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'Golf sollte einfach normal sein'

Nachgehakt: Hans Joachim Nothelfer
 

Der DGV vor neuen Herausforderungen - mit der zunehmend schwierigen Gewinnung von neuen Mitgliedern ergeben sich auch für den Dachverband der Golfer Herausforderungen. Petra Himmel sprach darüber mit dem DGV-Präsidenten Hans Joachim Nothelfer.

P. Himmel: Ein Sportinteressierter entdeckt Golf für sich - wofür braucht er den DGV als Verband überhaupt?
Nothelfer: Die ersten Berührungspunkte ergeben sich, weil er auf einer der Anlagen spielt, die im DGV zusammengeschlossen sind. Ohne Platz geht es nicht, der ist selbst für den Anfänger unabdingbar. Gleichzeitig wissen wir auch, dass ein Einsteiger Grundregeln und Etikettewissen benötigt, an die er sich in seinem und im Interesse der Anderen halten sollte. Beides wird vom DGV aufgestellt. Aber ansonsten spürt er den DGV natürlich nicht.

Himmel: Hat sich die Funktion des DGVs in den vergangenen Jahren mit der Öffnung des Golfsports deutlich geändert?
Nothelfer: Seine Funktion als "Governing Body" nicht. Wir sind als Verband aber sicherlich mehr gefordert, weil die Mitgliedsanlagen wesentlich höhere Anforderungen an uns stellen, die nicht nur Faktoren wie die Wirtschaftlichkeit betreffen, sondern auch Dinge, mit denen der Golfer unmittelbar zu tun hat, also zum Beispiel das Handicapsystem, bei dem wir als DGV bei der EGA (European Golf Association, Anm. d. Red) ja ebenfalls auf eine Vereinfachung drängen.

Himmel: Neumitglieder sind für die meisten deutschen Golfclubs nicht mehr so einfach zu werben wie früher. Merken Sie, dass Ihnen als deren Verband deshalb ein deutlich steiferer Wind entgegen bläst?
Nothelfer: Nein, einen generell steiferen Gegenwind verspüren wir nicht. Meist sind es kritische Einzelstimmen, die sich bemerkbar machen. Ich halte es für wichtig, dass die Clubs erkennen, dass wir mit ihnen gemeinsam auf allen Verbandsebenen nach Lösungen für die schwierige Lage suchen. Gerade im Bereich Management und Marketing verweise ich da gerne auf die vielen Seminare und Projekte, die von DGV-Seite angeboten werden. Ich behaupte nicht, dass der DGV in dieser Hinsicht der beste Sportverband der Welt ist, aber in Deutschland gehören wir sicherlich zu den besten, weil die Angebote an die Clubs sehr vielfältig sind.

Himmel: Erstmals bietet der DGV seit Herbst deutschlandweit Workshops zur Golfentwicklung in Deutschland an, bei denen die Clubs direkt in unmittelbaren Austausch mit dem Verband treten …
Nothelfer: Ja, wir wollten einfach verhindern, dass wir  mit vermeintlichen Super-Konzepten beim Verbandstag im Frühjahr auf die Clubs zugehen und dann sagen, "Leute, jetzt stimmt mal drüber ab." Wir wollen die Konzepte erst vorstellen, nachdem wir uns mit den Clubs ausgetauscht haben und viele Dinge, welche die Anlagen vor Ort bedrücken, eingearbeitet werden konnten. An dieser Vorgehensweise erkennt man auch, dass wir als Verband in einer völlig anderen Zeit agieren als etwa noch mein Vorvorgänger Jan Brügelmann, der mit einer gänzlich  homogenen Clublandschaft zu tun hatte. Wir müssen heute versuchen, einen möglichst breiten Kompromiss hinzukriegen, der die Vielfalt unserer Golflandschaft widerspiegelt. Das Mitnehmen aller, die Mitwirken wollen, machen wir mittlerweile zum Prinzip.

Himmel: Sie müssen Neugolfern und Interessenten auch die Faszination Golf vermitteln. Manche Aktionen in der Vergangenheit wie etwa die "Play Golf - Card" haben nicht den erwünschten Mitgliederschub gebracht.  Welche Lehren haben Sie daraus für die laufende Arbeit gezogen?
Nothelfer: Wir haben zum Beispiel gerade eine neue Imagestudie durchgeführt und dabei festgestellt, dass Gesundheit, Bewegung, Natur und Sportlichkeit die vier großen Begriffe sind, die wir weiter pushen müssen. Dazu kommt noch das Thema Golfeinstieg. Das betrifft natürlich zuerst die Anlagen vor Ort, die versuchen müssen, die Golfer anzulocken. Denn nur auf der Golfanlage selbst kann ich diese Themen glaubwürdig vermitteln. Der Dachverband muss hier natürlich unterstützen.

Himmel: Einige Einsteiger-Initiativen sind ja schon seit Jahren bekannt, wenn wir an "Abschlag Schule" oder auch die "Vereinigung clubfreier Golfer" denken. Haben sich manche dieser Projekte unter Umständen überlebt?
Nothelfer: Bei unseren Workshops zur Golfentwicklung diskutieren wir auch, über solche Themen ohne Vorbehalt. Das bedeutet, dass wir auch über die VcG als Einstiegsmodell sprechen. Die Anzahl der Fernmitglieder in Deutschland ist inzwischen höher als jene der VcG-Mitglieder. Also muss man bereit sein, hier über Veränderungen zu diskutieren. Abschlag Schule ist ja im Grunde kein Einstiegsprogramm, sondern es geht in erster Linie darum Golf als Schulsportart zu etablieren. Das ist über die Jahre sehr gut gelungen. Aber darüber hinaus freuen wir uns, wenn über Abschlag Schule auch neue Mitglieder für die Clubs gewonnen werden können, denn natürlich ist diese Aktion auch eine wunderbare Imagekampagne in einer ganz wichtigen Zielgruppe. Dafür bin ich der VcG als Förderer dieser Aktion sehr dankbar.

Himmel: Genauso häufig wird über das System der deutschen "Platzreife" diskutiert, das international nicht weit verbreitet ist. Eine überholte deutsche Eigenart?
Nothelfer: Ich bin der Meinung, dass sie nicht grundsätzlich überholt ist, denn sonst würden die Clubs ja keinen Gebrauch davon machen. Eine Vorschrift zur Anwendung der "Platzreife" gibt es aber nicht und gab es nie. Die "DGV-Platzreife" ist ein Angebot des Verbandes, mehr nicht. Wir müssen uns überlegen, was wirklich notwendig ist  - eine irgendwie geartete Freigabe für den Platz ist es sicherlich. Ich selbst habe einfach Schwierigkeiten damit, mir vorzustellen, dass man jeden Neugolfer überall einfach so auf den Platz lässt. Schließlich funktioniert ja das früher übliche Modell, dass der alte Hase den Neugolfer mit auf die Runde nimmt, und ihm dort die Etikette beibringt, offenbar nur noch in den wenigsten Clubs. Wir brauchen, je nach Positionierung des jeweiligen Clubs, also irgendein Instrument wie es zum Beispiel die DGV-Platzreife ist, um für die nötige Sicherheit der Spieler zu sorgen. Ein Golfball hat eben einfach ein gewisses Gefährdungspotential.

Himmel: Sie sprechen die veränderten Strukturen in einem Golfclub ist - entwickeln sich Golfanlagen zunehmend zu Anbietern im Stile von Fitnessclubs?
Nothelfer: Früher war die Bindung an einen Golfclub fast schon eine Lebensentscheidung. Der Golfclub war der Ort, an dem man einen großen Teil seiner Freizeit verbringen wollte. Das hat sich völlig verändert - und zwar nicht nur bei den Kids, sondern auch bei vielen Älteren. Die meisten Menschen gehen einfach viel mehr Freizeitaktivitäten nach. Deshalb ist es jetzt an uns, bestimmte Aspekte des Golfsports noch mehr zu betonen: die Gesundheit, die Bewegung in der freien Natur oder die Tatsache, dass man dieses Spiel bis ins hohe Alter spielen kann. Gerade der letzte Punkt ist einer unser großen Vorteile, den wir noch weiter ausbauen müssen.

Himmel: Sollten sich die Clubs also bei der Mitgliedergewinnung sofort auf die Zielgruppe der über 55jährigen konzentrieren?
Nothelfer: Ich bin ganz klar der Meinung, dass die "Generation 55+" künftig die wirtschaftlich wichtigste ist. Trotzdem müssen wir uns auch um die anderen Altersgruppen kümmern. Der Kampf um die Kids ist dabei allerdings abenteuerlich geworden, wenn wir an die demographische Entwicklung, das Freizeitverhalten der Jugendlichen und die politische Entwicklung mit Ganztagesschulen und G8 denken.

Himmel: Wenn Sie als DGV-Präsident Möglichkeit hätten, den DGV einmal nach Belieben umzukrempeln, wo würden Sie anfangen?
Nothelfer: Wir müssen sicherlich an einer größeren Akzeptanz des Sports arbeiten. Golf sollte einfach in allen Bereichen der Gesellschaft normal sein. Daran werden wir als Verbandsführung, gemeinsam mit den Landesverbänden und unseren angehörigen Golfanlagen, intensiv arbeiten.

Himmel: Was schätzen Sie als Privatperson am Golfsport, was stört Sie am meisten?
Nothelfer: Ich genieße das frühe Rausgehen in die frische Luft. Am meisten stört mich die ständige Fragerei nach dem Handicap. Auf deutschen Clubhausterrassen sitzen immer wieder viele Menschen, die das Handicap gerne plakativ vor sich hertragen. Dabei soll das Handicap ja vor allem gemeinsame Wettspiele von Spielern mit unterschiedlichem Niveau ermöglichen. Und das ist etwas, das den Golfsport dann wiederum einzigartig macht.

 

PetrHimmel, freie Journalistin, verfolgt seit gut 15 Jahren die Golfszene weltweit, schreibt für Tageszeitungen und Magazine in Deutschland und Österreich und hat diverse Golfbücher veröffentlicht. In ihrer Freizeit spielt die 45-Jährige mit Handicap 3,8 selbst gerne Golf. Ihre Leidenschaft: Linksgolf auf den britischen Inseln.

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