe. "Das weiß man ja mit 18,19 selbst gar nicht. Du machst dein Ding und siehst alles als normal an. Wenn ich dann aber durch die Welt reise und andere Kulturen kennenlerne, andere Familien, wie sich da teilweise Eltern und Kinder gar nicht verstehen. Und wie schwer es manche Kinder haben, die einfach keine Chance haben. Wenn Kinder mit ihren Eltern nicht mehr sprechen oder andersherum. Dann ist der Vater Alkoholiker." Letztens habe er gelesen, wie sich eine Frau mit Zwillingen von 13 Jahren vom Haus gestürzt hat. "Und was machen die Kinder jetzt? Auch wenn das eine Extremsituation ist. Das haben wir nie erleben müssen."

Und so schaut er sich auch die Heimat genau an, um auch dort zu helfen. "Eine Freundin hat ein Projekt hier, das mich sehr interessiert. Sie therapiert traumatisierte und behinderte Kinder auf ihrem Reithof. Aber nicht alle haben ja das Geld, um die Reitstunden zu bezahlen." Es sei die menschliche Art , die so häufig vergessen werde. "Wir verdienen natürlich viel Geld. Wir fliegen viel rum, sehen viele Länder, es geht immer weiter."

Diesem Hamsterrad will er entkommen. Und in Ruhe sich auf den Alltag konzentrieren. Zweifelnde Worte aus der selbstverständlichen Welt eines Großverdieners. Aus einer Welt, die so anders ist als die vieler ehemaliger Weggefährten im Golf Club Mettmann. Die haben nun ihre Kinder dabei. Und da wundert sich dann auch Kaymer: "Habt ihr keine Schule?" Nein, so die Antwort. "Wir haben Ferien." Kaymer grinst. Dann schlägt er das nächste Mal ab. Diesmal in den Bunker. Das Sandwedge, der Putter und das Eisen 6 haben heute keine Ferien.

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